Wangen
Wenn das Fahrrad da ist, ist auch Pfarrer Huber da

Pfarrer Erich Huber feiert am Sonntag sein 30-Jahr-Jubiläum am Gemeindefest des reformierten Pfarrkreises Wangen. Obwohl er im Februar 2015 das Pensionsalter erreicht, will er noch bis im Oktober weiterarbeiten.

Karin Schmid
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Seit 30 Jahren spricht Pfarrer Erich Huber in dieser Kirche – und auf den Strassen der Region – zu seinen «Schäfchen». Foto: Bruno Kissling

Seit 30 Jahren spricht Pfarrer Erich Huber in dieser Kirche – und auf den Strassen der Region – zu seinen «Schäfchen». Foto: Bruno Kissling

Am Sonntagvormittag, 31. August, lädt der Pfarrkreis Wangen der reformierten Kirchgemeinde Olten die Bevölkerung zu einem Gemeindefest ein (siehe Kasten). Die Verantwortlichen haben die Veranstaltung mit der 30-Jahr-Jubiläumsfeier von Pfarrer Erich Huber verknüpft.

Gemeindefest

Die reformierte Kirchenkommission und das Pfarramt laden morgen Sonntag, 31. August, in der reformierten Kirche in Wangen zum Kirchenfest ein. Um 10:30 Uhr beginnt der Gottesdienst mit der Predigt von Pfarrer Erich Huber. Bläser der Musikgesellschaft verleihen dem Gottesdienst eine festliche Note. Der Kirchenchor will die Gäste mit schönen Liedern überraschen. Danach ist die Festgemeinde zum Apéro riche vor der Kirche oder im Saal eingeladen. So wird auch Zeit zum miteinander reden bleiben.

Der aus Berlin nach Wangen gekommene Erich Huber hat bereits sein 20- und 25-Jahr-Jubiläum in Wangen mit der Bevölkerung gefeiert und gemeinsam mit ihr auf sein Schaffen zurückgeschaut. In den vergangenen fünf Jahren hat sich für den 64-Jährigen eine «gravierende Veränderung» ergeben: «Seit vier Jahren leben wir (er und seine Frau Hanni, Anm.Red.) im neuen Pfarrhaus. Dadurch sind Arbeitsplatz und Wohnraum erstmals separat. Das ist eine ganz neue Situation für uns.»

«Jugendliche ansprechbarer»

Für ihn sei das Pfarrhaus vorher eine Einheit von Arbeit und Leben gewesen, sagt Huber. «Die Gemeindemitglieder merken nun: Wenn das Fahrrad da ist, ist der Pfarrer da.» Grundsätzlich bezeichnet sich Erich Huber als «Pfarrer zum Anfassen». «Für einen Pfarrer geht Arbeit und Leben ineinander über. Wenn ich als Pfarrer mit Dienstleistungen rüberkomme, spüren mich die Leute nicht. Sie müssen mich überall ansprechen können.» Die Pfarrgemeinde schätze das auch. «Die Begegnung mit Menschen ist wichtig. Wenn ich mit dem Fahrrad durch die Dörfer und durch Olten fahre, kennt man mich, auch wenn ich nicht hier aufgewachsen bin.»

Jährlich absolviert Erich Huber über 300 Hausbesuche. «Früher war das üblich. Heute wird das von einem modernen Pfarrer nicht mehr erwartet. Wenn man heute jemanden zum 65. Geburtstag besucht, ist er überrascht, freut sich aber». Das Aktiv-auf-die Menschen-zugehen habe er «stark forciert. Das finde ich seelsorgerisch nach wie vor ganz gut. Ich bin zwar kein Therapeut, aber es ist ganz wichtig, dass ein Mensch Dampf ablassen oder etwas sagen kann. Bei mir können sie das – zwar in Smalltalk-artiger Form, aber trotzdem beim Pfarrer».

Zur Person: Sportlicher Kirchenvertreter

1950 geboren und aufgewachsen in Bayern, studierte Erich Huber Theologie in Neuendettelsau bei Nürnberg, Heidelberg und Berlin. Nach dem Examen war er Pfarrer der Berliner Landeskirche in Kreuzberg. 1984 zog er in die Schweiz und übernahm per 1. August die Pfarrerstelle im Pfarrkreis Wangen der reformierten Kirchgemeinde Olten. Von 1985 bis 1992 amtete der aktive Seniorenfussballer als Präsident des FC Wangen. Vom FC aus initialisierte der Hobby-Tennisspieler und J+S-Leiter die Partnerschaft der Gemeinde Wangen mit der deutschen Stadt Traben-Trarbach. 1992 gab Huber das FC-Präsidium ab und trat in den Synodalrat ein. Von Ende 1993 bis Ende 2005 präsidierte er den Synodalrat der Evangelisch-reformierten Kirche Kanton Solothurn. Der Vater von drei Kindern im Alter zwischen 21 und 37 Jahren ist aktuell Leiter des Pfarrkonvents in der reformierten Kirchgemeinde Olten.

