Ramiswil

Warum Beat Heimweh nach dem Paradies hätte

Die Familie Lisser auf dem Mittleren Passwang: Adrian, Christine, Paul und Beat mit der Kuh Zora

Die Familie Lisser auf dem Mittleren Passwang: Adrian, Christine, Paul und Beat mit der Kuh Zora

Die Familie Lisser-Wüthrich führt in Ramiswil einen Hof. Im Herbst wird jeweils eine grosse Viehschau durchgeführt. In ihren 20 Ehejahren waren Christine und Paul Lisser nur gerade zweimal zwei Tage am Stück weg. Das stört die beiden aber gar nicht.

Seit 1999 findet die mittlerweile viel besuchte Schau der Viehzuchtgenossenschaft Passwang in Ramiswil auf dem Hof von Christine und Paul Lisser-Wüthrich und ihren Söhnen Beat und Adrian statt. Nächsten Mittwoch, 2. Oktober, ist es wieder so weit.

Zehn Tage vor der Schau tragen Lissers Kühe, wenn sie draussen sind, bereits ihre Treicheln. «Das machen wir immer so», erklärt Paul Lisser, «damit sich die Tiere an den Klang und den Halsschmuck gewöhnen. So erschrecken sie am Schautag nicht.» Es ist ein prächtiger Herbstsonntag, die halbe Nordwestschweiz scheint auf den Passwang ausgeflogen zu sein.

Sohn Adrian lacht: «Man könnte fast glauben, heute sei schon Viehschau angesichts der vielen Autos und der Wanderer, die mit dem öV angereist sind.» Seine Mutter Christine fügt an: «Die Ausflügler freuen sich über den Glockenklang und unsere Kühe dienen ihnen bereits jetzt als Fotosujets.» Seit 1999 findet die beliebte und inzwischen weitherum bekannte Viehschau auf dem Hof Mittlerer Passwang von Familie Lisser statt (siehe Text in Rahmen).

Zweimal zwei Tage weg

Christine und Paul Lisser kauften den Hof Mittlerer Passwang im 1998, nachdem sie ihn vorher fünf Jahre gepachtet hatten. Zusammen haben sie das erarbeitet, was sie heute präsentieren können. In ihren 20 Ehejahren waren sie zweimal zwei aufeinanderfolgende Tage fort. Der Ehemann lacht: «Hier haben wir das Paradies; weshalb also in die Ferne schweifen?» Seine Frau ergänzt: «Wir leben an einem Ort, wohin es andere hinzieht in der Freizeit, um sich zu erholen.» Der Beweis dafür sei heute wieder erbracht. Sie betreiben Milchwirtschaft, Viehzucht und Vertragsaufzucht. Sehr am Herzen liegt der Familie die Landschaftspflege.

Ihr Sohn Beat (18) ist im dritten Lehrjahr als Landwirt. Sein erstes Lehrjahr absolvierte er bei Fritz Ramseier, Kyburg-Buchegg, das zweite bei Josef Widmer, Steinhof, und jetzt ist er bei Rudolf Gygax, Oschwand. Er sagt, er habe nie einen anderen Wunsch gehabt, als Bauer zu werden. Seine Eltern hätten ihm vorgelebt, dass es durchaus erstrebenswert sei , Landwirt zu sein. Beat ist ein freundlicher, ruhiger, in sich gekehrter junger Mann. Im Gegensatz zu seinem Bruder Adrian (16), der schon als Schüler auf dem Schauplatz durch seine Kontaktfreudigkeit auffiel. Sein älterer Bruder «beklagte» sich einmal bei den Eltern: «Adrian redet einfach mit allen Leuten.»

Eigentlich wollte der Jüngere auch Bauer werden und es habe Diskussionen gegeben, wie das herauskomme, wenn es deren zwei gebe auf dem Hof. Die Knaben hätten sich dann geeinigt, dass einer fürs Vieh und der andere für die Maschinen zuständig sein werde. Als vor acht Jahren der Kälberschopf erstellt wurde, war Adrian nur noch bei den Zimmermännern anzutreffen. Sein neuer Berufswunsch stand ab da fest: Zimmermann wollte er werden, unter der Bedingung, dass er bei der J. Roth AG Zimmerei in Mümliswil die Lehre absolvieren könne.

Als vor zwei Jahren der Laufstall gebaut wurde, sah man den Jüngeren wiederum nur noch bei seinen «Kollegen». Sein Vater lacht: «Und wir konnten es kaum fassen, dass gerade rechtzeitig eine Lehrstelle frei war bei der Zimmerei Roth und unser Sohne diese auch bekam.»

Beat hätte Heimweh

Eltern und Söhne haben einen engen Zusammenhang. Adrian wohnt daheim und Beat kommt so oft als möglich nach Hause. Die Jungen unterstützen die Eltern bei der Arbeit. Beat verrät, dass er Heimweh hätte, wenn er zu lange fort sein müsste.

Nach dem Lehrabschluss will er trotzdem vorerst auswärts arbeiten, vielleicht sogar ins Ausland gehen. «Meine Eltern sind ja noch viel zu jung, um aufzuhören», lächelt er.

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