Oensingen

Wegen Gewässerschutzverordnung: Sind die Tage des Pumpwerks bald gezählt?

Der Kanton will das von Industriebauten umgebene Grundwasserpumpwerk Moos (vorne rechts) in Oensinger in 10 Jahren schliessen.

Der Kanton will das von Industriebauten umgebene Grundwasserpumpwerk Moos (vorne rechts) in Oensinger in 10 Jahren schliessen.

Beim Ausbau der Industriezone wurde der Grundwasserschutzzone wohl zu wenig Beachtung geschenkt.

Wachstum hat immer auch eine Kehrseite. Auf schmerzliche Weise erfährt dies derzeit die Gemeinde Oensingen mit der nach rund vier Jahren abgeschlossenen Ortsplanungsrevision. In dieser integriert ist auch die Wasserversorgung der Gemeinde, die zur Hauptsache mit dem in der Industriezone liegenden Grundwasserpumpwerk Moos sichergestellt wird. Nun muss die Gemeinde auf Verlangen des Kantons innerhalb von 10 Jahren einen Ersatz für das in den 1960er-Jahren noch auf freiem Feld in Betrieb genommene Pumpwerk finden.

Vom Kanton bisher toleriert

Begründet wird diese Forderung vom Kanton mit der Durchsetzung der eidgenössischen Gewässerschutzverordnung (siehe Box links), welche unter anderem verlangt, dass Bauten in der «Schutzzone 2» mindestens einen Abstand von 100 Metern zu den Fassungssträngen eines Grundwasserpumpwerks haben müssen. Dies sei in Oensingen nicht der Fall, wie Rainer Hug vom Amt für Umwelt (AfU) auf Anfrage erklärt. Die Unterschreitung der erwähnten 100 Meter betreffe nicht nur das geplante Parkhaus von Bell, sondern auch industrielle Bauten auf der Nordseite des Pumpwerks. Die Frage, warum der Kanton dies nicht schön längst beanstandet hat, erklärt Hug mit der Praxis bei der letztmaligen Schutzzonenüberprüfung. In früheren Jahren seien solche Unterschreitungen toleriert worden.

In diesem Bereich will der Kanton nun die Schraube anziehen und auf die Einhaltung der erwähnten 100 Meter innerhalb der «Schutzzone 2» pochen. Allerdings nicht nur in Oensingen, sondern kantonsweit, wie Hug betont. Eine gute Grund- und Trinkwasserqualität könne nur garantiert werden, wenn Schutzzonen korrekt ausgeschieden und ebenso umgesetzt würden. Industrieanlagen in Fassungsnähe stellten ein erhöhtes Risiko für unerkanntes Eindringen von Schadstoffen ins Grundwasser dar. Für Rainer Hug ist denn auch klar: «Industriezone und Trinkwassernutzung am selben Ort ist per se ein Widerspruch.»

Zu nahe an das Pumpwerk gebaut

Die striktere Handhabung der Gewässerschutzverordnung kommt in Oensingen einer Schliessung des Pumpwerks gleich, ansonsten müssten bestehende Betriebe rückgebaut werden. Das erwähnte Bell-Parkhaus könnte mittels einer Verschiebung des Standorts wohl trotzdem gebaut werden. Die Gemeinde habe es in der Vergangenheit verpasst, die Ansiedlungen in der Industriezone so zu lenken, dass das Pumpwerk davon nicht tangiert werde, meint Hug auf die aktuelle Situation angesprochen. Unabhängig der Schutzzonenfrage fehle der Gemeinde aber ohnehin mittelfristig ein korrektes zweites Standbein zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit, weshalb ungeachtet davon nach neuen Lösungen gesucht werden müsse, stellt Hug klar.

Das Amt für Umwelt (AfU) geht davon aus, dass die gewährten 10 Jahre für den Weiterbetrieb des Pumpwerks ausreichen, um neue Wasserbezugsquellen zu erschliessen. Konkrete Pläne, wie die jährliche Fördermenge des Pumpwerks Moos von 1,4 Mio. Kubikmeter kompensiert werden könnte, gibt es noch keine. Optionen sind eine Verlegung des bestehenden Pumpwerks in Richtung Osten, ein Anschluss an die Wasserversorgung Gäu oder ein Bezug von Wasser aus dem Thal.

Hohe Nitratwerte im Gäuer Wasser

Allerdings würde eine Verlegung des Pumpwerks auf die Ostseite des Dorfs oder der Wasserbezug aus dem Gäu für Oensingen eine schlechtere Wasserqualität (Nitrat) zur Folge haben. Als Grund dafür erwähnt Hug die unterschiedlichen Grundwasserströme. Beim Pumpwerk Moos in Oensingen werde aus dem Thal zufliessendes Grundwasser gefördert, beim Pumpwerk Neufeld in Neuendorf solches aus dem Raum Niederbipp, welches ebenfalls erhöhte Nitratwerte aufweise. Im Gäu wie in Niederbipp sei die intensive Landwirtschaft für diese hohen Werte verantwortlich. Im Gegensatz zum Standort Oensingen habe es im Umfeld des Pumpwerks Neufeld jedoch keine kritischen Bauten und Anlagen, welche die Grundwasserqualität gefährden würden. Das AfU rechne damit, dass die Nitratbelastung dank dem Nitratprojekt Gäu–Olten mittelfristig abnehme, wie Hug ausführt.

Die Gemeinde Oensingen prüft derzeit einen möglichen Bezug des Trinkwassers aus dem Thal, wie der zuständige Gemeinderat Georg Schellenberg erklärt. Das qualitativ gute Wasser aus dem Thal stammt ausschliesslich aus Quellen und würde gemäss Einschätzung des AfU wohl nicht den ganzen Bedarf von Oensingen abdecken. Dazu komme, so Schellenberg weiter, dass auch die Gemeinde Niederbipp Wasser aus Oensingen beziehe und nach der Schliessung ihrer Wasserfassung wegen erhöhter Nitratwerte weiter darauf angewiesen sei. Künftig müsse zudem auch mit rückläufigen Wasserlieferungen aus Balsthal gerechnet werden. Am Laufen sei ferner eine Untersuchung durch einen von der Gemeinde beauftragten Geologen, welcher den Untergrund beim Pumpwerk Moos auf seine Durchlässigkeit überprüfe. In Anbetracht der Gesamtsituation hoffe die Gemeinde Oensingen, dass der Kanton dem Weiterbetrieb des Pumpwerks Moos für weitere 25 Jahre zustimme, so Schellenberg.

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