Aedermannsdorf

Weltenbummler auf Stippvisite im Thal: Jonas Deichmann kehrt mit Weltrekord heim

Jonas Deichmann legte die Panamericana in knapp 98 Tagen alleine mit dem Velo zurück. Auf dieser 23'000 Kilometer langen Reise stellt der Extremsportler seinen dritten Weltrekord auf.

Herzlich willkommen in Aedermannsdorf. Der 31-jährige Münchner öffnet die Türe des Hauses, in dem sein Vater Sammy Deichmann wohnt. Vor wenigen Wochen ist Sohn Jonas von einer 98-tägigen strapaziösen Veloreise von Alaska bis nach Feuerland zurückgekehrt. Man sieht ihm aber die 23 000 Kilometer nicht an, die er ganz alleine mit seinem Endurance-Bike zurückgelegt hat. Er strahlt. Das Wagnis, die Strecke in hundert Tagen oder weniger zurückzulegen, ist gelungen. Der Weltrekord lag vorher bei 125 Tagen im Alleingang mit dem Fahrrad. Diese Marke wollte Deichmann mit dem Start am 18. August 2018 knacken.

Berufswunsch: Abenteurer

Doch wie kommt einer darauf, sich ganz alleine einer solchen «Mörderstrecke» zu stellen? «Ich war in meiner Kindheit schon immer draussen und habe das Abenteuer gesucht», erzählt er. Nach dem Studium habe er beschlossen, mit dem Fahrrad die Welt kennen zu lernen und exotische Länder zu erkunden. «Die Entdecker Mitte des letzten Jahrhunderts sind meine Vorbilder. Sie haben noch wirkliche Abenteuer erlebt. Solche habe ich mir ausgedacht.» Intensiv Velo gefahren ist Deichmann schon immer.

Jonas Deichmann im Oman (längere Version

Jonas Deichmann im Oman

 

Aber er sagt: «Ich bin kein Sprinter. An einer Tour de France hätte ich keine Chance, alle würden mich abhängen. Würde die Etappe weitergehen, würde ich wahrscheinlich gewinnen.» Er lacht. Das Schwierigste in seiner Disziplin sei die Logistik, die hinter einem solchen Vorhaben steht. Wie geht es mit dem Essen, mit dem Schlafen, wo kann ich einkaufen, wo Ersatzteile beschaffen? Vor zwei Jahren schon bewältigte er alleine die Eurasien-Tour, von Lissabon nach Wladiwostok. Auch hier gelang ihm in 64 Tagen ein Weltrekord.

Der Müncher Abenteurer Jonas Deichmann begibt sich auf seine nächste Weltrekordjagd: 23.000km von Alaska bis an die Südspitze Argentiniens mit dem Fahrrad und ohne Begleitung. Sein Ziel sind 100 Tage – ganze zwei Wochen schneller als der aktuelle Weltrekord. Das Abenteuer beginnt am 18. August am arktischen Ozean in Alaska und Jonas wird dann entlang der Rocky Mountains und der Anden radeln bis er Ushuia an der Südspitze Südamerikas erreicht. Die Route durch 14 Länder und 5 Zeitzonen gilt schon seit langem als ultimative Herausforderung für Extremsportler – denn es müssen mehr als 200.000 Höhenmeter überwunden werden.

Jonas Deichmann verfolgt stets grosse Ziele.

Der Müncher Abenteurer Jonas Deichmann begibt sich auf seine nächste Weltrekordjagd: 23.000km von Alaska bis an die Südspitze Argentiniens mit dem Fahrrad und ohne Begleitung. Sein Ziel sind 100 Tage – ganze zwei Wochen schneller als der aktuelle Weltrekord. Das Abenteuer beginnt am 18. August am arktischen Ozean in Alaska und Jonas wird dann entlang der Rocky Mountains und der Anden radeln bis er Ushuia an der Südspitze Südamerikas erreicht. Die Route durch 14 Länder und 5 Zeitzonen gilt schon seit langem als ultimative Herausforderung für Extremsportler – denn es müssen mehr als 200.000 Höhenmeter überwunden werden.

