Gäu
Warum der Verkehr in der Region auch in Zukunft nicht abnehmen wird

Verkehrsplaner, Transporteure und Politiker diskutieren in Oensingen die angespannte Strassensituation in Thal und Gäu. Dabei zeigte sich, das künftig kaum mit einer Besserung zu rechnen ist, zumal sich im Grossraum Gäu immer neue Firmen ansiedeln.

Alois Winiger
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Der grosse Verkehr wälzt sich täglich auch über die Kantonsstrasse ausserhalb von Hägendorf.

Der grosse Verkehr wälzt sich täglich auch über die Kantonsstrasse ausserhalb von Hägendorf.

HR.Aeschbacher

«Wenn der Verkehr auf der A1 zwischen Oensingen und Rothrist stockt, so stockt die Logistik der ganzen Schweiz.» Mit dieser Schlagzeile begrüsste Rolf Stadelmann, Präsident der FDP Thal-Gäu, im Bienken-Saal Oensingen die rund 80 Personen, die dem öffentlichen Podiumsgespräch unter dem Titel «Verkehrschaos Thal-Gäu – wie weiter?» beiwohnten. Das Gäu sei das Logistikzentrum der Schweiz. «Ist der Stau da, so weicht der Verkehr auf die Kantonsstrassen aus, rollt durch die Dörfer am Jurasüdfuss oder via Holzbrücke Fulenbach Richtung Rothrist.»

Optimieren braucht Zeit

An Moderator Rolf Schmid war es nun, den Referenten auf dem Podium zu entlocken, wie sie die Situation sehen. «Wir werden alles daransetzen, den Ausbau der A1 auf sechs Spuren möglichst zügig durchzuziehen», versprach Jürg Röthlisberger, stellvertretender Direktor des Astra. Man wolle auch etwas tun für die Verbesserung der Anschlüsse in Egerkingen und Oensingen, ebenso für die Wildtiere. Aber wenn man alles perfektionieren will, so laufe die Zeit davon. «Man könnte sich auch für die zweitbeste Lösung entscheiden, die dafür schneller realisiert wird.» In diese Richtung zielte Röthlisberger im Verlauf des Anlasses noch mehrfach: Wenn man jedes Projekt nochmals und nochmals optimieren wolle – die Einsprachen noch nicht eingerechnet –, so brauche das eben Zeit. Genau das sei das Mühsame an der Umfahrung Klus, sagte Kantonsrätin Karin Büttler aus Laupersdorf. Seit Jahrzehnten ist man am Planen und Verwerfen, weil das Projekt falsch aufgegleist worden sei. «Jetzt kommen aber doch Lösungen auf den Tisch, weil die Kommunen mit in die Planung einbezogen wurden.»

Peter Eggenschwiler, Präsident Astag Kanton Solothurn und Transportunternehmer, Balsthal, schob nach, man habe bis jetzt zu viel Flickwerk gemacht. «Thal und Gäu müssen mehr zusammenspannen und weniger ideologisch, dafür pragmatisch vorgehen.» Nicht zu vergessen sei, dass Lastwagen immer mit einem Auftrag unterwegs seien im Gegensatz zum Privatverkehr. «Es würde jedem persönlich gut anstehen, einmal sein privates Einkaufs- und Freizeitverhalten zu untersuchen.»

Die Nachtzeit nutzen

In zehn bis zwölf Jahren könnte die Umfahrung Klus gebaut sein, vorausgesetzt, es kommen nicht wieder neue Ideen hinzu, und die Finanzierung sei gesichert, prognostizierte sinngemäss Kantonsingenieur Peter Heiniger. Mit Blick auf Thal und Gäu sei das Problem, wie das überdurchschnittliche Verkehrsaufkommen vom nationalen auf das regionale Strassennetz abgeleitet werden kann. Verkehrsmanagement sei gefragt: «Wie kann der Verkehr flüssig gemacht und die regionalen Strassen besser ausgenutzt werden?» Urs Hauck, Mitglied der Geschäftsleitung Migros-Verteilbetrieb Neuendorf, meinte dazu, er wüsste schon, wie der Verkehr besser verteilt werden könnte: «Die Nachtzeiten nutzen.»

Der Protest kam sofort: «Die Nachtfenster brauchen wir für den Unterhalt», betonte Jürg Röthlisberger. Die Egerkinger Gemeindepräsidentin und Kantonsrätin Johanna Bartholdi verkündete: «Dagegen würden wir uns wehren.» Im Übrigen plädierte auch sie dafür, nicht alles pingelig perfekt haben zu wollen, dafür vorwärtszumachen. Dass es trotzdem Geduld brauche, habe sie einsehen müssen. Immerhin sei die Zusammenarbeit von Gemeinde, Kanton und Astra deutlich besser geworden. Für sie ändert sich aber nichts daran, dass der Verkehr wohl eher noch zunehmen werde, denn zu den Betrieben für Logistik kämen immer mehr solche für Dienstleistungen hinzu. Dem pflichtete nicht nur Urs Hauck von der Migros bei, sondern auch ein Zuhörer aus Härkingen. Er stelle fest, dass in Fulenbach Verteilbetriebe aus dem Boden gestampft würden, und von dort aus ergiesse sich der Verkehr durch Härkingen hindurch zur Autobahn.

«Nichts Neues, aber ...»

Befragt nach dem Fazit des Anlasses, sagte Rosmarie Heiniger, Kantonsrätin und Gemeindepräsidentin von Gänsbrunnen: «Neues habe ich nicht erfahren. Aber man muss halt das Thema immer wieder aufkochen, sonst werden wir in der Region zwischen den Zentren vergessen.»