Amtsgericht
Weil er spielsüchtig war, ergaunerte ein 22-Jähriger einen Kredit

Ein 22-jähriger Mann aus dem Gäu fälschte seine Lohnabrechnungen, um an einen Kredit von über 50000 Franken zu kommen. Kurz nachdem ihm die Bank das Geld ausbezahlt hatte, war ein grosser Teil davon weg. Nun stand er vor dem Amtsgericht Thal-Gäu.

Erwin von Arb
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Die Sucht zu spielen endete für einen jungen Gäuer vor dem Richter. azr

Die Sucht zu spielen endete für einen jungen Gäuer vor dem Richter. azr

Rolf Jenni

Armin P. * plagten im Mai 2012 hohe Schulden, zudem war er arbeitslos. Weil der damals 20-jährige Gäuer nicht wusste, wie er sich aus dieser ausweglosen Situation befreien sollte, wandte er sich an einen Kollegen. Dieser vermittelte ihn an einen weiteren Mann, der dem Hilfesuchenden anerbot, mittels einer fingierten Kreditanfrage von einer Bank an das dringend benötigte Geld zu kommen. Allerdings verlangte der Mann dafür eine Provision von 15 Prozent.

Weil Armin P. eine solche nicht zahlen wollte, beschloss er auf eigene Faust, einen Kredit bei einer Bank zu beantragen. Seine Kreditwürdigkeit belegte er mit vier gefälschten Lohnabrechnungen sowie einer Bestätigung vom angeblichen Arbeitgeber, wonach ihm monatlich 4660 Franken bar auf die Hand ausbezahlt würden. Letzteres Dokument war von der Bank nach dem via Internet beantragten Privatkredit in der Höhe von 55'000 Franken nachträglich verlangt worden.

Die Bank gab sich mit diesen Angaben zufrieden und zahlte Armin P. am 20. April 2012 die Summe von 55'000 Franken bar aus. Noch bevor die Einzahlungsscheine für die vereinbarten Raten in der Höhe von monatlich 1056 Franken beim jungen Gäuer eintrafen, war dieser nicht mehr im Besitz des Geldes. 26'000 Franken davon habe er zur Tilgung alter Schulden verwendet.

«Den Rest habe ich im Casino verspielt und deshalb die vereinbarten Raten nicht bezahlen können», sagte Armin P. zu Amtsgerichtspräsident Guido Walser. Er wisse, dass er etwas Unrechtes getan habe und bereue dies aufrichtig, versicherte der in Bluejeans, weissem Hemd und gepflegtem Kurzhaarschnitt vor Gericht erschienene junge Mann. Begleitet wurde der noch bei den Eltern wohnende 22-Jährige von seinem Vater und von seiner Freundin.

Staatsanwalt verlangt Freiheitsstrafe

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete das Vorgehen von Armin P., seine Kreditwürdigkeit mittels selbst hergestellter Dokumente belegen zu wollen, in der Anklageschrift als perfide. Zudem zeige er nur beschränkt Einsicht und Reue für sein Tun. Deshalb sei er wegen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung sowie wegen Übertretungen gegen das Betäubungsmittelgesetz und wegen Fahrens eines Fahrzeuges in fahrunfähigem Zustand zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zehn Monaten unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren zu verurteilen.

Der Angeklagte rechtfertigte seine anfänglichen Lügen bei den Einvernahmen, dass er sich vor seinen Eltern geschämt habe. Als er dann elf Tage in Untersuchungshaft gesteckt worden sei, habe er die Tragweite seiner Tat begriffen. Nicht zuletzt deshalb habe er inzwischen auch dank seiner Familie und seiner Freundin wieder auf den rechten Weg zurückgefunden.

Seit eineinhalb Jahren arbeite er als Hochbauzeichner bei einem Architekturbüro und verdiene 3800 Franken netto. Obwohl ihm monatlich wegen laufender Pfändungen 1520 Franken abgezogen würden, gehe es ihm gut. Bis dato habe er 13'000 Franken der geschuldeten 55'000 Franken aus dem Kredit zurückbezahlt.

Angeklagter verspricht Besserung

Diesen Weg wolle er auch in Zukunft beschreiten, versicherte Armin P. Amtsgerichtspräsident Guido Walser. Auch mit Drogen habe er nichts mehr zu tun, erklärte der Beschuldigte auf eine weitere Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes Ende 2013 angesprochen. «Das war ein Fehler und wird nicht wieder vorkommen», meinte Armin P. mit dem Hinweis, dass er deswegen in Behandlung sei.

Die von der Staatsanwaltschaft geforderte Freiheitsstrafe für seinen Mandanten hielt Rechtsanwalt Thomas A. Müller, Olten, für nicht angemessen, zumal er sich bislang noch nichts habe zuschulden kommen lassen. Nicht haltbar sei ferner der Tatbestand der mehrfachen Urkundenfälschung, da dieser bei Lohnbelegen gemäss gängiger Rechtsprechung nicht zur Anwendung gebracht werden könne.

Einen Freispruch verlangte Müller ferner für den Tatbestand des Betruges; dies wegen fehlender Arglist seitens seines Mandanten. Diese sei wegen der fehlenden Sorgfaltspflicht seitens der Bank bei der Kreditvergabe nicht gegeben. Strafmindernd wertete Müller ferner die inzwischen überwundene Spielsucht seines Mandanten. Das sei wie Alkohol oder Drogen zu beurteilen.

Bedingte Geldstrafe ausgesprochen

Das Gericht sprach Armin P. nach eingehender Beratung vom Vorwurf der mehrfachen Urkundenfälschung frei. Einen Schuldspruch gab es hingegen wegen Betruges. Einen solchen habe der Beschuldigte begangen, indem er beim online eingereichten Kreditantrag bewusst falsche Angaben gemacht habe. Arglist ortete der Gerichtspräsident ferner bei den gefälschten Lohnbelegen. Nur weil die Bank dies nicht bemerkt habe, könne daraus nicht abgeleitet werden, dass eine solche nicht vorliege.

Armin P. wurde schliesslich vom Gericht zu 210 Tagessätzen zu je 90 Franken, bedingt auf zwei Jahre sowie zur Zahlung einer Busse von 1100 Franken verurteilt. Das Urteil sei so ausgefallen, weil das Gericht der Auffassung sei, dass der Angeklagte sein Leben im Griff und die nötigen Schlüsse aus dem Geschehenen gezogen habe, meinte Walser in Richtung des 22-Jährigen. Dieser versicherte, dass er die Chance packen und die Zukunft in die eigene Hand nehmen werde.

Name von der Redaktion geändert

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