«Ich will aber nicht, dass mich das anspuckt», klagt eines der 24 Kinder. «Was? Die spucken?», fragt ein anderes daraufhin entsetzt und wirft einen argwöhnischen Blick auf die Lamas und Alpakas, die brav im Gehege warten. «Alpaka Trekking», nennt sich der Ferienpass-Kurs, den das Ferienpassteam am Montag für die 20. Ausgabe des Sommerprogramms auf die Beine stellten. Barbara und Martin Hermann bieten das Spazierengehen mit den exotischen Vierbeinern in Flumenthal an.

Auch viele andere Kurse bringen die Kinder raus aus Neuendorf und teilweise sogar über die Kantonsgrenzen. So steht beispielsweise auch ein Besuch der Rivella AG in Rothrist oder der Tierklinik in Oftringen auf dem Programm. In Aarwangen können die Kinder schwimmen wie eine Meerjungfrau, in Solothurn bei Jump TV moderieren oder in Murgenthal auf der Aare Kajak fahren. Die Kurse sind abwechslungsreich, mal steht Bewegung im Fokus, mal können die Teilnehmer viel lernen oder selbst etwas erschaffen. Immer im Vordergrund steht sowieso der Spass.

Erste Annäherungsversuche

In Flumenthal sind sich noch nicht alle Kinder sicher, ob ihnen der Kurs denn Spass machen wird. Vor allem die Tatsache, diese wuscheligen Tiere könnten so plötzlich zu «Spöiz-Kanonen» mutieren, scheint sie zu verunsichern. Doch Barbara Hermann beruhigt sogleich: «Sie spucken nur, wenn ihnen etwas nicht passt oder sie sich bedroht fühlen.» Das erfolgt aber eher innerhalb der Gruppe, auch um zum Beispiel ihre Stellung zu markieren. «Menschen gegenüber spucken sie selten.»

Einige wirken daraufhin beruhigt und schreiten mutig auf die Alpakas zu. Andere warten trotzdem lieber erst einmal im Hintergrund. «Das hat ja ein weiches Fell», sagt ein Mädchen erstaunt und wuschelt einem grauen Alpaka durch die Wolle. «Schau, meines sieht lustig aus», so ein anderer Junge lachend. «Also ich finde sie süss», meint ein Weiterer.

Die Begeisterung ist ansteckend und bald halten alle Kinder einen Strick in der Hand. Zwar bringen einige noch immer möglichst viel Abstand zwischen sich und den Paarhufer. Vor allem die drei grösseren Lamas erfordern etwas mehr Mut. Doch schon macht sich die Schar im Gänsemarsch auf in den schattigen und kühlen Wald.

Trekking nur mit Männchen

«Es ist ein bisschen, wie mit einem Hund Gassi gehen», sagt ein Mädchen, dessen hellbraunes Alpaka gelegentlich den Kopf senkt, um zu grasen. Mittlerweile haben sich Kind und Tier aneinander gewöhnt. Wie selbstverständlich strecken die Kinder ihre Hände aus und streicheln ihre Begleiter.

Auch Manuela Frey vom Ferienpassteam hält hie und da einen der Vierbeiner am Strick, während sie die Kinder auffordert, genügend Wasser zu trinken. Über Stock und Stein spazieren die Teilnehmer gemütlich durch den Wald, stellen Fragen und lernen dabei Wissenswertes. Die Hermanns, Barbara am Kopf der Schar, Martin am Ende, beantworten geduldig die vielen Fragen.

Seit 2009 halten sie die exotischen Tiere auf ihrem Hof in Flumenthal und bieten Trekkings entlang der Aare oder auf der zweiten Jurakette an. Lamas und Alpakas gehören zu derselben Tiergruppe wie Kamele und Dromedare. Untereinander unterscheiden sie sich in ihrer Grösse, ihrem Fell oder der Form ihrer Ohren. Die Paarhufer stammen aus den südamerikanischen Anden und fanden vor rund 5000 Jahren ihren Weg in die domestizierte Haustierhaltung.

Die Tiere der Hermanns tragen wegen ihrer Herkunft spanische Namen: Nico, Eduardo, Juanito, Heraldo. Auf das Trekking gehen nur die Männchen mit. «Die Weibchen würden die Männchen ständig anspucken», erklärt Barbara Hermann. Und schliesslich wolle niemand riskieren, von so einer Spuckeladung getroffen zu werden, wenn auch nur versehentlich.