Fahrplaneinschränkung

Wegen Perronausbau: Nächstes Wochenende erstmals kein IC-Halt in Oensingen

Ausbau Mittelperron Bahnhof SBB Oensingen ICE Schnellzug Das Perron im Bereich der Bahnhofgebäulichkeiten wurde mit Schaltafeln angehoben und die Schaltafeln zur besseren Haftung mit Quarzsand versehen.

Ausbau Mittelperron Bahnhof SBB Oensingen

Ausbau Mittelperron Bahnhof SBB Oensingen ICE Schnellzug Das Perron im Bereich der Bahnhofgebäulichkeiten wurde mit Schaltafeln angehoben und die Schaltafeln zur besseren Haftung mit Quarzsand versehen.

Im April geht es los mit den Hauptarbeiten für den Ausbau des Mittelperrons am Bahnhof Oensingen. Am Wochenende vom 23./24. Februar kommt es aber bereits zur ersten einschneidenden Fahrplaneinschränkung: Der Intercity zwischen Genf und St. Gallen fährt an Oensingen vorbei.

Es ist eine Vorgabe des Behindertengleichstellungsgesetzes: Die Betriebe des öffentlichen Verkehrs haben ihre Anlagen bis Ende 2023 hindernisfrei zugänglich zu machen. Hauptsächlich deshalb investieren die SBB 21 Millionen in Ausbauarbeiten am Bahnhof Oensingen. Letzten Herbst ging es los, am kommenden Wochenende fallen erstmals IC-Halte in Oensingen aus.
Das Projekt steckt immer noch in der Phase der Vorarbeiten. Am kommenden Wochenende geht es um den Einbau einer neuen Gleisentwässerung: Von Samstag ab 6 Uhr bis Montag um 5 Uhr ist der Mittelperron zu diesem Zweck gesperrt.

Das heisst auch: Nur ein früher und drei späte IC-Züge halten in Oensingen: um 5.45 Uhr Richtung Olten, 23. 19 Uhr Richtung Olten, 23.52 Uhr Richtung Solothurn und 0.18 Uhr Richtung Olten. Da die IC-Züge länger sind als der 150 Meter lange, provisorische Perron 1, bleiben die letzten Wagen abgeschlossen.

Mit den bisherigen Vorbereitungsarbeiten sei man exakt im Zeitplan, sagt SBB-Sprecherin Franziska Frey. Der Wintereinbruch mit zum Teil doch beachtlichen Schneefällen hat den Fahrplan nicht beeinflusst. Am wichtigsten war in der ersten Phase der Bau des provisorischen Perrons Gleis 1, der nun abgeschlossen ist, wie Frey weiter erklärt. Er wird nun eben am 23. Februar in Betrieb genommen, wenn es mit den ersten grösseren Arbeiten bei den Gleisen 3 und 4 am Mittelperron losgeht.

Shuttlezüge nach Olten

Die eigentlichen Hauptarbeiten zur Erhöhung des Mittelperrons starten im April und sollen bis Ende Oktober abgeschlossen sein. In dieser ganzen Zeit bleibt der Mittelperron durch den provisorischen Perron Gleis 1 ersetzt. Und es herrscht dann das Regime, das mit dem Bahnausbauschritt 2035 definitive Realität werden soll: Reisende ab Oensingen müssen sich damit abfinden, dass gar keine Fernverkehrszüge der IC-Linie 5 von Genf nach St. Gallen in der Gäuer Metropole halten. Sie werden über die Bahn-2000-Neubaustrecke umgeleitet.

In Oensingen steigen täglich fast 6000 Bahnkunden ein und aus. Die SBB unternehmen einiges, um ihnen auch während den Ausbauarbeiten gute Anschlüsse ans Fernverkehrsnetz zu bieten. Und das zieht einen kleinen Rattenschwanz nach sich. Zwischen Balsthal und Oensingen verkehren von Montag bis Freitag morgens, mittags und abends zusätzliche Postautokurse. Und um die gewohnten Anschlüsse am Knotenpunkt Olten zu garantieren, werden werktags in den Hauptverkehrszeiten Shuttlezüge zwischen Oensingen und Olten verkehren.

Diese Shuttlezüge treffen in Olten aber zur exakt gleichen Zeit auf Gleis 2 ein wie üblicherweise das «Läufelfingerli» auf Gleis 1. Eine solche gleichzeitige Einfahrtzeit sei aus sicherheitstechnischen Gründen betrieblich nicht möglich, so die SBB. Deshalb müssen die An- und Abfahrtszeiten der S9 (Olten–Läufelfingen–Sissach) um eine halbe Stunde verschoben werden.

Für mehr Pünktlichkeit

Wenn das Werk vollendet ist, wird man am Bahnhof Oensingen auch nicht mehr an eine Bobbahn erinnert sein. Damit der Mittelperron erhöht werden kann, muss die Neigung der Gleise 3 und 4 reduziert werden. Dann halten die Züge in einer weniger starken Schräglage, was das Ein- und Aussteigen ebenfalls erleichtert.

Das 21-Millionen-Projekt ist nicht den Ansprüchen an eine behindertengerechte Infrastruktur allein geschuldet. Es dient auch dem Zweck, die Pünktlichkeit der Züge zu sichern. Mit der Erhöhung des kompletten Mittelperron zwischen den Gleisen 3 und 4 auf eine Höhe von 55 Zentimeter über Schienenoberkante sind die Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes erfüllt. Ein stufenfreies Ein- und Aussteigen erlaubt aber nicht nur Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein möglichst autonomes Reisen, sondern ist natürlich für alle ein Komfortgewinn, insbesondere wenn sie Gepäck dabei haben. Und es beschleunigt den sogenannten Fahrgastwechsel, was eben der Pünktlichkeit dient.

Der Mittelperron wird nicht nur erhöht, sondern auch um 30 Meter auf die Standardlänge von 420 Metern verlängert. Auch das Perrondach wird um 35 Meter verlängert. Auch das ein Komfortgewinn, der gleichzeitig die Pünktlichkeit verbessert: Dass sie nicht im Regen stehen müssen, soll die Reisenden dazu animieren, sich besser über die ganze Perronlänge zu verteilen. Das sorgt für weniger Gedränge beim Einsteigen. (szr)

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