«Die Idee mit dem Buch kam eigentlich von meinem Guide Hannes van Wyk», erzählt die 39-Jährige. Die wegweisende Afrikareise habe sie aus anderen Gründen angetreten: «Ich war vom Oktober 2010 an ein halbes Jahr in Kapstadt, um Englisch zu lernen. Dort habe ich viele Kontakte geknüpft und über eine Schulkollegin im African Wildlife College Hannes kennen gelernt.»

Danach sei sie weiter allein durch das südliche Afrika gereist, insgesamt ein Jahr, und habe sehr viel erlebt. Die Rückkehr in die Schweiz im September 2011 sei deswegen von Einstiegsschwierigkeiten begleitet gewesen: «Ich war ja für ein Jahr weg und liess mehr oder weniger alles auf mich zukommen.

Nach meiner Rückkehr in die Schweiz hatte ich weder eine Wohnung noch einen Job. Das war schon abenteuerlich, bis alles geregelt war», erzählt die Mediendesignerin.

Die grosse Safari für das Buch habe dann im Sommer 2012 mit einer «Testphase» begonnen. Mit ihrem Guide Hannes sei sie für zwei Wochen durch Südafrika getourt.

Bobst erläutert: «Wir wollten schauen, ob aus der grösseren Tour etwas werden kann. Nebenher planten wir gleich das Buch.» Im September habe dann die grosse Reise in Kapstadt gestartet. Zu zweit reisten sie mit Campingausrüstung durch Namibia, Botswana, Simbabwe, Sambia und kurz nach Mosambik.

Flucht ins Haus vor den Löwen

Mit wilden Tieren habe sie eigentlich nie Probleme gehabt: «Die Tiere akzeptieren Menschen, wenn sie nicht provoziert werden. Sie sehen schon, dass da ein Zelt steht. Angegriffen wurden wir aber nie», so Bobst.

Über ihre erfahrene Begleitung sei sie trotzdem froh gewesen: «In Sambia ist eine Kollegin mit ihrem 8-jährigen Sohn zu uns gestossen. Mit den beiden haben wir in Simbabwe in der Nähe von einigen Bungalows gecampt.

Plötzlich war die Rede von Löwen in der Nähe. Wir waren nicht sicher, wie wir mit der Situation umgehen sollten, und dazu hatten wir ja ein Kind dabei. Deswegen und weil die ‹Zäune› aus Holzpflöcken und einem einzelnen Draht bestanden, beschlossen wir, im Bungalow statt im Zelt zu schlafen», lacht die 39-Jährige. Mit gewalttätigen Gruppen oder Ähnlichem habe sie nie Probleme gehabt, die Lodges und Parks seien normalerweise sehr sicher.

Ihr bestes Erlebnis kann die Oensingerin eindeutig benennen: Die Eröffnung eines grossen Nationalparks, bei der sie und ihr Guide zu Gast waren.

Die ganze Veranstaltung sei sehr authentisch gewesen. Für sie eher ungewöhnlich war dabei die Ankunft des Ehrengastes: «Der ‹Chief› der Gemeinde kam mit seinen Ministern vorbei, um das Band zu zerschneiden. Als er auf die Menge zulief, gingen alle ehrfürchtig in die Knie, Hannes und ich natürlich auch», erinnert sich Bobst.

Klatschen als Zeichen von Respekt

Das sei jedoch nur eine von vielen, für Ausländer eher ungewöhnlichen Sitten. Die Begrüssung bei einigen südafrikanischen Völkern gehe beispielsweise etwas anders vonstatten als bei uns: «Vor und nach dem Händeschütteln klatscht man zweimal. Das ist ein Zeichen von Respekt», erklärt Bobst.

Der Umgang insgesamt sei aber sehr freundlich, viel offener als in der Schweiz. Die Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika habe allerdings ein verfälschtes Bild vermittelt, findet die Oensingerin: «Viele haben seither das Gefühl, die Südafrikaner seien immer so fröhlich, obwohl sie nicht viel haben. Das stimmt nicht ganz: Sie sind einfach sehr temperamentvoll und zeigen es gern, wenn sie gut drauf sind. Schlechte Laune zeigen sie aber ebenso, das sieht man im Fernsehen halt nicht», relativiert sie.

