Balsthal
Wegbegleiterinnen sind Gesprächspartner gegen die Einsamkeit

Im Jahr 2015 wurde im Pastoralraum St.Wolfgang im Thal das Konzept Wegbegleitung aufgegleist. Eine der ehrenamtlichen Begleiterinnen ist Regine Fluri. Wir haben sie bei einem Besuch bei der 95-jährigen Fanny Walser im Altersheim Inseli begleitet.

Isabel Hempen
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In Balsthal wirkt die Katechetin Regina Fluri (r.) seit diesem Jahr bei Fanny Walser im Altersheim mit Besuchen, Gesprächen und Ausflügen als Wegbegleiterin.

In Balsthal wirkt die Katechetin Regina Fluri (r.) seit diesem Jahr bei Fanny Walser im Altersheim mit Besuchen, Gesprächen und Ausflügen als Wegbegleiterin.

Bruno Kissling

Gemeinsam mit Regina Fluri sitzt Fanny Walser in der Cafeteria des Altersheims Inseli in Balsthal. Sie trinken Kaffee und plaudern. Einmal wöchentlich besucht Fluri die 95-Jährige, geht mit ihr spazieren, einkaufen, in die Kirche oder an regnerischen Tagen wie heute einfach nur «go käfele».

Fanny Walser wohnt seit März im «Inseli». Vergangenen Januar stürzte sie in ihrer Wohnung schwer, die Hüfte war komplett zersplittert. Sie zog ins Altersheim um: «Es hat mir von Anfang an gefallen, ich würde es jedem empfehlen», sagt sie. Auch die Heilung ging gut voran. Dennoch, etwas vermisste die Seniorin: Besuch. Eine ihrer Töchter ist voriges Jahr gestorben, die andere wohnt in Bern.

Eine befreundete Dame riet ihr, sich bei der katholischen Kirche in Balsthal zu melden. Diese bietet seit 2015 im Rahmen der Diakonie den Dienst der Wegbegleitung an: Dabei handelt es sich um Freiwillige, die Krankenbesuche, Nachbarschaftshilfe, Botengänge und Ähnliches verrichten.

Das Angebot Wegbegleitung wird von der Fachstelle Diakonie und Soziale Arbeit der römisch-katholischen Kirche im Kanton Solothurn mit Sitz in Olten koordiniert. Die Kontaktstelle in Balsthal ist für den gesamten Pastoralraum St. Wolfgang im Thal zuständig, geleitet wird sie vom Seelsorger und Katecheten Heinz Bader.

Vorbereitender Kurs

Seit August dieses Jahres schaut die 49-jährige Regina Fluri alle ein bis zwei Wochen ein paar Stunden bei Fanny Walser vorbei. Sie absolvierte den vorbereitenden Kurs zur Wegbegleitung an vier Abenden im August 2015. «Die Chemie stimmte auf Anhieb zwischen uns», bemerkt Fanny Walser. Und was die beiden, die sich vorher nicht gekannt hatten, schnell einmal herausfanden: Das Haus, das Regina Fluri mit ihrer Familie bewohnt, war einst von Fanny Walsers Gotte und Götti erbaut worden. Und Walser kannte Fluris Eltern und Grosseltern.

Hier gibt es bereits Kontaktstellen

Wie Leiterin Maria Bötschi von der Fachstelle Diakonie und Soziale Arbeit der römisch-katholischen Kirche im Kanton Solothurn sagt, sei gemäss einer Umfrage unter Seelsorgern eines der Hauptprobleme der Leute die Einsamkeit. Aus diesem Grund wurde in verschiedenen Pastoralräumen eine Kontaktstelle für die Wegbegleitung eingerichtet. Freiwillige Begleitpersonen schenken bedürftigen Personen wöchentlich einige Stunden Zeit. Das Angebot existiert in den Gebieten Dorneck-Thierstein, Kappel-Boningen-Gunzgen, Olten-Gösgen, Olten/Starrkirch-Wil, St. Wolfgang im Thal. In der Stadt Solothurn befindet es sich im Aufbau. (hei)

Regina Fluri, die Katechetin ist, sagt, dass sie selbst im Kurs zwar nicht sehr viel Neues gelernt habe. Für Leute, die noch nicht im sozialen Bereich tätig gewesen seien, sei er aber sicher wertvoll.

15 Frauen, darunter Rentnerinnen, Lehrerinnen, Krankenschwestern und Hausfrauen, nahmen am letztjährigen Kurs in Balsthal teil. Diesen leitete Maria Bötschi von der Fachstelle Diakonie und Soziale Arbeit unter Mithilfe von Heinz Bader.

Von besagten 15 Frauen sind derzeit 8 als Wegbegleiterinnen aktiv. Die übrigen nehmen derzeit ehrenamtlich andere soziale Verpflichtungen wahr. Anfragen betreffend Begleitpersonen erhält Heinz Bader vom Sozialamt, von Ärzten und Privaten. «Ich könnte derzeit problemlos drei bis vier Leute vermitteln, die eine Begleitperson nötig hätten», sagt er. Gerade laufe wieder ein Wegbegleitungskurs in Olten mit 13 Teilnehmern, auch aus dem Thal ist eine Person dabei. 2017 soll wieder ein Kurs in Balsthal stattfinden.

Alle ehrenamtlichen Wegbegleiter, die im Thal tätig sind, werden von Heinz Bader betreut. Er steht im regelmässigen Kontakt mit den begleitenden wie auch den begleiteten Personen. Etwa vierteljährlich finden Sitzungen in der Gruppe statt, wo sich die Leute austauschen können.

«Es ist was wert»

Völlig neu ist das Angebot Wegbegleitung in der Region nicht. In Balsthal gibt es schon seit Jahren eine Begleitgruppe, wie Heinz Bader sagt. Seit der Errichtung des neuen Pastoralraumes St. Wolfgang im Thal im Jahr 2014 wurde das Angebot aber auf das ganze Gebiet ausgeweitet.

Fanny Walser und Regina Fluri sind ins Gespräch vertieft, die Seniorin erzählt Regina Fluri von den beiden Frauen auf ihrem Stock, mit denen sie sich gut versteht. Sie trifft sie jeweils zum Zmorge und zum Znacht. «Man nennt uns die drei Musketiere.» Sie lacht. Auch sonst ist der kontaktfreudigen Seniorin nicht langweilig: Sie löst gerne Kreuzworträtsel oder sieht fern. Auf Regina Fluri freut sie sich aber jedes Mal. Sie ist überzeugt: «Es ist was wert.»

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