FREIWILLIGENARBEIT IN DER REGION OLTEN: TEIL V
Wenn «Annatar» die Senioren besucht, muss er Söckchen tragen

Karin Brunner aus Hägendorf und ihr Hund Annatar, ein Irish Red and White Setter, sind eines von knapp 700 Therapiehunde-Duos, die es in der Schweiz gibt. Die besuchen auch Altersheime.

Rahel Bühler
Merken
Drucken
Teilen
Karin Brunner leistet mit ihrem Hund im Alterszentrum Sunnepark in Egerkingen Freiwilligenarbeit.

Karin Brunner leistet mit ihrem Hund im Alterszentrum Sunnepark in Egerkingen Freiwilligenarbeit.

Bruno Kissling

Der Finger zeigt nach oben, Karin Brunner ruft «Sitz!». Rüde Annatar lauscht gespannt und führt den Befehl ohne zu zögern aus. Er weiss genau, was er jetzt zu tun hat. Schliesslich hat er das ja gelernt. Karin Brunner aus Hägendorf und ihr Hund Annatar, ein Irish Red and White Setter, sind eines von knapp 700 Therapiehunde-Duos, die es in der Schweiz gibt.

Freiwilligenarbeit in der Region Olten: Teil V

In einer Serie widmen wir uns Menschen, die sich in unterschiedlichen Vereinen und Organisationen in der Region auf freiwilliger Basis engagieren. Im fünften Teil berichtet Karin Brunner von ihren Erfahrungen mit ihrem Therapiehund.

Vor fünf Jahren haben sie zusammen die entsprechende Ausbildung beim Verein Therapiehunde Schweiz absolviert, die ein halbes Jahr dauerte und am Schluss eine schriftliche und praktische Prüfung beinhaltete. Dabei lernt der Hund zum Beispiel, wie er mit schwierigen Situationen umgehen soll. Seither besuchen sie Schul- und Kindergartenklassen, Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung oder auch Altersheimbewohner.

So wie jene im Sunnepark in Egerkingen. Karin Brunner unterscheidet dabei zwischen zwei Arten von Besuchen: Einzelbesuche, die alle zwei Wochen stattfinden, und Gruppenstunden, die einmal im Monat mit acht bis zehn Teilnehmern vonstattengehen. «Es geht bei unseren Besuchen darum, den Senioren ein freudiges Erlebnis zu bieten», erklärt Brunner. Der Kontakt mit dem Tier und vor allem das Spüren der Wärme eines Lebewesens mit einem Fell sei eine ganz spezielle Erfahrung, ein «Wohlfühlgefühl», wie sie es nennt.

Socken als Schutz

Schon als Annatar von der schönen Matte, wie der Hund mit vollständigem Namen heisst, ein Welpe war, fiel anscheinend auf, dass er gerne auf Menschen zuging und sich problemlos von ihnen anfassen lässt. Heute, knapp neun Jahre später, hat er nichts davon verloren: Er wartet geduldig und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Für den Besuch im Altersheim trägt er Söckchen an den Vorderpfoten. Karin Brunner erklärt wieso: «Erstens sind die Böden hier sehr rutschig, und zweitens wird dadurch die empfindliche Haut der Senioren geschont.» Die Gruppenlektionen dauern jeweils eine Stunde. Anfangs gibt es eine Session, wo alle mitmachen können, da wird beispielsweise ein kleiner roter Ball mit Futter gefüllt und auf dem Boden herumgerollt.

Die Senioren bilden dabei einen Kreis und müssen verhindern, dass der Ball diesen verlässt. Anschliessend wird die Gruppe aufgeteilt. Zuerst erhält die eine Hälfte der Gruppe die Möglichkeit, sich intensiv dem Hund zu widmen, dann gibt es eine Pause, in der sich der Hund ausruhen kann, und danach folgt die zweite Hälfte. Dabei ist immer eine Person an der Reihe, dem Hund einen Beutel mit Futter zu werfen und ihn sich dann wieder bringen zu lassen.

«Erhalte viel zurück»

Die Arbeit mit älteren Menschen fasziniert Karin Brunner, das wird während des knapp einstündigen Gesprächs immer wieder klar. «Es macht mir grosse Freude, und ich erhalte viel zurück», erzählt sie und meint damit die Wertschätzung, die sie von verschiedenen Seiten bekomme. «Ich sehe bei den Senioren oft Freude in den Augen, wenn sie mit Annatar in Kontakt kommen.»

Vor der ersten Stunde, die sie in einer Primarschulklasse verbrachte, habe sie grossen Respekt gehabt, erzählt Karin Brunner. Und: Wichtig sei auch, dass man selber hintenanstehen muss, denn: «Der Hund und die Senioren, Menschen, Besuchten stehen im Vordergrund.»

90 Volontäre in drei Seniorenheimen

In den drei Altersheimen der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) engagieren sich rund 90 Freiwillige in den unterschiedlichsten Positionen: «Sie bedienen im hauseigenen Café, gehen mit den Senioren spazieren, organisieren Kirchenbesuche oder fahren die Senioren von A nach B», erklärt Lisa Sommer. Sie ist die Abteilungsleiterin Aktivierung und kümmert sich unter anderem um die Freiwilligenkoordination. «Manche von ihnen unterstützen uns auch bei speziellen Aktivitäten, wie zum Beispiel beim Ostereier-Färben oder beim Bräteln im Wald.» Laut Sommer sind die meisten der freiwilligen Helfer Frauen und im Pensionsalter. Die 48-jährige Karin Brunner mit ihrem Therapiehund Annatar tanze da schon ein wenig aus der Reihe, sagt Sommer schmunzelnd.

Der Verein Therapiehunde Schweiz wurde 1994 gegründet und ist eine Organisation zur Förderung der tiergestützten Therapie. Der Verein zählte im Januar dieses Jahres 1495 Aktivmitglieder, von denen 668 aktive Therapiehunde-Teams, wie Karin Brunner und Annatar, sind. Nach erfolgreicher Abschlussprüfung sind die Teams überall einsatzfähig, wo sie gebraucht werden. Zum Beispiel in Senioren- und Pflegeheimen, in Schulen und Kindergärten, in Kinderkliniken oder in Behindertenheimen. Allgemein gesagt helfen die Therapiehunde-Teams Menschen mit körperlichen und seelischen Leiden. Die Aktivmitglieder leisten ihre Einsätze auf freiwilliger und unentgeltlicher Basis. So sollen die Dienste des Vereines für jedermann zugänglich gemacht werden. (rb)