Wann haben sich wohl die ersten Menschen im Raum Matzendorf niedergelassen? Man wusste von Funden aus der Kelten- und Römerzeit, hatte aber dazu nur sehr oberflächliche Informationen. Das hat den historischen Verein Matzendorf angetrieben, die Überlieferungen und Funde systematisch aufzuarbeiten und somit einige Antworten auf die Frage nach der frühgeschichtlichen Besiedlung zu erhalten. Die interessanten Resultate werden am kommenden Wochenende in einer Ausstellung präsentiert, zudem ist eine Broschüre mit ausführlichen Erklärungen erhältlich.

Blick über die Dorfgrenze

«Die ältesten bisher bekannten Spuren von Menschen in unserer Region finden sich aus der Zeit um 14 000 vor Christus in der Rislisberghöhle bei Oensingen», sagt Anton Fluri, eine der treibenden Kräfte beim historischen Verein. «Der erste und bisher einzige Bodenfund aus vorchristlicher Zeit wurde im Horngraben nahe der Antoniuskapelle gemacht. Dabei handelt es sich um ein Tüllenbeil aus der jüngeren Eisenzeit um 450 bis 15 vor Christus.»

Dieser Einzelfund lasse die Vermutung zu, dass zumindest ab jener Zeit im Raum Matzendorf erste Siedlungen und Verkehrswege bestanden haben. Es versteht sich für den Verein von selbst, diese Verkehrswege durch die Region in die Ausstellung mit einzubeziehen. Schliesslich führte während der Römerzeit eine Nord-Süd-Hauptroute über den Oberen Hauenstein.

Bevorzugte Lage im Thal

Das Thal mit seinen sonnigen Terrassen bot – und bietet ja noch heute – eine ideale Wohnlage. Die Römer wussten dies zu schätzen, bauten dort Villen und Gutshöfe, wie Ausgrabungen in Balsthal und Laupersdorf belegen. Auch auf dem Emet, einem Plateau oberhalb des Dorfes Matzendorf, sollen solche gestanden haben – diese Vermutung hielt sich lange und hartnäckig. Auf einem Dorfplan von 1873 sind «Spuren von römischen Bauten» eingetragen.

Als im Jahr 1864 der Kanton Solothurn sich in den Gemeinden nach geschichtlichen Daten erkundigte, meldeten der Dorflehrer Urs Joseph Meister (1824–1907) und Pfarrer Urs Jakob Bobst (1835–1913) übereinstimmend, man habe auf dem Emet Spuren eines «uralten Steinpflasters» entdeckt. Pfarrer Bobst äusserte aber noch einen Wunsch: «Sorgfältige Nachgrabungen auf diesem Platze würden vielleicht zu schönen und dankbaren Resultaten führen.» 

148 Jahre später kam der historische Verein diesem Wunsch nach und liess dort am 3. Dezember 2012 Georadar-Messungen durchführen. Mittels elektromagnetischen Signalen wurde der Boden bis in eine Tiefe von zwei Metern abgetastet. Das Resultat war negativ. Doch wollte es der Verein noch ganz genau wissen und liess Sondiergrabungen ausführen. Das Fazit von Anton Fluri fällt ernüchternd aus: «Mit heutigem Kenntnisstand muss die seit 1864 belegte Überlieferung von römischen Spuren auf dem Emet als nicht zutreffend taxiert werden.»

Römer und Kelten waren dort

Auch wenn sich keine Spuren von römischen Häusern im Raum Matzendorf finden liessen, Belege auf eine Besiedlung gibt es trotzdem in Form von römischen Münzen, die an verschiedenen Stellen gefunden worden sind. Auf die Anwesenheit der Kelten weist das im Horngraben gefundene Tüllenbeil hin. Darüber und über vieles mehr gibt einerseits die Ausstellung Aufschluss, anderseits eine 42-seitige Broschüre, verfasst von Markus Egli, Anton Fluri und Christian Schinzel, die jederzeit auf die Zusammenarbeit mit der Kantonsarchäologie zählen konnten.

Ausstellung Freitag, 9. Januar, 19 Uhr, Vernissage mit Pierre Harb, Leiter der Kantonsarchäologie; Samstag, 10., und Sonntag, 11. Januar, je 14 bis 18 Uhr, Pfarreiheim Matzendorf.