Thal-Gäu

«Wassernotstand ist nicht zu befürchten» – trotz andauernder Trockenheit

Anlagenwart Heinz Fischer beobachtet beim Grundwasserpumpwerk Neuendorf regelmässig die Höhe des Grundwasserspiegels.

In der Amtei Thal-Gäu ist die Wasserversorgung trotz der langen Trockenperiode nicht gefährdet. Ein Grund dafür sind die ergiebigen Regenfällen Anfang Jahr.

Die andauernde Trockenheit sorgt in der Landwirtschaft für Ertragausfälle und weil auf den Feldern nur spärlich Gras nachwächst, drohen wegen Futterknappheit sogar Notschlachtungen von Kühen und Rindern. Muss sich die Bevölkerung nun Sorgen machen, dass schon bald auch das Trinkwasser knapp werden könnte? Eine Umfrage dieser Zeitung in der Amtei Thal-Gäu macht deutlich, dass ein solcher Wassernotstand vorderhand nicht zu befürchten ist. Im Thal vor allem wegen ergiebigen Regenfällen Anfang Jahr, welche die Quellen weiter sprudeln lassen. Im Gäu ist der Grundwasserspiegel auf hohem Niveau stabil.

Balsthal stellt Dorfbrunnen ab

Allerdings mahnt der Balsthaler Brunnenmeister Marcel Schmid trotzdem zum sorgsamen Umgang mit dem Trinkwasser. Die Leistung der Quelle, aus welcher die Gemeinde das Trinkwasser beziehe, sei um etwa ein Drittel auf aktuell 650 Liter pro Minute (l/min) gesunken.

Auch der Spiegel des Grundwassers, das als Reserve diene, sei am Sinken. Um die Bevölkerung zu sensibilisieren, würden als erste Massnahme die mit Trinkwasser gespeisten Dorfbrunnen abgestellt, sagt Schmid. Geprüft werde ferner die Reduktion der Bewässerung des Rasens auf dem Fussballplatz. «Wir werden das mit dem Verein besprechen», so Schmid.

Auch in Matzendorf werden wegen der anhaltenden Trockenheit sechs Dorfbrunnen abgestellt, wie Werkhofleiter Roland Haefeli erklärt. Allerdings sei das keine Massnahme aus der Not heraus, sondern eine von präventivem Charakter. Aktuell sehe es bei der Wasserversorgung nämlich noch sehr gut aus. Die Quelle liefere immer noch 150 l/min. Im August 2017 habe die Leistung der Quelle lediglich 70 bis 90 l/min betragen. Einen halben Meter gesunken sei der Pegel des als Reserve dienenden Grundwassers. Das sei in dieser Jahreszeit normal, versichert Haefeli.

Hohe Leistung Quelle Herbetswil

Keine Probleme bei der Trinkwasserversorgung gibt es laut Brunnenmeister Ernst Nussbaum auch in der Gemeinde Herbetswil. Die Quelle lieferte derzeit 1500 l/min. Das sei ein genügend grosses Volumen, um auch die Nachbargemeinde Aedermannsdorf, mit welcher ein Notverbund bestehe, bei Bedarf mit Wasser beliefern zu können. Nötig sei das derzeit aber nicht, weil die Quelle in Aedermannsdorf aktuell noch 250 bis 260 l/min liefere, so Nussbaum.

Ebenfalls keine Versorgungsprobleme gibt es in Mümliswil-Ramiswil. Die Guldentaler Gemeinde bezieht das Trinkwasser ausschliesslich aus Quellen, bei Bedarf kann ergänzend Grundwasser ins Reservoir gepumpt werden. Die drei Quellen in Mümliswil-Ramiswil lieferten aktuell 750 l/min, erklärt Werkhofchef Remo Hunziker auf Anfrage. Dieser gute Wert sei auf die ausgiebigen Regenfälle im Frühling zurückzuführen, welche zeitversetzt etwa zwei bis drei Monate später für eine höhere Quellleistung sorgten, berichtet Hunziker.

Welschenrohr gut versorgt

Dies trifft auch auf die Wasserversorgung in der Gemeinde Welschenrohr zu, welche etwa 40 Prozent des Trinkwasserbedarfs aus Gänsbrunnen bezieht. Zwischen Dezember 2017 und Januar 2018 konnte bei der Quelle in Gänsbrunnen ein Spitzenwert von bis zu 900 l/min beobachtet werden, wie der Welschenrohrer Gemeindearbeiter und stellvertretende Brunnenmeister Bruno Antenen berichtet.

Aktuell liefere die Quelle in Gänsbrunnen 250 l/min, was im Vergleich zum Vorjahr im August mit lediglich 92 l/min ein sehr guter Wert sei. Auch die Quelle in Welschenrohr habe noch immer eine Kapazität von 200 l/min und die fünf von Quellen gespeisten Dorfbrunnen habe eine solche von insgesamt 60 l/min. Deshalb sehe er keine Anzeichen für eine Verknappung des Trinkwassers, auch wenn die Trockenheit noch eine Weile anhalten sollte.

Gäuer Wasser für Kappel

Im Gäu ist ebenfalls nicht mit einem Wassernotstand zu rechnen, wie Heinz Fischer, Anlagenwart des Grundwasserpumpwerks Neufeld in Neuendorf, sagt. Der Pegel des aus dem Raum Niederbipp zufliessenden Grundwassers ist im Moment noch rund 1,5 Meter höher als vor einem Jahr im August, wie Fischer bemerkt. Markant um über zwei Meter angestiegen sei der Grundwasserspiegel zwischen Dezember 2017 und Februar 2018.

Aktuell wird auch das Untergäu mit 3500 l/min aus dem Grundwasserpumpwerk Neufeld bedient. Dies, weil zwei Pumpen in der Gemeine Kappel ausgefallen seien. Trotz des erhöhten Bedarfs glaubt Fischer nicht, dass das Wasser im Gäu knapp wird. «Die Situation ist stabil, auch wenn der Grundwasserspiegel leicht sinkt.»

Stabil ist auch die Situation im Pumpwerk Moos in Oensingen, wo aus dem Thal zufliessendes Grundwasser gefördert wird. Der Grundwasserspiegel sei zwar am Sinken, aber noch einem Meter höher als letzes Jahr um diese Zeit, sagt Werkhofchef und Brunnenmeister Christian Wyss. Wegen des erhöhten Bedarfs müsse nun auch am Tag einmal nachgepumpt werden, um die Reservoire zu füllen.

An der Kapazitätsgrenze sei man aber noch nicht angelangt. Dennoch gebe es Überlegungen, wo Wasser eingespart werden könnte, wie etwa bei der Bewässerung des Fussballplatzes. Einschränkungen beim Wasserverbrauch gebe es im Moment aber noch keine. So könnten vorderhand Landwirte auch weiterhin für ihre Felder Wasser aus dem öffentlichen Netz beziehen.

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