Passend zu dem langsamen Sonnenuntergang eröffneten die Kestenholzer Urgesteine Irrwisch auf der grossen Bühne neben der St.-Peter-Kapelle den dritten und bisher bestbesuchten Abend des Festivals.

Mit harten Tönen fingen sie an und begeisterten die langjährigen Fans. Die Brüder und Bandgründer Steff und Chris Bürgi fegten über die Bühne. Es wurde mitgeklatscht und mit den Köpfen gewippt. Leider blieb es bei den meisten nur dabei. Das Publikum schien die 40 Jahre, welche die Band bereits hinter sich hat, mehr zu spüren als die Künstler selbst. Dann holte der Sänger Steff Bürgi die allererste Platte der Band «Living in a fool’s paradise» hervor und brachte damit nostalgische Stimmung unter die Menge. Leider blieb es danach beim nostalgischen und eher ruhigen Sound bis zum Ende des Auftritts. Besucherin Marianne aus Langenthal meinte: «Der Auftritt war mir etwas zu soft. Die Musik war durchaus schön, aber mir hat der Pep etwas gefehlt. Es wurde gar mystisch, und ich wollte schon Räucherstäbchen anzünden.»

Trotzdem sind Irrwisch seit Jahren sehr erfolgreich in der Schweiz, Deutschland und teilweise Österreich. Ausserdem gäbe es dieses Festival beim St. Peter ohne sie überhaupt nicht. Vor zehn Jahren legten sie den Meilenstein dafür, als es noch «Irrwisch at Sunset» hiess. Zu diesem Anlass gab es nach ihrem Konzert eine ganz besondere Ehrung: Im Beisein der gesamten Kulturkommission Kestenholz, des Gemeindepräsidenten Arno Bürgi und des Festivaldirektors Roland Suter wurde der sechsköpfigen Band der Kulturpreis der Gemeinde Kestenholz in Form einer goldenen LP überreicht. Dafür gab es vom Publikum Standing Ovations, und es wurden Rosen auf die Bühne geworfen.

In der kurzen Pause wurden alle nicht sitzenden Gäste aus den vorderen Reihen vertrieben, und ein Verkäufer lief umher und wollte das Abendprogramm von Lionel Richie für einen überrissenen Preis unter die Leute bringen. Da merkte man, jetzt kommt ein Weltstar auf die Bühne. Nach einer zwanzigminütigen Verspätung ertönte «Hello. Is it me you’re looking for …» aus den Lautsprechern, und der sonst so pünktliche Richie sprang unter tosendem Applaus und Zurufen auf die Bühne. Von da an brannte die Bühne. Die auch schon etwas reiferen weiblichen Fans schmolzen bei Lionels Zuzwinkern, Winken oder Hüftbewegungen dahin. Man bekam das Gefühl, wieder in den Achtzigern in einer Disco zu sein, mit schräger Frisur und glitzernden Kleidern.

«Damals hiess all night long auch wirklich all night long», lachte Richie. Etwas verwirrt fragte er zwischendurch, ob er hier wirklich in der Schweiz sei. Als er ankam und aus seinem Wagen stieg, dachte er sich, er sei in Miami Beach, der Hitze nach zu urteilen. «Wo zur Hölle sind wir hier? Das ist doch nicht Europa», witzelte er immer wieder. Alle berühmten Hits wie «All Night long», «Dancing on the Ceiling» , «Say you, say me» oder «Easy like Sunday Morning» kamen an die Reihe. Jung bis Alt steckte sich mit dem Discofieber an und bewegten sich «groovy» dazu. Ab und zu prostete Richie den Fans mit einem Rosé zu und schmunzelte über die Tanzversuche in der ersten Reihe. Es war zu spüren, dass die Bühne sein Zuhause ist und seine soulige Stimme seine Gabe, mit der er alle Leute glücklich machen will. «Es gibt für die höchsten und für die tiefsten Momente im Leben den passenden Lionel-Song», versicherte er.