«Hallo Leonie, hallo Florian», sagt Susanne Raemy zur Begrüssung und gibt den Kindern die Hand. Der Empfang, der den Kindern vom Mittagstisch in Kestenholz bereitet wird, ist herzlich, ja schon fast familiär. Entsprechend locker ist die Stimmung im Klubhaus des FC Kestenholz, wo der von der Gemeinde lancierte Mittagstisch seit Sommer 2015 angeboten wird. Zwei Mädchen wollen noch schnell doppelt vorhandene Panini-Bilder von EM-Fussballern tauschen. «Dafür habt ihr nach dem Essen Zeit, jetzt wird geschöpft», ermahnt Mittagstisch-Betreuerin Susanne Raemy die Mädchen.

Warmes Essen aus dem Restaurant

Und dann geht es auch schon los. Heute gibt es mit Speck umwickelte Chipolata-Spiessli, Gemüse und Spätzli und als Option eine Sauce. «Jeder darf essen, was er will», sagt Therese Bobst, die zusammen mit Raemy sowie zwei weiteren Frauen den Mittagstisch betreut. Nicht alle Kinder essen Fleisch und Gemüse, wie die beiden Betreuerinnen aus Erfahrung wissen. Das widerspiegelt sich denn auch auf den Tellern der Kinder. Ein Mädchen will nur Spätzli, ein anderes das ganze Menu mit möglichst wenig Gemüse und ohne Sauce. Das Menu bekommt aber von allen Kindern durchweg gute Noten. «Schmeckt super», sagen die Kinder einhellig im Chor.

In der Regel haben die Kinder einen guten Appetit, sagt Therese Bobst. Die Gerichte werden in der Restaurantküche des «Kastanienbaums» zubereitet. Die Betreuerinnen holen die Menus um 11.30 Uhr ab und bringen sie in einer Warmhaltebox ins FC-Klubhaus. Wirt Hans-Jörg Bobst achtet bei der Zusammenstellung der Gerichte auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse. Davon könnte durchaus mehr gegessen werden, bemerkt der 50-Jährige mit einem Augenzwinkern. Spitzenreiter bei den Kindern sind Pouletflügeli und Chicken-Nuggets. Schade findet Bobst, dass er wegen der schwachen Nachfrage nur noch am Donnerstag für den Mittagstisch kochen darf.

Von der Realität eingeholt

Beim Start des Projekts im letzten Sommer lieferte der «Kastanienbaum»-Wirt noch jeweils am Montag, Dienstag und Donnerstag Menus für den Mittagstisch. Weil die Nachfrage nicht den Erwartungen entsprach, trat der Gemeinderat auf die Bremse und reduzierte das Angebot für den Mittagstisch auf den Donnerstag. Dies mit dem Ziel, die Mindestanzahl von fünf Kindern pro Mittagstisch nicht zu unterschreiten, wie Anita Kaufmann als zuständige Gemeinderätin mit dem Ressort Bildung und Jugend erklärt.

Dass ein solcher Schnitt notwendig geworden sei, habe sie schon ein wenig enttäuscht. «Wir hatten aufgrund einer durchgeführten Umfrage angenommen, dass täglich jeweils Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 10 bis 15 Kinder am Mittagstisch mitmachen», so die 50-Jährige.

Die Realität sieht indes anders aus. Aktuell wird der Mittagstisch nur noch gerade von sieben Kindern besucht. Eigentlich zu wenig, um weiterzumachen, wie Kaufmann erwähnt. Als möglichen Grund für die schwache Nutzung vermutet sie den auf 15 Franken angesetzten Preis für ein Kind pro Tag. Dies sei zumindest in einer weiteren Umfrage bei Eltern von schulpflichtigen Kindern mehrfach erwähnt worden. Deshalb, und weil Kestenholz sich als familienfreundliche Gemeinde profilieren wolle, habe der Gemeinderat beschlossen, die Preise zu senken und das Projekt ein Jahr zu verlängern.

Es braucht mehr Anmeldungen

Neu wird für das erste Kind ein Beitrag von 12 Franken pro Tag verlangt und für jedes weitere 10. Die Preisdifferenz wird durch die Gemeinde getragen. Bei einem Betrieb an vier Tagen pro Woche mit je fünf Kindern würde der Gemeindebetrag etwa rund 6000 Franken ausmachen. Ob die nun gewährten Vergünstigen zu mehr Anmeldungen führen werden, wird sich zeigen müssen. Der erwähnten Umfrage zufolge bestehe ein solcher Bedarf und wenn nur der Preis das Kriterium sei, müssten eigentlich mehr Kinder als bisher angemeldet werden, glaubt Kaufmann. Die Anmeldefrist für das nächste Semester, also für die Zeit nach den Sommerferien und bis Weihnachten läuft noch bis 24. Juni.

Alle Informationen dazu sind auf der Gemeindehomepage zu finden. «Ich bin gespannt, wie viele Anmeldungen eingehen werden», sagt Kaufmann. Sie hoffe, der Mittagstisch überstehe diese heikle Phase. Wenn es aber beim bisherigen tiefen Niveau mit sieben Kindern bleibe, bedeute das wohl das endgültige Aus. «Ich würde das sehr bedauern, schliesslich wollen wir mit diesem Angebot berufstätige Eltern entlasten. Das funktioniert aber nur, wenn diese ihre Kinder auch anmelden.» Der Gemeinderat wird die Situation im Frühling 2017 neu beurteilen.

Auf eine Weiterführung des Mittagstischs hoffen auch die Betreuerinnen Therese Bobst und Susanne Raemy. Ihnen mache die Arbeit mit den Kindern Spass. «Und Platz hat es im FC Klubhaus mehr als genug», finden die beiden 53-jährigen Frauen.

Infos und Anmeldung: www.kestenholz.ch