Thal-Gäu
Wegwerfen ist nicht die einzige Lösung, vor allem nicht bei Kaffeemaschinen

Die Grünen Schweiz statten der Jura Elektroapparate AG einen Besuch ab und attestieren der ressourcenschonenden Firmenphilosophie Vorbildcharakter. Die Kaffeemaschinen aus dem Gäu sind bekannt für ihre Langlebigkeit.

Erwin von Arb
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Rundgang (v.l.): Jura-CEO Emanuel Probst erklärt dem Grünen-Parteipräsidium mit Bastien Girod und Regula Rytz die Abläufe in der gläsernen Servicefabrik.

Rundgang (v.l.): Jura-CEO Emanuel Probst erklärt dem Grünen-Parteipräsidium mit Bastien Girod und Regula Rytz die Abläufe in der gläsernen Servicefabrik.

Erwin von Arb

Markenbotschafter, wie es Roger Federer für die Jura Elektroapparate AG sei, wollen die Grünen nicht werden, sagte Bastien Girod, Nationalrat und Vizepräsident Grüne Partei Schweiz, nach dem Rundgang durch die gläserne Servicefabrik darauf angesprochen. Der Partei gehe es primär um die Sache und werde deshalb auch andere Unternehmen unterstützen, welche grün wirtschafteten. «Das würde Roger Federer wohl nicht tun», bemerkte Girod dazu schmunzelnd. Das Ziel der Grünen sei, möglichst viele Schweizer Unternehmen zu einem Umdenken zu bewegen.

Seine Partei habe die Einladung der Jura zum «Tag der Grünen» angenommen, weil das Unternehmen mit seiner ressourcenschonenden Firmenphilosophie auf die Nachhaltigkeit ihrer Elektronikgeräte setze. Dieses Ziel verfolge auch die Grüne Partei, was sie mit der 2012 lancierten Volksinitiative für eine grünere Wirtschaft auch zum Ausdruck gebracht habe. Die Langlebigkeit der vertriebenen Kaffeevollautomaten und die umfassenden Dienstleistungen im Bereich des Service und der Reparatur sowie der sehr hohe Anteil von recycelten Bauteilen mache die Jura zu einem Vorzeigebetrieb.

Oft sei es günstiger, ein neues Gerät zu kaufen, statt ein altes zu reparieren», so Girod. Im Schnitt 17 Kilogramm Elektroabfall pro Kopf und Jahr seien die Folgen dieses meist nur auf den Preis fixierten Kaufverhaltens. Girod könnte sich vorstellen, dass Etiketten mit Informationen in Bezug auf die Lebensdauer des Geräts, bei Kaffeemaschinen etwa mit dem Preis pro Tasse, das oft subjektive Kaufverhalten positiv beeinflusst werden könnte. «Manch einer würde staunen, dass sich teurere Geräte auf Zeit rechnen.»

Der Philosophie «Reparieren statt verschrotten» lebe die Jura seit ihrer Gründung im Jahr 1931 nach, strich Jura-CEO Emanuel Probst hervor, In den 50er-Jahren sei der Kauf eines Haushaltgeräts noch eine Anschaffung fürs Leben gewesen. Heute, in der globalisierten Welt, werde der Markt mit Billigstprodukten überschwemmt, meinte Probst zu den Hintergründen dieser Entwicklung. Jura habe ein solch tiefes Preissegment bewusst nie in Betracht gezogen und setze stattdessen auf hochwertige und langlebige Produkte. «Wir bieten Premiumgeräte zwischen 600 und 2000 Euro an und haben damit weltweit Erfolg», sagte Probst. Vor dem Verkaufsstart in einem anderen Land müsse allerdings zuerst Service und Reparatur gewährleistet sein. «Das ist mitunter das Wichtigste überhaupt, um auf dem Markt erfolgreich zu sein.»

Wie das funktioniert und was hinter den Kulissen abläuft, konnten die Vertreterinnen der Grünen Partei bei ihrem Rundgang durch die Servicefabrik in Erfahrung bringen. Mit ihrer Service-Philosophie leiste Jura einen wichtigen Beitrag zum schonenden Umgang mit wertvollen Rohstoffen, zeigte sich Probst überzeugt. Die Servicefreudlichkeit der Geräte sei bereits bei der Konzeption und Entwicklung der Kaffeevollautomaten ein wichtiger Faktor. Eine zentrale Rolle spiele die Zerlegbarkeit der Geräte sowie die Rückwärtskompatibilität und Wiederverwendung gebrauchter Komponenten.

Als autorisierte Sammelstelle und Zerlegebetrieb der Stiftung Entsorgung Schweiz (S.EN.S.) werde der Materialkreislauf durch die sortenreine Trennung und fachgerechtes Recycling nicht wieder verwendbarer Komponenten geschlossen. Dabei geht es um beachtliche Mengen, wie Roland Eggenschwiler, Leiter Service Schweiz, den Gästen vor Augen führte. Letztes Jahr wurden 12,4 Tonnen Stahl, 9,3 Tonnen Aluminium, 500 Kilogramm Messing und Kupfer, 22 Tonen Kunststoffe, 14 Tonnen Magnetspulen sowie 4 Tonnen Leiterplatten recycliert.

Der Erfolg der Servicefabrik von Jura zeige, dass das Konzept der Grünen Partei durchaus nutzbringend und umweltschonend umgesetzt werden könne, zog Probst Bilanz. Allerdings koste diese Politik das Unternehmen auch Geld. Kostendeckend könne dieser Bereich nicht bewirtschaftet werde. «Darum müssen wir beim Verkauf unserer Geräte einen guten Gewinn erziehen», so der Jura-CEO. Die tun dann aber für mindestens acht bis zehn Jahre ihren Dienst.

Um den technischen Fortschritt am Produkt sowie dessen Langlebigkeit langfristig gewährleisten zu können, seien stetes Vorausdenken und ein innovatives Arbeitsklima unabdingbar, unterstrich Probst. Ob die Verantwortung, die Wirtschaft grüner zu gestalten, gänzlich bei der Privatwirtschaft liege, oder ob auch der Staat eingreifen müsse, sei einer der zentralen Punkte der noch zu führenden politisch-wirtschaftlichen Diskussion. Abschliessend meinte Girod, dass es nun auf vielen Ebenen kleine Schritte brauche, um in der Sache weiterzukommen.

Unabhängig von der Entwicklung auf politisch-wirtschaftlicher Ebene ist aber allen Beteiligten klar: Nachhaltiger Umgang mit Elektrogeräten und umweltbewusstes Verhalten liegen noch immer in der Macht des Konsumenten.

Jura Elektroapparate AG

Die Jura Elektroapparate AG vertreibt Kaffeevollautomaten in rund 50 Ländern und ist mittlerweile die Nummer 2 auf dem Markt. Die 1931 in Niederbuchsiten gegründete Unternehmung beschäftigt weltweit 691 Mitarbeitende, 282 davon in der Schweiz. Im Jahr 2012 erreichte Jura einen konsolidierten Umsatz von 349 Mio. Franken, wovon 12,2 Prozent im Heimmarkt und 87,8 Prozent in den internationalen Märkten erwirtschaftet wurden.