Ungewöhnliches Verhalten in Bussen

Es habe auch schwierige Zeiten gegeben. Sie sei zwar mit ihrem Guide Hannes sehr gut befreundet, drei Monate Camping in Afrika seien jedoch schon schwer gewesen: «Wir hatten ab und zu schon zwischenmenschliche Probleme. Das ist ja fast normal, wenn zwei Menschen so lange Zeit ‹aufeinanderhocken›. Beim ersten längeren Aufenthalt in Livingston sind wir uns jedenfalls so gut es ging aus dem Weg gegangen», erinnert sich Bobst.

Ungewöhnlich für Schweizer sei auch das Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln. Wo bei uns eher Ruhe herrscht, ist der Südafrikaner eher laut unterwegs: «In einem Bus habe ich zwei Leuten beim Diskutieren zugehört.

Sie haben sich offenbar gekannt, sassen aber weit auseinander. Zum Schluss hat der ganze Bus mitdiskutiert, obwohl sich fast niemand kannte», schmunzelt Bobst.

Wein statt Ziege bei Besuch

Wie bei uns sei es auch in Afrika üblich, Gastgeschenke mitzubringen. Statt einer Flasche Wein werde dort allerdings eine Ziege mitgebracht.

Bobst erläutert: «Wir gastierten bei einem lokalen Chief in Sambia. Zum Dank haben wir der Familie eine Ziege mitgebracht. Dass diese dann gleich an einen Baum gehängt und geschlachtet wurde, war schon ein sehr spezielles Erlebnis.»

Auch sonst sei die Ernährung in Afrika eher praktisch orientiert. Grösstenteils werde Maisbrei und Fleisch gegessen. Im Gegensatz zur europäischen Küche werden in Afrika auch Insekten als Proteinlieferant verwendet.

Bobst erzählt von ihrem kulinarischen Bungeesprung: «In Sambia habe ich eine südafrikanische Spezialität probiert, frittierte Mopane-Raupen. Die sind etwas dicker als unsere einheimischen Exemplare und schmecken eigentlich nach nichts.»

Handykarten statt Lebensmittel

Der Handy-Empfang habe sie ebenfalls positiv überrascht. Fast überall könne telefoniert werden, auch entfernt von der Zivilisation. «Ausserdem gab es überall Prepaid-Karten zu kaufen. Es gab Orte, wo es keinen Lebensmittelladen hatte.

Handyguthaben gab es aber überall zu kaufen», lacht Bobst. Ebenfalls wegen mangelnden Angebots seien sie aus einem Park in Simbabwe bald wieder abgereist, schmunzelt Bobst: «Wegen Robert Mugabe hört man viel Schlechtes über Simbabwe, aber die Parks sind wunderschön. Eines Tages wollten wir jedoch Wasser und Diesel kaufen und haben gemerkt, dass der einzige Laden in der Umgebung nur Bier und Cola im Angebot hatte.»

Für Afrika-Anfänger empfehle sie Namibia und Botswana, für Reisen ins Okavango-Delta jedoch mindestens zwei Autos. Das Gebiet sei teils sehr sumpfig und es brauche einen Begleiter, welcher den Wagen wieder aus dem Sumpf ziehen kann.

Der Preis für eine zweiwöchige Campingtour (alles inklusive) mit einem privaten Guide liegt bei etwa 3500 Franken, ohne Flug. Wer ein Bungalow oder Hotel dem Campieren vorzieht, muss etwas mehr einrechnen.

Das Buch «1 Guide & 1 Guest in Southern Africa» ist in den meisten deutsch- und englischsprachigen Online-Shops erhältlich, ISBN: 978-3-86991-912-6. Weitere Informationen finden Sie hier.