Seit drei Jahren führt der Balsthaler Marius Steck (54) in der Thalbrücke eine Brockenstube. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Samuel Elsasser, seiner Frau Lilian und zwei Angestellten. «Ich habe schon viel von der Welt gesehen, war in 52 Ländern der Erde und habe auch schon einige Berufe ausgeübt», sagt der gesprächige Mann in seinem Büro in der Brockimania, seiner Brockenstube.

Als es bei seinem letzten Arbeitsplatz zu kriseln begann, überlegte er sich, wie er den Lebensunterhalt für seine fünfköpfige Familie bestreiten könne. Er kam zusammen mit seinem Geschäftspartner auf die Idee, ein Brockenhaus zu betreiben. Das Haus an der Solothurnerstrasse, in dem früher ein Denner-Satellit eingerichtet war, konnte er von der Gemeinde Balsthal kaufen.

«Es begann damals damit, dass ich eine Hausräumung durchführte.» Das habe er früher so nebenbei gemacht. Richtige Brockenhäuser kannte Steck damals so, wie jedermann. «Ich besuchte hin und wieder das Brockenhaus der Heilsarmee in Olten. Das gefiel mir.» Ansonsten habe er keine Vorbilder gehabt.

Fast wie Weihnachten

Seit drei Jahren betreibt er nun dieses Business und es macht ihm sehr viel Spass. «Wenn ich irgendwo eine bereitgestellte Kiste abhole und diese auspacken kann, ist das jedes Mal wie Weihnachten. Man weiss nie, was man findet.» Zu Beginn habe er zu 90 Prozent die Sachen selbst abgeholt. «Heute bringen die Leute rund 50 Prozent seiner Waren direkt ins Geschäft», beschreibt er. In der Regel sind es Gegenstände, die aus Hausräumungen stammen.

«Ältere Leute ziehen ins Altersheim, geben ihre Häuser auf, zwei Haushalte werden zusammengelegt, oder Leute reisen ins Ausland – so kommen die Waren ins Brockenhaus.» Bei solchen Gegenständen unerwartet auf einen Schatz zu stossen, sei eigentlich unmöglich, weiss Steck.

«In aller Regel wurden die wertvollen Sachen schon von den Angehörigen geholt oder verkauft.» Dennoch komme es hin und wieder vor, dass kleinere Preziosen, Versilbertes oder Vergoldetes bei ihm landet. «Solche Sachen zeige ich einem befreundeten Antiquitätenhändler, der es dann einordnet und einschätzt.»

Alles ausser Grossmöbel

Steck nimmt eigentlich alles in sein Sortiment auf, was sich in einem Haus findet. «Ausser Grossmöbel», betont er. «Einerseits habe ich dafür keinen Platz, andererseits auch keine Zeit, denn solche Möbel müssen auf- und abgebaut werden.»

Viele Leute kontaktieren ihn via E-Mail und beschreiben, was sie ihm anbieten möchten, manche schicken auch noch Fotos mit. «Und es kann auch vorkommen, dass man gar einen Preis verlangt.» Doch darauf tritt er nicht ein. «Ich zahle nicht für die Dinge; ich hole sie höchstens ab. Wer etwas verkaufen will, kann das auch bei Ebay oder Riccardo tun.»
Denn Steck muss vom Erlös, den er durch den Verkauf der Brocki-Sachen erzielt, auch leben können. «Zudem habe ich ja auch Fixkosten. Löhne, Miete, Autofahrkosten, Strom und so weiter.»

Es komme auch vor, dass Kunden glauben, sie könnten über die Ladenpreise verhandeln. «Dann heisst es: Das ist doch nur eine Brockenstube. Wenn Einer meint, ein Franken sei für eine Kaffeetasse zu teuer, dann habe ich kein Verständnis dafür.»

Man lerne die Leute kennen im Brockenhaus, sagt Steck. «Ich habe alle Schichten von Kunden: vom Millionär bis zum Arbeitslosen. Und inzwischen kommen die Kunden auch schon von weit her. Es hat sich herumgesprochen, dass man bei uns Dinge des ländlichen Alltags findet. Ein Pferdegeschirr oder eine Stalllampe. So etwas gibt es in einem Brockenhaus in Zürich nicht.»

Räumen, ordnen, räumen, ordnen

Ordnung ist das halbe Leben. Dieser Spruch passt wohl nirgends besser als im Brockenhaus. Und so sind Steck und seine Mitarbeiter täglich am Sortieren, Auf- und Umräumen. «Im Ladenbereich zeigen wir noch lange nicht alles, was wir haben. Hier soll alles schön präsentiert und strukturiert sein. Wer in den Keller steigt, kann auch dort noch ein paar Stunden verweilen.» Nur wenn die Gestelle nicht überladen sind und die Kunden noch etwas anfassen können, ohne dass das Danebenstehende gleich auch noch mitkommt, fühlt man sich wohl und kauft.

Was in der Brockimania lange keinen Abnehmer findet, kann per Container nach Südamerika oder Afrika gehen. «Inzwischen habe ich Kontakt zu Leuten, die Alltagsgegenstände für Entwicklungsprojekte suchen.» Letztes Jahr habe er beispielsweise eine Ladung Töffhelme und Kindersitze so weitergeschickt. «Es freut mich, wenn ich mit meiner Arbeit anderen helfen kann. Alles kann man also irgendwo noch brauchen.»

Besonderen Spass macht es ihm, wenn Kunden lange Gesuchtes bei ihm entdecken. «Bei uns wurden schon ganze Wild-West- oder Bayerndekorationen für Feste oder Partys gesucht und gefunden.»

Von Dingen und Leuten

Er habe in den vergangenen drei Jahren auch viel gelernt, meint Steck – über die Dinge und über die Leute. «Es macht oft traurig, wenn man bei einer Hausräumung auf Gegenstände stösst, die den Leuten wertvoll und wichtig waren und die heute niemand mehr will. Die Leute hatten Hobbys und sammelten Kaffeekannen, Puppen oder Schützenabzeichen. Solche Dinge landen heute alle im Brockenhaus.»

Steck räumt im Thal und bewegt sich im Gäu bis Egerkingen und im Oberaargau bis Wiedlisbach. «Weiter fahre ich nicht». Täglich erreichen ihn bis zu drei Anfragen, um Dinge abzuholen. Und oft findet man die gleichen Sachen vor: Küchengegenstände, Geschirr, Kleider, Bücher... «Ich werde damit nicht reich, aber die Arbeit macht Spass», sagt er. Und einen Rat hat er auch noch: «Sammle nicht zuviel Dinge an in Deinem Leben an. Du kannst nichts mitnehmen.»