Aus diesem Abenteuerleben wollte er seinen Beruf machen, dies habe schon lange festgestanden, erzählt er. «Ich habe gute Sponsoren gefunden, die mir mit Material und Support helfen. Nach den Touren komme ich zurück und halte Vorträge über die Reisen und die Erlebnisse und über die Motivation, die es braucht, an einem solchen Vorhaben dranzubleiben.» Und dann melden sich auch die Medien und wollen ihn als Gesprächspartner. Das alles macht er gerne mit.

Der grosse Grizzly-Bär

So hielt er nach der Heimkehr in Aedermannsdorf ebenfalls einen Vortrag über seine Erlebnisse. «Das Schlimmste an der letzten Tour war der Wind vor allem in Südamerika; das Schönste die unterschiedlichen Landschaften und Kulturen», schildert er. In seinem Tagebuch, dessen Einträge auf seiner Homepage zu finden sind, ist auch davon zu lesen.

So zum Beispiel an Tag sieben in Kanada: «Die Landschaft ist wunderschön und ich radle an grossen Bergen, Seen und endloser Wildnis vorbei. Am Morgen überquert eine Elchfamilie die Strasse vor mir. In der Nacht tauchen plötzlich die Nordlichter auf und der gesamte Himmel ist von diesen magischen grünen Lichtern bedeckt. Ein unvergessliches Erlebnis.» Und an Tag neun: «Ich mache mich um sechs in einen kalten Morgen auf. Nach einer Stunde sehe ich einen riesigen Grizzly neben der Strasse und halte in sicherer Entfernung an. Nach zehn Minuten kommt ein Auto und ich fahre mit dem Auto als Schild zwischen dem Bären und mir vorbei.»

«Bären oder andere wilde Tiere sind nicht das gefährlichste auf der Tour», erzählt er. «Das Gefährlichste ist der Verkehr, die grossen LKWs. Und in den Grossstädten die Kriminalität, vor allem in Honduras.» Einmal nahmen ihm die Zöllner alles Bargeld ab und nirgends gab es einen Bancomaten, der funktionierte. Deichmann hungerte, konnte es dann aber mithilfe von Einheimischen in die nächste Stadt schaffen. Endlich meldete er sich auch wieder zu Hause. «Meine Angehörigen verfolgen mich via GPS. Doch wenn das Signal ausfällt und sie mich nicht erreichen können, werden sie unruhig.»

Wer ganz auf sich allein gestellt eine solche Tour macht, kann nie so schnell sein, wie wenn er begleitet wird. «Am meisten Zeit geht für Einkaufen und Kochen verloren. Denn Essen muss man, rund 10 000 Kalorien täglich.» Deichmann fährt auf diesen Strecken ein Endurance-Bike. «Das ist robuster als ein normales Rennrad und die Haltung ist auch etwas aufrechter und damit rückenschonender.» Doch nach den 23 000 Kilometern sei das Rad komplett hinüber gewesen. Überhaupt habe er viel Glück gehabt, sei es mit Stürzen – wegen streunender, wilder Hunde – oder mit Materialschäden. «Immer wieder fand ich Menschen, die mir helfen konnten.»

Jonas Deichmann im Oman

Jonas Deichmann im Oman

Der Extremsportler bei einem Wettkampf im Oman: Auch hier im Sattel auf dem Velo unterwegs.

Er möchte dieses Abenteuer-Leben noch lange so weiterführen, sagt er. «Ich kann es sicher noch bis Mitte vierzig weiterziehen. Und noch habe ich viele Ideen für extreme Abenteuer.» Am Ende seien es dann doch immer die schönen Erlebnisse, von denen er zehren kann. So wie dieser 90. Tag der Tour im Tagebuch. «Endlich Rückenwind. Da ich weiss, dass es nur heute ist und der Wind morgen mit gewohnter Kraft von vorne weht, überspringe ich alle Pausen und fahre so weit wie möglich. Es ist ein wunderbares Gefühl, Patagonien mit 35–40 km/h ohne grosse Anstrengung zu überfliegen. Ich beende den Tag nach 360 Kilometern und finde ein schönes Restaurant, in dem ich hinterher campen kann. Das Essen und der Kumpel sind grossartig.»

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