Kirche

Warum sich dieser Balsthaler zum Priester weihen lässt – und was ihm wichtig ist

Am Mittwoch wurde der Balsthaler Joel Eschmann in der St.-Ursen-Kathedrale zum Priester geweiht.

Am Mittwoch wurde der Balsthaler Joel Eschmann in der St.-Ursen-Kathedrale zum Priester geweiht.

In den vergangen drei Tagen führte das Bistum Basel Institutio- sowie Admissio-Ernennungen und zwei Priesterweihen durch. Der Balsthaler Joel Eschmann durfte sich zum Priester weihen lassen.

Für den gebürtigen Balsthaler Joel Eschmann war am Mittwoch ein wichtiger Tag. Er wurde in der St. Ursen-Kathedrale zusammen mit Stefan Tschudi zum Priester geweiht. Im Voraus konnten wir mit ihm sprechen.

Joel Eschman, wer sind Sie?

Joel Eschmann: Ich bin jetzt 39 Jahre alt, in Balsthal aufgewachsen und dort zur Schule gegangen. Nach der Matura und dem Militärdienst habe ich zehn Jahre in Basel studiert und gelebt: Sechs Jahre Studium Geschichte, Philosophie und Medienwissenschaften, anschliessend folgte das Doktorat in Geschichte des Mittelalters. In dieser Zeit habe ich in Balsthal als Lehrer gearbeitet, später in Laupersdorf als Schulleiter. Dann bin ich nach Luzern gezogen und habe dort und später auch in London Theologie studiert. Seit zwei Jahren bin ich nun in Bern-West als Pfarreiseelsorger tätig. Letztes Jahr wurde ich in Balsthal zum Diakon geweiht. Mein grösstes Hobby ist Theaterspielen. Dies tue ich vor allem im Theater Mausefalle in Solothurn.

Joel Eschmann (vorne rechts) als Schweizer im Mausefalle-Stück «Die Räuber». (Archiv)

Joel Eschmann (vorne rechts) als Schweizer im Mausefalle-Stück «Die Räuber». (Archiv)

Wie und wann sind Sie mit der Religion in tieferen Kontakt gekommen?

Der Glaube hat in unserer Familie immer dazugehört, wenn auch nicht übertrieben. Ich bin schon als Jugendlicher gerne in den Gottesdienst gegangen, war zwölf Jahre lang Ministrant und in der Jungwacht aktiv. In Balsthal habe ich aktiv in der Pfarrei mitgearbeitet, im Gottesdienst als Lektor und Kommunionhelfer und im Kirchgemeinderat. Zudem war ich acht Jahre im Seelsorgerat des Bistums Basel tätig, davon vier Jahre als Präsident.

Wann haben Sie die Entscheidung getroffen, Priester zu werden?

Eine sehr komplexe Frage. Grundsätzlich hat mich der Priesterberuf schon immer fasziniert. Der Blitz hat bei mir aber nicht eingeschlagen oder so. Es gab kein «Bekehrungserlebnis». Vielmehr fühlte ich mich schon immer von Gott getragen und ich habe mich immer mit religiösen Themen auseinandergesetzt. Im Bild gesprochen, hat Gott ein paar Mal bei mir angeklopft, aber ich hatte lange Zeit nicht den Mut, auf seinen Anruf zu Antworten. Mit etwa 30 habe ich mir dann gesagt, jetzt oder nie. Ich wusste, dass es ein langer Weg werden würde mit sieben Jahren Ausbildungszeit. Doch ich habe es ausprobieren wollen. Schritt für Schritt ist dann die Berufung in mir gewachsen, wenn man das so sagen will. Ich habe gespürt und erlebt, wie fantastisch ein Leben mit Gott ist. Und ich wollte immer mehr die Frohe Botschaft, das Evangelium von Jesus Christus, in die Welt hinaustragen. Das erfüllt mich ganz, und deshalb habe ich schlussendlich auch Ja gesagt zum Leben als Priester.

Sie arbeiten in der katholischen Pfarrei Bern-West. Welche Aufgaben erfüllen Sie dort momentan?

Ich bin dort Diakon. Damit bin ich in der allgemeinen Seelsorge tätig, einerseits in den beiden Pfarreien St. Antonius und St. Mauritius (Gottesdienste, Seelsorgegespräche, Firmbegleiter, Ministranten), andererseits bin ich in Alters- und Pflegeheimen unterwegs und begleite dort ältere Menschen oft bis zum Tod. Der Diakon betreut auch Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen.

Wie sieht Ihre nähere Zukunft als Priester aus?

Die nächsten zwei Jahre werde ich als Vikar in Bern-West bleiben. Meine Aufgaben werden sich wohl nicht gross ändern, ausser dass ich als Priester jetzt Eucharistie und das Sakrament der Versöhnung feiern kann. Auf beides freue ich mich sehr. Nach dem Vikariat wird mich der Bischof wohl als Pfarrer in eine andere Pfarrei schicken. Vielleicht werde ich auch irgendwo Pastoralraumleiter. Da muss ich aber erst noch das Gespräch mit dem Bischof führen und auch von ihm hören, wo die Bedürfnisse des Bistums liegen. Ich bin da offen. Das habe ich dem Bischof ja auch in der Priesterweihe versprochen.

Können Sie beschreiben, welche Themen Ihnen in Ihrem neuen Amt wichtig sind?

Mir ist die Begleitung von älteren Menschen sehr wichtig. Da erfahre ich immer wieder, dass viele alleine sind, Probleme haben oder sich mit Dingen aus der Vergangenheit plagen. Dann sind mir Jugendliche besonders im Firmalter wichtig. Ich bin jetzt neu in die Firmbegleitung eingestiegen. Hier erfahre ich, dass viele junge Menschen sehr wohl einen Glauben haben, sich aber nicht getrauen, darüber zu sprechen. Bei vielen fehlt einfach heute das Fundament von zu Hause aus, weil auch dort nicht über den Glauben gesprochen wird und dieser auch nicht gelebt wird. Gerne würde ich in Zukunft auch vermehrt in der geistlichen Begleitung tätig sein. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass vielen Menschen eine Begleitung guttun würde, sie aber nicht wissen, dass es dies gibt oder sich eben auch nicht getrauen, bei uns anzuklopfen.

Wohin soll die katholische Kirche Ihrer Ansicht nach gehen?

Das ist die 100-Punkte Frage. Grundsätzlich meine ich, dass wir viel zu viel über Ämter und Strukturen sprechen. Viele meinen, dass strukturelle Änderungen alles besser machen würden und dies vielleicht auch wieder zu den «guten alten Zeiten» zurückführt. Das halte ich für eine Illusion. Primär müssen wir uns als Glaubensgemeinschaft wieder vermehrt um spirituelle Dinge sorgen und kümmern. Erst, wenn wir zusammen in einem geistlichen Klima unterwegs sind und gemeinsam versuchen, auf das Evangelium zu hören, werden sich Veränderungen einstellen, die in die Zukunft tragen.

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