Amtsgericht Thal-Gäu
Wegen 85 Sprayereien angeklagt, ins Gefängnis muss der 32-Jährige aber nicht

Das Amtsgericht Thal-Gäu verurteilte einen 32-jährigen Gäuer wegen mehrfacher Sachbeschädigung zu einer bedingten Haftstrafe von 13 Monaten. Ihm kam auch die lange Verfahrensdauer zugute.

Erwin von Arb
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Das Smiley war das Kennzeichen von Pascal M.

Das Smiley war das Kennzeichen von Pascal M.

Zur Verfügung gestellt

Zur Urteilsverkündung erschien Pascal M. * an Freitagmorgen im Hip-Hop-Look ganz in Schwarz mit Jeans, Sweatshirt und einer nach hinten ausgerichteten Baseballcap. Der 32-jährige wirke sichtlich angespannt, schliesslich ging es um einen Schaden von rund 127'000 Franken, welchen er zwischen Januar 2011 und Januar 2013 mit Sprayereien in Balsthal, Oensingen, Solothurn und Zuchwil angerichtet haben soll.

Fall fünf Jahre verschleppt

Die Staatsanwaltschaft hatte dafür eine Gefängnisstrafe von 22 Monaten verlangt, davon mindestens sechs unbedingt. Verteidiger Christian Werner hatte sich hingegen bei der Gerichtsverhandlung vom 14. November für eine milde Strafe für seinen geständigen Klienten ausgesprochen. Dafür spreche auch die Verletzung des Beschleunigungsgebotes durch die Ermittlungsbehörden, die mehr als fünf Jahre benötigt hätten, um Anklage zu erheben.

Sprayereien in Solothurn, Zuchwil und Oensingen
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Sprayer in Oensingen
Versprayter Zaun in Zuchwil
Firmengebäude in Zuchwil
Firmengebäude in Zuchwil
Firmengebäude in Zuchwil
Auto in Zuchwil
Sprayerei in Oensingen

Sprayereien in Solothurn, Zuchwil und Oensingen

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Das Amtsgericht unter dem Vorsitz von Guido Walser würdigte diese lange Verfahrensdauer mit einer Reduktion der Strafe um ein Drittel und verurteilte Pascal M. * zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten mit einer Bewährungsfrist von drei Jahren.

Darin enthalten ist auch eine Strafe von einem Monat wegen einfacher Körperverletzung, weil Pascal M. einen Mann auf den Bahnsteig geschubst hatte und sich dieser dabei an der Nase verletzte. Der Klage des Geschädigten, der Angeklagte habe ihm das beim Sturz kaputt gegangene Handy zu ersetzen, wurde vom Gericht mit Verweis auf das veraltete Modell abgewiesen.

Zu Schadenersatz verurteilt

Unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmass blieb das Gericht, weil es die innerhalb von zwei Jahren durch den Sprayer angerichteten Schäden nicht als Gesamtes beurteilte, sondern in fünf zeitlich begrenzte Phasen aufteilte. Als «gröbste» Phase stellte sich die Zeitspanne zwischen Oktober 2012 und Januar 2013 mit einer Schadensumme von über 30'000 Franken heraus.

Dabei wurde die 10'000-Franken-Grenze für qualifizierte Sachbeschädigung deutlich überschritten. Weil das bei den anderen vier zu Tateinheiten zusammengefassten Phasen nicht der Fall war, wurden diese lediglich als einfache Sachbeschädigung gewertet.

Pascal M. wurde ferner zur Übernahme der bisher mittels Offerten oder Rechnungen ausgewiesenen Schäden in der Höhe von 32'000 Franken verurteilt. Die weiteren Forderungen wurden vom Gericht auf den Zivilweg verwiesen.

Zweifel an gezeigter Reue

Amtsgerichtspräsident Guido Walser attestierte dem Angeklagten eine erhebliche kriminelle Energie und keinen Respekt vor fremdem Eigentum. Vom Egomimus angetrieben sei es ihm nur darum gegangen, sich in der Szene einen Namen zu machen. Die Taten seien als mittelschwer zu beurteilen.

Das Gericht habe sich trotz Zweifel am Reuebekenntnis des Angeklagten eine bedingte Strafe entschieden, weil es glaube, dass Pascal M. seine Lektion gelernt habe. Auch gehe er wieder einer geregten Arbeit nach. Diese vom Gericht gewährte Chance gelte es nun zu packen.

Name von der Redaktion geändert

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