Hans Schnider, wenn jemand sagt, der Oensinger Zibelimäret sei langweilig, weil alle Jahre dasselbe. Was antworten Sie ihm?

Hans Schnider: Ich könnte eine Gegenfrage stellen: Wenn der Anlass doch so langweilig ist, warum kommen dann die Leute jedes Jahr zu Tausenden hierher? Der Zibelimäret ist nun einmal erfolgreich, weil er so ist, wie er ist. Und zudem wächst er, wir haben wiederum mehr Stände als im vergangenen Jahr.

Die Zwiebel als Namensgeberin ist aber immer weniger vertreten. Diesmal sind mehr als 60 Stände aufgeführt, aber nur noch an deren 5 gibts Zwiebelzöpfe.

Ja, das lässt sich leider nicht wegdiskutieren. Umso mehr schade ist es, dass nun auch noch der Trachtenverein seine Teilnahme abgesagt hat. Wir werden uns im OK bemühen, wieder jemanden zu finden. Was aber nicht einfach sein wird, denn die Vereinslandschaft, die ursprüngliche Basis des Zibelimärets, hat sich verändert. Aber die Veränderung bietet auch Chancen, zum Beispiel haben die IHC Roadrunners das Marronibraten vom Männerchor übernommen.

Das OK kann aber immer noch mit Oensinger Vereinen rechnen?

Ja, sicher, diese bilden, wie gesagt die Basis. Für die Vereine hat ihr Engagement einen mehrfachen Effekt: Sie leisten einen kulturellen Beitrag ans gesellschaftliche Leben im Dorf und darüber hinaus. Dann stärkt der Einsatz das Vereinsgefühl und schliesslich ist der Zibelimäret für viele Vereine eine unverzichtbare Einnahmequelle.

Mit Speis und Trank lässt sich wohl besser verdienen als mit Zwiebeln.

Es gehört beides dazu, das eine würde ohne das andere nicht funktionieren, das sieht man ja auch bei anderen ähnlich gearteten Märkten. Beim Zibelimäret kommt noch die Oensinger Gewerbeausstellung hinzu, sie bildet nicht nur einen festen Bestandteil des Anlasses, sondern auch eine grosse Bereicherung. Und nicht zu vergessen ist der Lunapark auf dem Rössliplatz.

Der Anlass findet nicht nur auf öffentlichem Raum statt, sondern auch auf privatem. Der Anlass ist laut und dauert bis weit in die Nacht. Gibt es da keine Probleme?

Nein, zum Glück keine nennenswerten. Da muss man allen Anwohner im Unterdorf ein ganz grosses Kompliment machen für ihre Toleranz. Aber auch die Standbetreiber darf man loben, sie verhalten sich im Grossen und Ganzen so, wie man es wünscht.

Es gibt Pläne, wonach ein Teil des Unterdorfs, im Herzstück des Zibelimärets, markant umgestaltet werden soll. Das hätte doch sicher Konsequenzen.

Ja, das ist anzunehmen. Wir beobachten den Planungsverlauf und machen uns dazu unsere Überlegungen. Bis jetzt steht fest: Zibelimäret und Unterdorf gehören zusammen. Aber wir können die Entwicklung von Oensingen nicht aufhalten. Oensingen hat sich verändert und wird sich durch das Wachstum weiter verändern. Da sehen wir es als Aufgabe an, eine stark gewordene Tradition wie der Zibelimäret zu bewahren, so wie er ist.

Nun aber angenommen, der Zibelimäret müsste zügeln: Wo sehen Sie eine Alternative?

Bevor man ans Zügeln denkt, müsste man wissen, was sich wirklich verändert und in welchem Zeitraum. Falls tatsächlich ein neuer Standort gesucht werden müsste, so sehe ich schon Möglichkeiten. Aber darauf möchte ich im Moment nicht eingehen, will nicht unnötig Unruhe stiften.

Noch eine persönliche Frage: Was hat Sie dazu bewogen, das Präsidium für das OK Zibelimäret zu übernehmen?

Ich weiss, auf was ich mich eingelassen habe. Als langjähriges Mitglied des Vogelherdklubs bin ich schon lange mit dem Anlass verbunden. Der VCO ist übrigens einer der Vereine, die Zwiebelzöpfe anbieten. Zudem habe ich Führungserfahrung und bereits im OK mitgearbeitet. Darin sind gute Leute, mit denen zusammen engagiere ich mich gerne für den Zibelimäret, damit er als Tradition erhalten bleibt. In einem so schnell wachsenden Dorf wie Oensingen erscheint mir das sehr wichtig.