Balsthal
Was läuft in Balsthal zwei Wochen vor den Präsidiums-Wahlen?

Treffen die Einschätzungen zu, die Leute auf dem Wochenmarkt, vor Geschäften und in der «Eintracht» geäussert haben, so werden am 9. Juni weder Enzo Cessotto (FDP), Pierino Menna (CVP), Fabian Müller (SP) noch Roland Stampfli (parteilos) zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt.

Alois Winiger
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Alois Winiger

. «Es hat eben jeder der vier etwas für sich. Das macht es so schwierig, sich für einen zu entscheiden», erklärt eine Frau. Viele in ihrem Bekanntenkreis würden dasselbe sagen. Allerdings geben dann praktisch alle Befragten an, sie hätten sich entschieden und bereits abgestimmt.

Was ist es denn, das die vier auszeichnet? Die Befragten schicken voraus, sie würden nur Antwort geben, wenn ihre Aussage ohne Namen veröffentlicht wird. – Versprochen. – «Enzo Cessotto ist halt schon so lange dabei in der Politik und im Dorfleben, da weiss man, woran man mit ihm ist, und das spricht für ihn», erklärt eine Frau. Worauf ihre Nachbarin entgegnet, dass ihrer Meinung nach genau das ein Problem sei. «Er ist ein Kumpel, will es allen recht machen und hat bis zuletzt zu viel am Hals.»

Verwundert es nicht, dass für den FDP-Mann keine Werbung sichtbar ist, so wie für die Männer von CVP und SP? Für diese sind an den Dorfeingängen Plakate postiert worden; bei der CVP wird auch gleich für Philippe Ebener als Gemeindevizepräsident geworben. «Ist mir gar nicht aufgefallen», antwortet die erste Frau, «ich vermute, Cessotto hats nicht nötig, weil man ihn so gut kennt.»

Bei Fabian Müller spüre man sehr deutlich, dass er sich mit Haut und Haar für Balsthal engagiert, lautet das Urteil eines älteren Herrn. «Trotzdem», so gibt er zu, «habe ich nicht ihm die Stimme gegeben. Da bin ich halt konsequent. Müller gehört der falschen Partei an.» Auch andernorts erhält Müller gute Noten. Weil er sich klar und deutlich ausdrücke und sich nicht hinter Floskeln verstecke, findet ein Mann mittleren Alters. Aber mit seinen 33 Jahren sei Müller wohl etwas gar jung. «Wobei», schiebt der Mann nach, «Urs Grolimund, der Vorgänger vom noch amtierenden Willy Hafner, ist beim Amtsantritt auch nicht älter gewesen.»

Pierino Menna habe sich erstaunlich gut geschlagen an der Podiumsdiskussion mit allen vier Kandidaten, ist andernorts zu erfahren. Der Anlass fand am 15. Mai statt (wir berichteten). Man habe ja praktisch nichts gewusst von Menna. Und so als Quereinsteiger in die Politik gehen und sich gleich fürs Gemeindepräsidium melden, brauche schon Mut. Aber Mut allein reiche nicht, wirft jemand ein. «Um in der Gemeindepolitik bestehen zu können, muss man die Mechanismen kennen. Und ein Stück weit auch mit Filz und Verflechtungen zurechtkommen.»

Über mangelnde Bekanntheit könne sich Roland Stampfli sicher nicht beklagen, heisst es anderswo. Man attestiert ihm, dass er namentlich im Bereich Schulsport sehr viel geleistet hat. «Aber ist es richtig, dass man einem bald pensionierten Lehrer einen solchen Job wie der eines Gemeindepräsidenten überträgt?» Anderseits könnte man von ihm erwarten, dass er sich nicht auf der Nase herumtanzen lasse, lautet ein Gegenargument. «Und er wäre fähig, ein wenig aufzuräumen. Und Transparenz zu schaffen.»

Warum wird das Thema Transparenz im Vorfeld der Wahlen immer wieder erwähnt? Die Befragten werden vorsichtig mit ihren Antworten. «Zum Beispiel hat man nie die wahren Gründe erfahren, warum ein Gemeinderat der CVP so plötzlich zurückgetreten ist», rückt einer heraus. Und was ist mit dem «Aufräumen» gemeint? Der Angesprochene zögert, weist mit einer Kopfbewegung in Richtung Gemeindeverwaltung und sagt: «Es sind halt meistens ältere Geschichten, die noch nicht verarbeitet sind.» Glaubt der Mann, dass es nach der Neuwahl besser wird? «Wenn mein Favorit gewinnt, dann schon.» Leider nennt er keinen Namen.