Nach Auffassung von Erich Huber hat sich die reformierte Kirche in den letzten 30 Jahren «sehr positiv verändert»: «Kinder und Jugendliche sind heute viel ansprechbarer als früher. Ihre Begeisterung an Veranstaltungen, die der Pfarrkreis für sie durchführt, ist gross. Das gibt mir Aufschwung. Für die Musicalwoche beispielsweise brauchen wir einen Anmeldestopp.» Ihm ist bewusst, dass dies «nicht unbedingt mit der gängigen Aussage in Kirchen korrespondiert».

Das hänge «mit dem Zeitgeist» zusammen – und «einer positiven, modernen Präsentation». «Vielleicht muss die Kirche eine andere Organisationsform finden und noch durchlässiger sein. In der Kirchgemeinde Olten sind wir sehr durchsichtig, sehr flexibel. Dadurch ergeben sich grosse Synergieeffekte.» Es brauche «einfach Orte der Versammlung und der Gastfreundschaft». Darum habe sich der Pfarrkreis Wangen in den letzten Jahren bemüht. Laut Huber mit Erfolg: «Jede Woche haben wir drei Chöre zu Gast, die unsere Räumlichkeiten als Probelokal nutzen: am Montag der Jodlerklub, am Dienstag der Kirchenchor und – neu – am Mittwoch der Männerchor Wangen.» Dazu gesellt sich regelmässig der Happy-Hours-Chor. «In unseren Räumen ist immer etwas los.»

Offiziell im Studienurlaub

In einem Beruf, in dem Arbeit und Leben so ineinander über gehen wie beim Pfarrer, sei es wichtig, Timeouts zu nehmen und «weiterbildungsmässig etwas zu machen», sagt Huber, der es deshalb «braucht, auch einmal das Dorf zu verlassen und in die Stadt zu gehen». Die einwöchigen, pfannenfertig organisierten Gemeindereisen, zu denen Erich Huber seit einigen Jahren nicht nur die Konfirmanden, sondern auch «erwachsene» Kirchgemeindemitglieder in deutsche Städte einlädt, haben sich «stark entwickelt. Das läuft ganz toll. Manchmal muss sogar eine Reise wiederholt werden, weil der Andrang so gross ist».

Seit Juli befindet sich Erich Huber bis Ende September im Studienurlaub – offiziell, denn faktisch unterbricht er ihn «ein paar Mal», beispielsweise für einen Gottesdienst am Bettag und seine morgige Jubiläumsfeier. Die ersten sechs Wochen des Studienurlaubs verbrachte Huber an einem Kurs für kreatives Schreiben an der Humboldt-Universität in Berlin. In den restlichen vier Wochen ab nächster Woche wird er zwei Strecken auf dem Jakobsweg gehen: «Eine fängt in Deutschland an der Ostsee an und geht bis Spanien. Danach werde ich eine Woche im Jura verbringen; ein Jakobsweg verläuft oberhalb von Neuenburg.» Als «heimliches Thema» in den drei Studienmonaten bezeichnet Erich Huber «‹Wahrnehmen, beobachten und darüber schreiben›. Ich habe schon ganz viel geschrieben.»

Am 31. Oktober 2015 in Pension

Im Februar 2015 erreicht Erich Huber das offizielle Pensionsalter. «Da wir nächstes Jahr mehrere Jubiläen feiern, hat der Kirchgemeinderat beschlossen, dass meine Amtszeit bis 31. Oktober 2015 verlängert wird.» So stehen im Pfarrkreis Wangen Festivitäten zum 75-Jahr-Jubiläum der reformierten Kirche sowie zum 100-jährigen Bestehen des Kirchenchors an. «Das wird ordentlich zu tun geben zu den ordentlichen Amtsgeschäften», bemerkt Huber. «Da will man in einer Kirchgemeinde nicht unbedingt den Pfarrer wechseln.»

Erich und Hanni Huber wollen danach in der Region bleiben, denn «alle drei Kinder leben und arbeiten da.» Der älteste Sohn arbeitet bei der SBB, der mittlere Sohn führt die Bodega in Olten und die jüngste Tochter absolviert eine Hochbauzeichnerlehre.

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