Amtsgericht Thal-Gäu
Wegen mehrfacher Pornografie: Geständiger erhält 14 Monate bedingt

Am Mittwoch musste sich ein Mann wegen mehrfacher Pornografie vor dem Richteramt Thal-Gäu verantworten. Er ist geständig. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten.

Rahel Bühler
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7329 Videos oder Bilder mit kinder- oder tierpornografischen Materialien besass der Beschuldigte. (Symbolbild)

7329 Videos oder Bilder mit kinder- oder tierpornografischen Materialien besass der Beschuldigte. (Symbolbild)

Keystone

7329 Videos oder Bilder mit kinder- oder tierpornografischen Materialien besass der Beschuldigte zum Zeitpunkt der Hausdurchsuchung, die im Juni 2015 stattfand. «Eine stattliche Anzahl», wie Amtsgerichtspräsident Guido Walser zu Beginn des abgekürzten Verfahrens vom Mittwoch sagte.

Abgekürzt deshalb, weil der Beschuldigte bereits vor dem Gerichtstermin geständig war und somit alle Voraussetzungen für ein solches Verfahren gegeben waren. Dementsprechend dauerte der Prozess auch nur eine halbe Stunde. Im Gegenzug zum Geständnis kommt der Amtsgerichtspräsiden dem Angeklagten mit dem Strafmass entgegen.

Aber alles einmal der Reihe nach: Im Zeitraum von Januar 2010 bis Juni 2015, also innerhalb von fünfeinhalb Jahren, hat der 56-jährige Angeklagte sich der mehrfachen Pornografie strafbar gemacht.

Er hat über seine E-Mail-Adresse und einen Account auf dem Instant-Messaging-Dienst Skype mehrmals pro Woche diverse Bild- und Videodateien von unbekannten Personen erhalten oder selber im Internet danach gesucht. Die Dateien beinhalteten Darstellungen von sexuelle Handlungen mit Kindern – teilweise gar mit Kleinkindern – und mit Tieren.

Die Bilder oder Videos hat er in der Folge für den eigenen Konsum verwendet oder zum Teil auch gezielt weitergegeben. Die Weiterverbreitung erfolgte ebenfalls via E-Mail und Skype. Sowohl durch die Weiterverbreitung, als auch durch das Speichern der Dateien auf mehreren Datenträgern stellte der Beschuldigte strafrechtlich relevante pornografische Erzeugnisse her.

Gepflegter Eindruck

Bei der Hausdurchsuchung war der angeklagte Schweizer im Besitz einer Festplatte und eines USB-Sticks, worauf die Dateien gespeichert waren. Weitere solcher Dateien wurden in seinem Webmail-Account gefunden. Ebenfalls wurde eine Kinderunterhose bei der Durchsuchung sichergestellt.

Beim gefundenen Material wird unterschieden zwischen Dateien mit kinder- bzw. tierpornografischem Charakter und Dokumenten mit Präferenzindikatoren. Während bei Ersterem der Tatbestand der Pornografie zweifellos festgestellt werden konnte, ist bei den Präferenzindikatoren nicht restlos auszuschliessen, dass die darin vorkommenden Personen älter als 16 Jahre sind.

Der Angeklagte erschien mit seiner Pflichtverteidigerin Cornelia Dippon Hänni vor Gericht und machte einen gepflegten Eindruck. Er trug eine graue Stoffjacke, dunkle Jeans und sportliche Schuhe. Während der knapp 30-minütigen Verhandlung sprach er nicht viel. Es tue ihm leid, meinte er auf die Frage des Amtsgerichtspräsidenten, was er, der Beschuldigte, zur Anklageschrift zu sagen habe.

Guido Walser war von dieser Antwort nicht restlos überzeugt. Mehrmals wiederholte er, dass er sich nicht sicher sei, ob sich der Angeklagte seines Problems bewusst sei. Vor allem eine in den vorausgegangenen Befragungen gemachte Aussage des Beschuldigten, wonach dieser sich die Bilder nur so angeschaut und keine sexuellen Hintergründe gehabt habe, veranlasste den Amtsgerichtspräsidenten zu seinen Zweifeln. «Sie müssen einsehen, dass Sie ein Problem haben», mahnte er den Schuldigen.

Der Angeklagte wurde vom Amtsgerichtspräsidenten zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Dies unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei einer Probezeit von drei Jahren. Ausserdem muss er sich einer psychotherapeutischen Behandlung unterziehen.

Wenn die Therapie nicht fruchtet oder wenn sich der Angeklagte erneut etwas zu Schulden kommen lässt, wird er die Freiheitsstrafe absitzen müssen. Durch die Therapie habe er nun die Chance, der Ursache für seine Neigung auf den Grund zu gehen, sagte Amtsgerichtspräsident Guido Walser.

«Sanktionen angemessen»

Plädoyers gibt es üblicherweise in abgekürzten Verfahren nicht. So wurde auch in diesem Fall darauf verzichtet. Staatsanwalt Marc Finger äusserte lediglich einige Gedanken dazu: «Wichtig ist, dass der Angeklagte den Schuss vor den Bug auch als solchen wahrnimmt.» Der Staatsanwalt ist der Meinung, dass dies der Fall sei, und erachtet die Sanktionen als angemessen: «Es sollte reichen, dass der Schuldige nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt kommen wird.»

Derselben Meinung ist auch Verteidigerin Cornelia Dippon Hänni: «Mein Klient ist geständig und hat alle Sachverhalte anerkannt», erklärt sie in ihren Ausführungen. «Er ist sich seiner Veranlagung bewusst und weiss, dass diese nicht einfach so vorbei geht.» Ausserdem sei ihrem Mandanten klar, dass er bei einem weiteren Vergehen für 14 Monate ins Gefängnis gehen muss.

Der Schuldige selbst nahm das Urteil wortlos zur Kenntnis. Auch im weiteren Verlauf des Prozesses wollte er sich nicht mehr detailliert dazu äussern. Er wiederholte, dass es ihm Leid tue und er hoffe, dass die Therapie hilft und dadurch sein Verlangen nicht mehr aufkommt.