Egerkingen

Was in der Zeitkapsel auf dem Kirchturm zu finden war

Die Kirchturmspitze mit der goldenen Kugel werden in der Höhe abmontiert.

Die Kirchturmspitze mit der goldenen Kugel werden in der Höhe abmontiert.

Bei der Renovation des Turmes der Reformierten Kirche Egerkingen konnte zum ersten Mal seit der Erbauung die goldene Kugel auf der Turmspitze – eine Zeitkapsel – genauer angeschaut werden.

Die Reformierte Kirchgemeinde Gäu in Egerkingen ist derzeit daran, den Turm und das Dach der 1956 zum Teil neu gebauten Paulus-Kirche erneut zu sanieren. Der gesamte Turm ist derzeit eingerüstet. «Dadurch gelangen wir zum ersten Mal seit der Erbauung an die goldene Kugel auf der Spitze unseres Turms», freut sich Vize-Kirchgemeinpräsidentin Rita Bützer, auch zuständig für Medienarbeit im Rat, denn: «Diese ist als Zeitkapsel konzipiert.»

So fragte man sich im Vorfeld, ob und was denn im Kugelinnern zum Vorschein kommt, denn bekanntlich werden bei grösseren Umbauten oder Renovationen von Gebäuden oft Dokumente, Zeitungsausschnitte oder ähnliches in solche «Zeitkapseln» eingeschlossen, die dann bei erneuten Renovationen zum Vorschein kommen. Rita Bützer sagt: «Genauso spannend sind die Überlegungen was wir heute beim erneuten Verschliessen in dieser Kugel platzieren sollen. Was möchten in vielleicht 100 Jahren unsere Nachkommen in dieser Zeitkapsel finden?»

Unbeschädigte Kugel

In freudiger Erwartung trafen sich vor wenigen Tagen der Pfarrer und vier Mitglieder der Kirchgemeinde, um gemeinsam mit einem Fachmann der Firma Muri-Bär das Turmgerüst zu besteigen und die Kirchturmspitze zu entfernen. «Mit einem mulmigen Gefühl ob der grossen Höhe aber guter Dinge erklommen wir das Gerüst», erzählt Rita Bützer. «Es war kalt und feucht denn der Nebel umhüllte uns.»

Oben angekommen begutachtete man die Kirchturmspitze und war hocherfreut über den guten Zustand der Kugel und auch des Wetterhahns, welcher sich zuoberst immer noch dreht. Die Kugel, mit einem Durchmesser von etwa 40 cm, ist auf dem Kupferhut angebracht, welcher früher goldfarbig war, im Lauf der Zeit aber kupfrig grün wurde.

«Der Fachmann erzählte uns, dass er sehr erstaunt ist, dass die Kugel unbeschädigt und vor allem ohne Einschusslöcher sei», wunderte sich Rita Bützer und erfuhr: «Er hatte mit Einschusslöchern gerechnet, denn in der letzten Kugel, die er in einer Gemeinde im Kanton Bern demontierte, seien zehn Einschusslöcher festzustellen gewesen. Früher sei so eine Kugel ein beliebtes Zielobjekt gewesen für Kleinkaliber und andere Schützen, erklärte er.» Man staunt.

64 Jahre alte Schrauben mussten gelöst werden

Es wurde festgestellt, dass sich der Wetterhahn leicht abheben liess, die eigentliche Kirchturmspitze als Ganzes auf der Dachspitze festgeschraubt ist. «Doch mit sanfter Gewalt konnte unser Baukommissionspräsident Hanspeter Steiner die exakt 64 Jahre alten Schrauben lösen.»

Mit vereinten Kräften konnte sodann die Kirchturmspitze vom Kirchendach gehoben werden. Man sei erstaunt gewesen, wie leicht dieses Bauteil sei.

Keine Geräusche aus der Kugel?

Dass jedoch beim Hantieren keine verdächtigen Geräusche aus der Kugel zu vernehmen waren, machte die Anwesenden etwas stutzig. «Schon auf den ersten Blick erkannten wir dann, dass die Kugel durchgehend offen und sie im Innern leer ist», erzählt Rita Bützer etwas enttäuscht. Auch der Fachmann fand es sehr erstaunlich, dass eine so alte Kirchturmkugel ohne Inhalt ist; das hätte er nicht erwartet.

Alle entfernten Bauteile wurden dann nach unten, auf den sicheren Boden getragen, um sie dort nochmals genauer unter die Lupe zu nehmen. «Auch mit nochmaligem Hineingreifen und mit Hilfe einer Teleskopkamera entdeckten wir nur lauter Leere», kommentiert Rita Bützer. Man wisse nicht, warum die Vorfahren der Reformieren Gäuer Kirchgemeinde anno 1956 die Chance verpasst haben, ihrer Nachwelt einen Zeitzeugen in der Kugel zu hinterlassen.

Während der Renovation der Turmspitze wird nun die Kugel und der Wetterhahn neu vergoldet und wieder an ihren Standort angebracht.

Man werde die Gelegenheit nutzen und eine neue, wirkliche Zeitkapsel herstellen. «Vermutlich wird sie in einem kommenden Gottesdienst befüllt», verrät Rita Bützer noch. Der genaue Termin stehe aber noch nicht fest.

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