Lilafarbene Bäume vor dunkelblauem Hintergrund: Das kommt durchaus vor beim in Welschenrohr wohnhaften Maler Fritz Guggisberg. «Ich verwende lieber expressive Farben als naturalistische», so der in Scherliau BE geborene Künstler. «Meiner Meinung nach braucht man nicht zu malen, was man auch fotografieren kann.»

Entsprechend bunt fallen seine Werke aus. Aktuell arbeitet er an einer Serie mit dem Titel «Natur als Strich», aus der er im September Werke an der Ausstellung SELZ art contemporain zeigt. Passend zur Vernissage am 4. September erscheint ein Buch mit rund 60 Zeichnungen, einem Interview sowie Texten von zwei Kunsthistorikern. Für das Werk sprach ihm der Kanton einen Beitrag aus dem Lotteriefonds zu.

An der Ausstellung sind auch gut ein Dutzend seiner Malereien auf Holzschnitzen zu sehen. Am Anfang eines solchen Werks steht eine Zeichnung, welche er in eine grosse Holzplatte schnitzt. Anschliessend färbt er das Werk mit Ölfarbe ein, wodurch aus der ursprünglichen Zeichnung ein Gemälde entsteht. Das Schnitzen verleiht dem Werk die gut sichtbaren, strichartigen Strukturen. Der Natur widmet der 60-Jährige diese Serie, aber als Motiv begleitete sie ihn durch das ganze Schaffen.

Zwischen Zeichnung und Gemälde

Allerdings ist diese Art des Arbeitens für ihn relativ neu. Erst nach einem dreimonatigen Spitalaufenthalt begann er diesen März damit, vermehrt zu zeichnen, da ihm die Kraft für die Malerei noch fehlte. Später stiess er auf den Holzschnitt. «Mich fasziniert es sehr, eine Brücke zwischen Zeichnung und Gemälde zu schlagen. Für meine neue Serie ist es die ideale Ausdrucksform», so Guggisberg. Er arbeitete auch mit Skulpturen aus Holz und Stein, widmete sich aber schliesslich aus praktischen Gründen nur noch der Malerei.

Auf Druck seines Vaters, der eine Sägerei und Zimmerei besass, erlernte Guggisberg den Beruf des Zimmermanns. Eigentlich wollte er Bildhauer werden. «Im Nachhinein bin ich froh darüber», so Guggisberg. Doch bereits während der Lehre besuchte er Kurse an der Kunstgewerbeschule in Bern.

In seiner Freizeit malte er viel, oft auch bis spät in die Nacht. Das ging so weit, dass er am nächsten Tag während der Arbeit als Zimmermann auf der Baustelle auch mal einschlief. «Das war in den 1980er-Jahren. Daraufhin habe ich beschlossen, mich nur noch auf die Kunst zu konzentrieren», erzählt Guggisberg mit einem verschmitzten Lächeln.

Atelier in ehemaliger Uhrenfabrik

Später unterrichtete er Schüler, teils privat, teils Zeichenunterricht an Schulen. «Irgendwie musste ich ja meine Familie ernähren.» Guggisberg hat drei erwachsene Kinder. Mit seiner Frau Susanne lebte er in Beinwil nördlich des Scheltenpasses, später in Balsthal und schliesslich seit 2011 in der kultUHRfabrik in Welschenrohr, einer ehemaligen Uhrenfabrik, wo heute ein Uhrenmuseum ist. Während die meisten der Räume in der Fabrik ausschliesslich als Ateliers genutzt werden, hat sich das Ehepaar auch die Wohnung dort eingerichtet.

Fritz Guggisberg in seinem Atelier

Fritz Guggisberg in seinem Atelier

Die Atmosphäre der alten Fabrikhalle ist noch immer spürbar, da nicht viel verändert wurde. «Ich bin froh, dass der Besitzer hier nicht teure Lofts eingebaut hat, sondern die Kultur fördert», so Guggisberg. So galt für den Mietvertrag die Bedingung, sich an kulturellen Projekten wie dem Kulturtag Thal zu beteiligen, wo Besucher einen Einblick in die Ateliers erhalten. Der nächste findet am Sonntag, 22. Mai, statt, Guggisberg ist aber aus privaten Gründen nicht vertreten.