Mümliswil

Wegen Steinschlag: Felsenweg wird einer Felsreinigung unterzogen

Der Wanderweg «Felsenweg» zwischen dem Berggasthaus Obere Wechten und der Hinteren Wasserfallen ist momentan wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Um die Wanderer zu schützen, werden derzeit lose Steinbrocken aus dem Felsen gelöst.

Derzeit wird von der Forstbetriebsgemeinschaft (FBS) Balsthal-Mümliswil/Ramiswil eine Felsreinigung durchgeführt. Wie es dabei zu und her geht, zeigten die beiden Forstwarte René Lisibach und Daniel Assarson.

Während sein Kollege sich oben an der Felswand zum Abseilen bereit macht, erzählt Daniel Assarson, wie er zu seinem Beruf gekommen ist. «Eigentlich bin ich gelernter Goldschmied. Das habe ich sehr gerne gemacht. Ich hatte aber als Goldschmied fast keine Perspektiven, ich hätte mich nur selbstständig machen können. Das ist aber sehr teuer und risikoreich. Da ich aber auch sehr gerne klettere und gerne in der Natur unterwegs bin, habe ich eine zweite Lehre als Forstwart begonnen und bin jetzt im letzten Lehrjahr», so der 29-Jährige. Danach wolle er sich an der Försterschule weiterbilden.

Lieber früh als spät erledigen

Der Försterlehrling erklärt uns, warum die Felsreinigung gerade jetzt stattfindet: «Es wurden immer mehr heruntergefallene Steine auf dem Weg gefunden. Der Weg ist unter Wanderern ziemlich beliebt. Die Gemeinde wollte handeln, bevor jemandem etwas passiert.» Es sei aber noch unklar, wie lange ihre Arbeiten dauern würden. Sie seien seit einem Tag daran, die Felsen am Hang oberhalb der Brücke zu lösen.

«Jemand vom Amt für Umwelt wird uns aber noch mitteilen, wo genau wir überall arbeiten müssen. Nächsten Montag ist dann die Besprechung darüber, was auf dem Wanderweg sonst noch ausgebessert werden muss.» Daniel Assarson zeigt auf ein Loch in der Brücke, wo eine Diele fehlt: «Das war ein einzelner Stein. Der ist vom Hang hinunter gerollt und hat die Brücke getroffen. Das kleine Bäumchen dort hinter der Brücke ist ebenfalls Opfer eines Felsens geworden.»

Da sein Kollege sich mittlerweile abgeseilt hat, weist er uns an, ein paar Meter zurückzutreten. Dann ruft er seinem Kollegen zu, er könne beginnen. Dieser beginnt, die losen Felsen oben an der Felswand zu lösen. Die Felsen rollen mit hoher Geschwindigkeit den Hang hinunter und unter der Brücke durch in den Wald hinunter.

Daniel Assarson sagt, die Steine würden im Wald in den Bäumen abgebremst. Er habe jedenfalls noch nie gesehen, dass ein Stein durch den ganzen Wald runter auf die Wiese gerollt sei. Nachdem er alle erreichbaren Steine gelöst hat, kommt auch Assarsons Kollege den Weg herunter.

Spezielle Ausbildung benötigt

Der 32-Jährige René Lisibach ist nicht nur Baumpflegespezialist, sondern hat auch die für diese speziellen Arbeiten erforderliche Ausbildung: «Ich habe im Baselbiet bei einem Bergführer einen Kurs «Arbeiten am hängenden Seil» gemacht», erklärt der geübte Kletterer.

Abgesehen von der Kletterfähigkeit brauche es aber noch einige weitere Dinge. «Wir haben eine spezielle Kletterausrüstung für unsere Arbeit, die sich von einer Hobbyausrüstung unterscheidet. Unsere wäre für einen Hobbykletterer zu schwer. Damit binden wir uns oberhalb der Felswand an stabilen Bäumen an und seilen uns ab. Wir hängen zur Sicherheit immer an zwei Seilen gleichzeitig.»

Ein weiterer Teil seiner Ausrüstung ist ein etwa armlanger Lederschlauch. «Der wird um den Teil des Seils gelegt, der über die Kante zu liegen kommt. Ohne diesen Schutz wäre das Seil früher oder später durchgescheuert und würde reissen.»

Keine ungefährliche Arbeit

Er müsse seine Arbeit sehr gründlich machen, erklärt René Lisibach, deswegen könne es eine Weile dauern, bis er sich komplett abgeseilt habe: «Ich muss jeden losen Stein aus der Felswand entfernen. Sonst könnte dieser sich von selbst lösen, wenn ich direkt darunter hänge. Auch mit einem Helm gilt: Es muss kein grosser Stein sein, damit es gefährlich wird.» Viele Steine könnten von Hand gelöst und einfach hinuntergeworfen werden, so Lisibach. Falls das nicht ginge, habe er ein Brecheisen dabei.

Die Felsreinigung ist keine alltägliche Arbeit. «Für die Gebiete Balsthal und Mümliswil-Ramiswil sind wir zuständig. Soviel wir wissen, ist dies momentan der einzige solche Fall in unserem Gebiet», sagt Daniel Assarson.

Wer nächstens wandern gehen möchte, hat also viele Ausweichmöglichkeiten. Wer aber trotzdem unbedingt in diesem Gebiet wandern will, muss nicht zu Hause bleiben: Die Route über den Kretenweg ist nach wie vor geöffnet.

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