Balsthal-Klus
Wenn die Eisenspäne wieder fliegen: Proben für Freilichttheater laufen

Die Aussenproben für das Jubiläumstheater «Die Schmelzi» in der Balsthaler Klus haben begonnen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Vorproben zum Theater "Die Schmelzi" in der Klus zu 1050 Jahr-Jubiläen Diesen Sommer wird die Schmelzi in der Klus mit einem Theaterstück zu neuem Leben erweckt.
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Die Schmelzi - Theaterstück zu 1050 Jahr-Jubiläen im Gäu und Thal
Vorproben zum Theater "Die Schmelzi" in der Klus zu 1050 Jahr-Jubiläen
Der richtige Umgang mit «heissen» Werkstücken wird geprobt.
In einigen Spielszenen des Stückes «Die Schmelzi» gibt es viel Aktion und derben Humor.
Regisseur Christoph Schwager (r.) gibt unmissverständliche Anweisungen.

Vorproben zum Theater "Die Schmelzi" in der Klus zu 1050 Jahr-Jubiläen Diesen Sommer wird die Schmelzi in der Klus mit einem Theaterstück zu neuem Leben erweckt.

Bruno Kissling

Auf dem Von-Roll-Gelände wird wieder mit Hammer, mit flüssigem Eisen und heissen Werkstücken hantiert. Natürlich nur zum Schein und als Aktion für das Theaterstück «Die Schmelzi». Doch es mutet fast ein wenig heimelig an, auf diesem so ehrwürdigen Gelände wieder von Eisen und Schmelzi sprechen zu hören und schwarzverschmierte Arbeiter anzutreffen. Zwar ist die Illusion noch nicht ganz perfekt, doch die Fantasie kann fliessen ...

Seit Anfang dieser Woche nämlich probt das gut 35-köpfige Ensemble des Freilicht-Theaters «Die Schmelzi» unter der Regie von Christoph Schwager sein Stück draussen. Anstoss für das Stück gaben die 1050-Jahr-Feierlichkeiten von Balsthal, Oensingen, Matzendorf und Laupersdorf, die alle mit der Geschichte des früher wichtigsten Arbeitgebers der Region, der von Roll, verbunden waren.

Vorführungen und Infos

12 Vorführungen, wobei zwei schon heute ausverkauft sind, gibt es von «Die Schmelzi» zu sehen. Die Premiere findet am Freitag, 17. August, statt. Weitere Daten (ohne die ausverkauften): 18., 24., 25., 31. August.; 1., 2., 5., 7., 8. September.

Das Spiel beginnt jeweils um 20.30 Uhr und dauert inkl. Pause 2¼ Std. Alle Zuschauerplätze sind gedeckt. Vor und nach sowie während der Pause des Theaters ist das Theater-Restaurant (ab 18.30 Uhr) geöffnet; die Schmelzi-Bar öffnet während der Pause und nach dem Theater. Eintritt 39 Franken; mit Essen 77 Franken.

Vorverkauf: OeBB-Billettschalter Balsthal Tel. 062 391 31 53 oder www.eventfrog.ch.
Weitere Infos: www.schmelzi-klus.ch

Dazu kommt das 75-jährige Bestehen der Dramatisch-Literarischen Gesellschaft Balsthal (DLG), das würdig gefeiert werden soll. Deshalb engagierten ihre Verantwortlichen den Härkinger Theaterautor Christoph Schwager, der bereits für das vergangene Stück der DLG (Haus der letzten Chance) Autor und Regisseur in Personalunion war. Jetzt sollte er ein Von- Roll-Stück schreiben und inszenieren.

Schwager hat zur Recherche viele Zeitzeugen befragt und die Quellen studiert. «Wichtige Personen waren der Balsthaler Frédéric Flückiger, einer der letzten Direktoren, oder auch Werner Stooss, Lokalhistoriker aus Oensingen», erzählt der Härkinger. Verortet hat er die Handlung auf drei Zeitebenen: Zur Zeit der Gründung 1818, im frühen 20. Jahrhundert mit der ersten Blütezeit zwischen 1912 bis 1928 und in der heutigen Zeit, in der das Unternehmen geschlossen ist und nun die Gebäude zum Verkauf stehen. Daraus ist ein stringenter Zeitbogen entstanden.

Viele Aspekte des Lebens mit und über die «Schmelzi», wie die Leute damals die Firma bezeichneten, hat Schwager ins Spiel einfliessen lassen. Da wird heftig gearbeitet und geschwitzt, gemeinsam das Mittagessen eingenommen, die Fabrikherren werden kritisiert (aber nur ganz im Geheimen), politisiert, geliebt und gestritten. Ehefrauen holen ihre Männer am Werkstor ab, bevor sie ihren Verdienst in der Wirtschaft vertrinken, Gastarbeiter finden richtige Freunde und es gibt Todes- oder Arbeitsunfälle wegen der Arbeit.

Eine wichtige Phase

«Erst seit dieser Woche proben wir auf dem Gelände. Es gilt nun, den Raum zu füllen und Textsicherheit zu erlangen», sagt Schwager zum Stand der Theaterarbeit. Vieles sehe für den Laien heute vielleicht noch chaotisch aus, doch er sei zufrieden. «Klar brauchen wir jetzt noch Zeit. Doch wir gehen Schritt für Schritt vor. Wichtig ist, dass ich als Regisseur fokussiert bleibe.» Die Schauspiel-Truppe setze sich aus ganz unterschiedlichen Leuten zusammen. «Solche, die schon Freilicht- oder Bühnenerfahrungen haben, oder solche, die noch ganz neu sind.» Es freue ihn, wie in dieser so wichtigen Phase das Stück reife, harmonisch werde und von Tag zu Tag an Konturen gewinne.

Tatsächlich ist der Probeplan momentan «unerbittlich»: jeden Abend unter der Woche 21⁄2 Stunden Probe, ebenfalls an den Wochenenden. Die Stimmung unter dem Team ist gut. Konzentriert wird den Anweisungen des Regisseurs gefolgt, an Szenen immer wieder gefeilt. Hin und wieder gibt es Fragen: «Soll ich von dort kommen?» Oder: «Macht es nicht Sinn, wenn ich das so sage?» Christoph Schwager hat für alles eine Antwort.

Im Stück wird die Musik einen wichtigen Part einnehmen. Davon ist zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nichts zu hören. Schwager verrät: «Die Musik kommt nächste Woche. René Urben, der musikalische Leiter, hat eine rockige, fast archaische Musik, passend zur groben Arbeit in der Schmelzi, geschrieben.» Zusammen mit seiner Ad-hoc-Band wird er damit eine zusätzliche Dimension in das Theatererlebnis hineinbringen.