Kestenholz

Weltstar Patricia Kaas begeistert mit Piaf-Chansons

Patricia Kaas gastierte am Donnerstagabend mit ihrer Piaf-Show am St. Peter at Sunset. Die französische Sängerin coverte aber nicht nur - sie sang eigenständige Interpretationen, die einem hohen Anspruch gerecht wurden.

Wenn sie singt, läuft es einem oft kalt über den Rücken: Die rauchige Stimme ist das Markenzeichen der französischen Sängerin Patricia Kaas, unverwechselbar und packend. Und wenn sie dann alte Hits und Lieder vorträgt von Edith Piaf, der vor fünfzig Jahren verstorbenen Königin des französischen Chansons, gibt es nichts zu bemängeln, aber viel dazu zu bemerken.

Flirt mit Alain Delon

Es sind denn auch keine schlichten Cover-Versionen, die in Kestenholz begeisterten. Kaas verfällt nicht dem Irrtum, die Piaf nachzuahmen, sondern singt eigenständige Interpretationen, die hohem Anspruch gerecht werden. «Ich interpretiere Lieder, die Sie kennen», sagte sie zwischendurch in einer der wenigen Ansagen, «aber sie sind voller Emotionen, die mich berührten.»

Patricia Kaas stellt die Situationen der Texte nach und macht – unter anderem mit raschen Kleider- und Schuhwechseln – aus jedem Chanson einen «kurzen theatralischen Moment», wie sie zu «Milord», einem der grössten Piaf-Erfolge, bemerkte. Schon während des längeren musikalischen «Milord»-Vorspiels wurde auf der grossen Leinwand wie zu fast jedem Lied ein Video eingespielt, in dem die 47-Jährige mit dem sichtlich gealterten, 78-jährigen Alain Delon flirtet und schmust.

Ein doppelsinniges, seelenvolles Spiel der Gefühle, das einerseits auf den Songtext Bezug nimmt, andererseits aber auch darauf, dass der blutjunge Delon einst die Piaf «wie soll ich sagen, näher gekannt hat».

Höhepunkt «La vie en rose»

Über zwanzig Piaf-Songs erklangen, ein halbes Dutzend mehr als auf der erfolgreichen neusten CD «Kaas chante Piaf» zu finden sind.

Kaas trug auch weniger bekannte Chansons vor. Beispielsweise das Lied «L’étranger», das die junge Pariser Strassensängerin Piaf Mitte der 1930er-Jahre auf ihrer ersten Plattenproduktion aufnahm. Patricia Kaas verzichtete auf die Klavierbegleitung der Originalaufnahme, sang ohne die Band und wurde nur zwischendurch vom Violinisten mit ein paar musikalischen Schlenkern unterstützt.

Derart neu aufbereitet waren alle Titel des Konzerts. Für die Plattenaufnahmen und die Tournee hatte sich Kaas die Oldies eigens vom erfolgreichen Filmkomponisten Abel Korzienowski arrangieren lassen für die dreiköpfige Band und zusätzliche elektronische Einspielungen – meist ein satter Hollywood-Sound. Aus jedem Chanson wurde so ein kleines musikalisches Drama, in dessen Ausgestaltung die Sängerin von einem jungen athletischen Tänzer unterstützt wurde.

Unbestrittener Höhepunkt des Abends war das erschütternd interpretierte «La vie en rose», bei dem Patricia Kaas auch in den Tanz mit einbezogen wurde und anschliessend das Chanson nochmals sang – auf ihre einmalige Stimme vertrauend, in der Reprise ohne Begleitung, aber mit Hilfe des Publikums.

Tournee rund um die Welt

Der Zwischenhalt am St. Peter at Sunset war eines von über 150 Konzerten, die Patricia Kaas 2013 gewissermassen zu ihrem 25-Jahr-Jubiläum als Entertainerin und moderne Chansonnière in den bekanntesten Musiktheatern dieser Welt gibt. Im Februar gastierte sie mit ihrer anspruchsvollen Hommage an Edith Piaf an fünf ausverkauften Abenden im Pariser «Olympia», der wohl berühmtesten Music Hall Europas und Ort der grössten Piaf-Erfolge.

Kaas nächster Auftritt findet in Südfrankreich statt, und dann fliegt sie für zwei bereits ausverkaufte Konzerte nach Japan. Dass der Weltstar in Kestenholz auftrat, belegt die Qualität dieses Festivals. Allerdings gab es an diesem doch recht kühlen Juli-Abend arg viel leere Plätze. Doch dies tat der Begeisterung keinen Abbruch. Mit zwei langen Standing Ovations bedankte sich das Publikum bei Patricia Kaas, die einige Zeit auch in der Schweiz gelebt hatte und sehr gut Deutsch spricht. «Non, je ne regrette rien» sang sie als ersehnte Zugabe, wiederum in einer eigenwilligen und eigenständigen Fassung, die Edith Piaf wohl gefallen hätte.

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