Was bringt das Nitratprojekt Gäu-Olten? Seit dem Jahr 2000 wird im Dünnerngäu zwischen Oensingen und Olten das schweizweit grösste Projekt zur Reduktion der Niträteinträge ins Grundwasser umgesetzt. Die 83 teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe verpflichten sich seither für eine nitratarme Bewirtschaftung ihrer Felder.

Laut Rainer Hug, Projektleiter und wissenschaftlicher Experte für Grundwasserschutz beim Amt für Umwelt (AfU) des Kantons Solothurn, läuft dies folgendermassen ab: «Die Landwirte achten genau auf die Bodenbearbeitung, die Winterbegrünung sowie den Saatzeitpunkt. Aber natürlich wird auch Ackerland stillgelegt, bei dem der Nitratgehalt über der Toleranzgrenze liegt.» Dies sei gegenwärtig bei 160 Hektaren innerhalb des Projektperimeters der Fall, diese wurden in extensives Wiesland umgewandelt, weil sich somit die Nitratauswaschung am stärksten reduzieren lasse. Besonders wichtig sei aber eine optimierte Fruchtfolge, denn mit einer bestimmten Auswahl und Abfolge der Kulturpflanzen lasse sich die Nitratauswaschung deutlich reduzieren.

Das Auswaschungspotential von Nitrat im Ackerland wird im Projekt anhand eines Punktesystems bewertet, dem sogenannten «Nitratindex». So müssen sich die Zahlen bei den Projekt-Landwirten zwischen 23 und 25 Punkten bewegen.

Die Vertragsflächen des Nitrat-Projekts

Die Vertragsflächen des Nitrat-Projekts

Überprüfung nach 20 Jahren

Kanton und Bund eine wissenschaftliche Überprüfung der umgesetzten Massnahmen beschlossen, fast 20 Jahren, in denen das Nitratprojekt läuft. Zudem soll der Nitratindex an den heutigen Wissensstand angepasst werden. Die Überprüfung kann nicht erst in den Grundwasserfassungen erfolgen und bedarf daher ausgeklügelter Messeinrichtungen unter den Ackerflächen. Dies, weil im Gebiet des Projektes — einfach gesagt — ein Regentropfen 20 Jahre Zeit in Anspruch nimmt, bis er das Wasserpumpwerk erreicht.

Zur Überprüfung der Daten läuft seit Sommer 2017 also das vierjährige Projekt «NitroGäu». Um die Erkenntnisse zu vertiefen, verfassen hierbei zwei Wissenschaftlerinnen ihre Dissertationen: Hanna Wey vom Zentrum für Hydrologie in Neuenburg zum Thema Hydrologie. Und Hanna Frick zum Thema Hofdüngermanagement vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick. 

Das Projekt «NitroGäu» steht unter der Leitung des FiBL und die Projektleiterin ist Else Bünemann-König vom Departement für Bodenwissenschaften. Die Methoden sind unterschiedlich. Wey etwa extrahiert Nitrat aus dem Sickerwasser unter den Ackerflächen. Hierzu verwendet sie selbstintegrierende Akummulatoren (SIA) oder «Plastikbecher», wie die Vorrichtungen von den Wissenschaftlerinnen salopp genannt werden. Dabei handelt es sich um Sonden mit Absorbermaterial, die mithilfe eines kleinen Baggers in die Erde versetzt werden. Monate später können diese wieder herausgeholt und auf Nitratwerte geprüft werden. Diese Methode wird in der Schweiz in diesem Umfang erstmalig angewandt.

Warum ausgerechnet im Gäu?

Gegenwärtig befinden sich auf dem «NitroGäu»-Areal elf Felder mit diversen Monitoring-Instrumenten. Ein weiteres Beispiel, wie die Bodenwerte gemessen werden, sind Saugkerzen oder Schrägbohrungen mit eigens von einem Wissenschaftler-Team aus Israel installierten Erdsonden.

Doch warum werden diese Messungen und Prüfungen ausgerechnet im Gäu vollzogen? Rainer Hug erklärt: «Die Gäuer Bauern sind nicht das Problem. Sondern dass das Grundwasser in dieser Region nicht gleich belastbar ist wie andernorts.» Es fehle hier an Verdünnung mit nitratarmen Komponenten, das Grundwasser bilde sich grösstenteils aus Regenwasser. Dieses versickere auf dem Feld und damit ende das Nitrat schliesslich im Grundwasser. Es fehle die Verdünnung mit nitratarmem Flusswasser, das ins Grundwasser sickere.

Pumpwerk Moos / Oensingen, Einwohnergemeinde Oensingen Pumpwerk Neufeld / Neuendorf, Zweckverband Regionale Wasserversorgung Gäu Pumpwerk Zelgli / Kappel, Zweckverband Wasserversorgung Untergäu Pumpwerke Gheid / Olten, Städtische Betriebe Olten

Grundwasser Region Gäu-Olten

Pumpwerk Moos / Oensingen, Einwohnergemeinde Oensingen Pumpwerk Neufeld / Neuendorf, Zweckverband Regionale Wasserversorgung Gäu Pumpwerk Zelgli / Kappel, Zweckverband Wasserversorgung Untergäu Pumpwerke Gheid / Olten, Städtische Betriebe Olten

«Im Gegensatz zum Gäu haben etwa das Niederamt und Wasseramt kein Nitratproblem, weil die Aare und die Emme den Einfluss aus der Landwirtschaft stark verdünnen», so Hug. Weiter weist er darauf hin, dass die heutige Landwirtschaftspolitik überall die gleichen Vorgaben mache, egal wie belastbar das darunterliegende Grundwasser ist. «Ich erhoffe mir deshalb ein Umdenken auf Bundesebene», sinniert er.

Konkrete Resultate von «NitroGäu» können momentan noch nicht geliefert werden, wie es heisst. Doch immerhin habe man bereits festgestellt, dass die Nitratwerte nicht gestiegen seien, so Hug vom Amt für Umwelt. Bei vergleichbaren Feldern ausserhalb des Projekts seien die Werte jedoch gestiegen. Im Verlauf des «NitroGäu»-Projektes untersucht Wissenschaftlerin Hanna Wey folgende Fragen: «Wie wirksam ist der Nitratindex», «wie kann seine Wirksamkeit überprüft werden?», und «wie hoch sind die Nitratverluste im Gemüsebau und welche Verbesserungsmöglichkeiten gibt es?» Finanziert wird «NitroGäu» vom Bundesamt für Landwirtschaft, vom AfU und durch Projektpartner-Eigenleistungen.