Galerie Rössli

Was in Erinnerung bleibt: Die Malereien von Vero Deubelbeiss sind inspiriert von Erinnerungen

Die gebürtige Balsthaler Malerin und Grafikerin Vero Deubelbeiss vor ihren neuen Arbeiten in der Galerie Rössli

Die Galerie Rössli in Balsthal zeigt neue Arbeiten von Vero Deubelbeiss.

Was bleibt in der Erinnerung, als Eindruck eines Ortes, einer Reise? Einmal die Farben, die bei Vero Deubelbeiss eine wesentliche Rolle im malerischen Schaffen bilden. Und dann der Ort selber, sei es als Grundstruktur, als Komposition, sei es als architektonische Eigenart, als historisches Relikt, als eine universelle, reine Stimmung einer Landschaft, eines Meeres. Der Ort, bereist, erforscht, erlebt, skizziert und fotografiert, wird in der Malerei von Vero Deubelbeiss zur «Ortung». Auch zu ihrer Position zum erlebten Raum, zur stimmungsvollen und erinnerten künstlerischen Ortsbestimmung. In kräftigen Farben, getragen, warm, gedeckt und wirkungstief. Stets im Kontext der geografischen Resonanz des Wahrgenommenen.

Mit dieser, den jeweiligen Eindrücken zugeordneten Farbpalette, fokussiert die Künstlerin einen Ausschnitt, eine diskrete Ansicht, ein charakteristisches Detail, ein universell vertrautes Moment. Denn auch diese neuen Arbeiten in Öl auf Leinwand verweisen nachhaltig auf die vielen Reisen der 1968 geborenen und an der Basler Schule für Gestaltung sowie der Stuttgarter Kunstakademie ausgebildeten Künstlerin, wenn sich das Erlebnis zur bildhaften Rezeption und Reflexion erweitert.

Zum Beispiel Zeche «Zollverein» in Essen

Da ist die im vergangenen Jahr besuchte Zeche «Zollverein» in Essen, Sinnbild der Industriegeschichte des Ruhrgebiets. Seit 2001 Unesco-Welterbe, bot dieses spannende Architektur- und Industriedenkmal bleibende Inspirationen für Vero Deubelbeiss: Architektonische Besonderheiten, Maschinen und Konstruktionen als museale Relikte, der Materialität und Farbwirkung des Rostes. Die verschachtelten Anlagen, die Grundstimmung überhaupt, das Zerfliessen von Zeit und Raum in den Farben, bis hin zur konstruktiven Komposition aus sanft konturierten Kuben, Quadern, Winkeln. Als sinnbildhafte Innen- wie Aussenräume. Die Malerei wird zum reinen Stimmungsträger, der das subjektive Erleben des realen Ortes als bildhafte Reminiszenz begreifen lässt.

Diese harmonisch bewusste, zeitlose Malerei, inspiriert durch gute Erinnerungen, Gefühle und unvergängliche Stimmungen, reduziert und konzentriert die aus Balsthal gebürtige und in Basel lebende Malerin und Grafikerin in ihren Ostsee-Impressionen auf ein melodiöses Naturschauspiel: Himmel, Meer, Horizont, klar konturiert, zerfliessend, atmosphärisch schwebend. Im Nebel und Dunst, in der Weite ineinanderfliessend, Schicht um Schicht aufgetragen horizontal wie vertikal. Die «Ortung», auch Titel dieser Ausstellung, entwickelt sich zur Verortung einer sich immer neu gestaltenden reinen Stimmung. Das an sich Einfache dieser Kompositionen strahlt Ruhe und Gelassenheit aus.

Diese Gelassenheit und Ruhe, trotz aller Farbigkeit und Bewegtheit der skizzierten Impressionen, illustrieren auch die städtischen Szenen aus Südamerika und Marokko. Hier taucht der Mensch, die figürliche-szenische Situation wieder auf, sei es als kleine alltägliche Geschichte oder als schemenhafte Gestalt. Spontanen Momentaufnahmen gleich, lebendig in der malerischen Geste, sind sie weniger Stimmungsbild denn Anekdote des Reisens.

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