Balsthal
Warum diese Solothurner Ärzte einen «Corona-Container» vor ihre Praxis stellen

Ein «Corona-Container» wurde vor dem Ärztehaus Balsthal gestellt. So können Corona-Verdachtsfälle von anderen Patienten getrennt untersucht werden.

Fränzi Zwahlen-Saner
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«Corona-Container» vor dem Ärztehaus Balsthal. Hier werden Corona-Verdachtsfälle von anderen Patienten getrennt untersucht.

«Corona-Container» vor dem Ärztehaus Balsthal. Hier werden Corona-Verdachtsfälle von anderen Patienten getrennt untersucht.

Solothurner Zeitung

Seit Dienstag dieser Woche steht vor dem Ärztehaus Balsthal ein Container des Sanitätsvereins Balsthal. Dazu erklärt Arzt Claudio Cahenzli: «Wir möchten, dass Personen mit Coronavirus-Verdacht nicht im gleichen Warte- und Behandlungsraum sitzen, wie unsere anderen Patienten. Es geht vor allem darum, dass chronisch kranken Menschen möglichst gar nicht in Kontakt mit Corona-Verdachtsfällen kommen.»

Konkret funktioniere so, dass beim Eingang ein Mitarbeiter eine Triage vornehme. Die Patienten werden gefragt, ob sie Symptome wie Husten, Schnupfen oder Atemnot haben. Besteht ein Verdacht, wird ein Test gemacht, die Person nach Hause geschickt und nach 24 Stunden telefonisch über den Bericht informiert. «Ist es ein Corona-Fall, müssen die Leute zuhause bleiben, wie vom Bundesamt für Gesundheit angeordnet.» Ansonsten werden sie aufgrund ihrer Erkrankung behandelt, wie sonst auch. Patienten, die keinen Corona-Verdacht aufweisen, also ihren vorher abgemachten Termin wahrnehmen, werden selbstverständlich bei ihrem Arzt im Ärztehaus behandelt wie immer.

Schutz der Patienten und Ärzte

Das Aufstellen dieses Containers sei aus eigenem Antrieb, aufgrund der Örtlichkeiten installiert worden, so Cahenzli. «Es geht uns natürlich um den Schutz der Patienten, aber auch um unseren eigenen Schutz und um derjenigen unserer Mitarbeiter. Denn wir müssen unseren Betrieb am Laufen halten. Auch wenn nur einer meiner Kollegen für rund zwei Wochen ausfallen würde, wäre das für die Region fatal.» Cahenzli macht damit auf die heute schon angespannte Hausarzt-Situation im Thal aufmerksam.

Nicht jeder Hausarzt kann vor seiner Praxis einen Container aufstellen. Cahenzli weiss von Kollegen: «Eine andere Möglichkeit für eine solche Triage in der Praxis wäre ein seperater Eingang oder ein bestimmtes Zeitfenster für die Untersuchung von Corona-Verdachtsfällen einzurichten. Bei uns geht das aber nicht, da bei uns Patienten nicht nur mit Voranmeldung erscheinen. Vielleicht wollen sie auch bloss ein Medikament abholen.»

Die Reaktionen der Patienten auf die neue Eintrittsregelung im Ärztehaus sei gut. «Ich habe noch keine negative Stimme gehört. Man akzeptiert unsere Massnahmen und findet sie sinnvoll», sagt er. Generell beobachtet der Allgemeinmediziner, dass sich die Bevölkerung sehr vernünftig und verständnisvoll verhalte, dass keine Panik herrsche. «Es kommt auch schon vor, dass Patienten, wo es möglich ist, ihre Termine aus eigenem Antrieb verschieben, um uns zu entlasten», lobt er.

Noch arbeitet er ohne Mundschutz und hält die üblichen Hygiene-Vorschriften ein. «In unserem Container wird aber mit Mundschutz gearbeitet.»

Blockierung des öffentlichen Lebens als Hauptgefahr

Allgemein hält Cahenzli die vom Bund verordneten Massnahmen für richtig: «Den Ansteckungsgrad flach halten und nur langsam entwickeln lassen.» Er selbst habe noch nie eine solche Epidemie miterlebt. «Etwa ähnlich war es 2009 bei der Schweinegrippe, doch hier wurde rasch ein Impfstoff gefunden.
Diesmal sehe ich als Hauptgefahr die Blockierung des öffentlichen Lebens», sagt Cahenzli noch. «Dass sehr viele Personen ausfallen – auch im Gesundheitsbereich – dass die Arbeit nicht mehr bewältigt werden kann. Dramatisch werde es, wenn es viele schwere Fälle gebe, und die vorhandenen Intensivpflegebetten und Medikamente nicht mehr ausreichen würden. Auf die Frage, wie lange uns dieser Virus beschäftigt, sagt er: «Das kann noch bis in den Sommer hinein der Fall sein.»