Holzweg Thal

Weisse Überraschung am Holzweg Thal: Der Künstler Sammy Deichmann wirft mit «White Trees» Fragen auf

Der Künstler Sammy Deichmann aus Aedermannsdorf und seine neue Installation am Holzweg Thal.

Der Künstler Sammy Deichmann aus Aedermannsdorf und seine neue Installation am Holzweg Thal.

Dutzende weisse Bäume am Holzweg Thal. Ein ungewohnter Anblick für die Besucher des Erlebniswegs. Viele suchen nach dem Beweggrund für die neue Kunstinstallation, die je nach Person anders interpretiert werden kann. Der Künstler Sammy Deichmann sagt nur: «Im Grunde ist es völlig sinnlos.»

Eine neue Kunstinstallation am Holzweg Thal sorgt für Verwirrung bei den Besuchern. «Warum sind die Bäume hier weiss?», fragt eine vorbeiziehende Wanderin. «Das ist eben die Frage», antwortet der Urheber der Installation, Sammy Deichmann, amüsiert. Der Waldabschnitt zwischen dem «Alt Berg» und dem Stalden am Holzweg Thal ist in grelles Weiss getaucht. Die weiss gestrichenen Baumstämme leuchten in einer ganz unerwarteten Kraft und kreieren mit den einfallenden Sonnenstrahlen eine spezielle Atmosphäre im Wald. «Im Grunde ist es völlig sinnlos», ergänzt Deichmann. Es gebe keine Antwort auf die gestellte Frage. Die solle jeder selbst beantworten. Die Wanderin hakt aber nach. «Ist das nicht schädlich für die Bäume?»

Stammschutzfarbe unbedenklich für die Bäume

Nein, das ist es nicht. «Verwendet wurde ausschliesslich Stammschutzfarbe, welche normalerweise bei Bäumen zum Einsatz kommt, die starker Sonnenstrahlung ausgesetzt sind», erklärt Deichmann. Die Kunstinstallation des kreativen Kopfes hinter dem Holzweg Thal wurde vor Kurzem mithilfe von 15 Mitgliedern des Lions Club Falkenstein-Balsthal fertiggestellt. Dazu hat Deichmann im Voraus die Bewilligung der Waldeigentümerin, die Bürgergemeinde Balsthal sowie die des Försters eingeholt. Während insgesamt 140 Mannsstunden reinigten und bestrichen die Helfer zwei Tagen lang die Baumstämme. «Jeweils genau drei Meter hoch», sagt Deichmann. «Wenn man von oben schaut, kann man an der Farboberkante die Topografie der Umgebung wiedererkennen.» Im Gegensatz zu anderen Installationen am Holzweg Thal habe dieses, genannt «White Trees», keinen tieferen Hintergrund. «Es ist ein rein visuelles Erlebnis», sagt der Künstler. Jegliche Art von Information zum Kunstwerk hat er daher unterlassen. «Wenn nichts dasteht, müssen sich die Besucher eigene Geschichten ausdenken. Jeder assoziiert etwas anderes damit.» Wie bei der neugierigen Wanderin zu Beginn, die sich zu fragen begann, ob die Farbe vielleicht mit Sturmschäden zu tun hätte. So entstünden die spannendsten Erklärungen für seine Kunst, sagt Deichmann. Für das Hinterfragen und Philosophieren über die Installation bleibt den Wanderern noch genügend Zeit: Laut Hersteller soll die Stammschutzfarbe fünf bis sieben Jahre lang halten.

Die Helfer beim Streichen der Bäume.

Die Helfer beim Streichen der Bäume.

Vergänglichkeit der Kunst schafft Spannung

Wozu aber der Aufwand, wenn die Installation sowieso vergeht und nur Verwirrung stiftet? «Stetiger Wandel ist Teil des Holzwegkonzeptes», sagt Deichmann, der dieses vor rund zehn Jahren entworfen hat. Die Vergänglichkeit gehöre zu dieser Kunstrichtung, in welcher mit Mitteln der Natur etwas Kreatives geschaffen wird. «Zahlreiche Kunstwerke sind aus Holz und vergehen mit der Zeit: Sie verrotten, verwittern oder verschwinden wieder in der Natur.» Gleichzeitig müsse stetig etwas Neues hinzukommen. «Der Holzweg Thal soll spannend bleiben und überraschen», so Deichmann. Das tun die «White Trees» ganz gewiss. Damit verfolge der Erlebnisweg im Naturpark Thal das Ziel, mehr Besucher in den Wald zu locken und den Bezug zur Umwelt wiederherzustellen. Die Leute bräuchten heutzutage spannende Attraktionen, um in den Wald zu gehen, so Deichmann. «Statt nach Disney Land zu fahren, sollen wieder mehr Ferien im eigenen Wald verbracht werden.» In dieser Aussage Deichmanns ist der eigentliche tiefere Sinn hinter der Installation zu suchen.

Derweilen sorgen die weissen Baumstämme aber noch für Verwirrung. Es wäre gelogen, zu behaupten, der Autodidakt Sammy Deichmann hätte keine Freude daran. «Ich überlege mir, die Verwirrung noch grösser zu machen», sagt er schmunzelnd. Er habe sich schon überlegt, die Bäume zu nummerieren. So kämen noch mehr Fragen auf. «Man meint, es hat einen Sinn, aber eigentlich hat es gar keinen», sagt er lachend. Er freue sich auf die fantasievollen Erklärungen der Besucher.

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