Mümliswil

Warum Andy und Marion Haefeli den Gasthof Limmernschlucht aufgeben

Das Wirtepaar Andy und Marion Haefeli-Glanzmann im Speiselokal «Al Burrone».

Das Wirtepaar Andy und Marion Haefeli-Glanzmann im Speiselokal «Al Burrone».

Andy und Marion Haefeli verlassen den Gasthof Limmernschlucht Ende Jahr. Die Bevölkerung bedauert die Schliessung und zeigt auch Unverständnis. «Bis Ende Jahr werden wir alles daransetzen, dass unsere Gäste zufrieden sind», so Andy Häfeli.

Die Aufregung war förmlich spürbar, als bekannt wurde, dass der Gasthof Limmernschlucht Ende Jahr geschlossen wird. Geplant ist, dass der Ramiswiler Bau- und Immobilienunternehmer Paul Fluri das Areal kauft und Wohnungen baut (wir berichteten). Im Dorf machten sich Bedauern und Unverständnis breit. Der Gasthof hat eine lange Tradition.

Gemeindepräsident Kurt Bloch sagte, es gehe ein Stück Kultur verloren, die Schliessung sei gravierender, als wenn ein anderer Betrieb im Dorf dichtmache. Vereinen werde ein Stammlokal entzogen. In den Reihen der CVP Mümliswil-Ramiswil, die mit dem Haus eng verbunden ist, wurde sogar angeregt, man solle vonseiten der Gemeinde etwas unternehmen.

Der Gasthof gehört seit 1953 der Familie Haefeli, aktuell wird er in dritter Generation von Andy und Marion Haefeli-Glanzmann geführt. Ihnen sind die Meinungen und Gerüchte über die Schliessung bekannt. Andy Haefeli nimmt dazu Stellung.

Andy Haefeli, verstehen Sie die Aufregung über die Schliessung?

Andy Haefeli: Natürlich verstehen wir das. Schliesslich geht es um einen Betrieb, der im Dorf tief verwurzelt ist. Was wir weniger gut verstehen, ist die Angst, dass künftig zu wenig Raum für Anlässe zu Verfügung stehen wird.

Ist es denn nicht so?

Seit Jahren beobachten wir, wie die Vereine kleiner werden. Früher gab es Generalversammlungen mit bis zu 120 Personen, heute sind es vielleicht halb so viel. Grosse Feiern für Hochzeit, Geburtstag oder Abschlussessen werden immer häufiger in anderen Einrichtungen abgehalten. Dafür werden in der Region Vereinslokale und sogar ganze Hallen angeboten. Im leerstehenden Schulhaus gäbe es ja auch Möglichkeiten.

Was hat Sie eigentlich dazu bewogen, aufzuhören?

Es ist ja nicht so, dass wir per sofort aufhören müssten, weil uns die Luft ausgeht. Es ist der Blick in die Zukunft, der uns zur Entscheidung brachte. Wir sind uns seit Jahren bewusst, dass die Liegenschaft saniert werden muss. Allein die Investitionen in Lüftung, Gästezimmer, Dach und Gebäudehülle würden unsere finanziellen Mittel sprengen. Der Ertrag vom Betrieb ist einfach zu klein, der Umsatz geht ständig zurück. Die Chancen, eine Bank für eine zusätzlichen Finanzierung zu gewinnen, sind gleich null.

Warum geht der Umsatz zurück?

Lange Zeit lebten wir von einer guten Gästedurchmischung. Znüni, Zmittag und Feierabendbier – mit Zigarette – waren an der Tagesordnung, auch ein Nachtessen mit anschliessender Zigarre. Das ist vorbei. Wir machten den Saal schon ein Jahr vor dem Verbot rauchfrei, in der Hoffnung Nichtraucher oder Familien als zusätzliche Gäste zu gewinnen. Das Gegenteil traf ein, zusammen mit der Promillegrenze mussten wir eine Umsatzeinbusse von gegen dreissig Prozent hinnehmen. Weggefallen sind auch die militärischen Einquartierungen, die in Mümliswil grosse Tradition hatten.

Wie stehts mit dem Tourismus?

Unser Haus steht leider zu sehr abseits der Verkehrsachse. Der Anteil an Gästen, die uns auf der Durchfahrt besuchen, liegt unter fünf Prozent. Gäste von Busunternehmen wären interessant, aber wir sind zu weit von den Verkehrshauptadern weg. Die Reiseprogramme so vollbepackt, dass eine zusätzliche Fahrt von 35 Minuten nicht drin liegt.

Spürt man den Naturpark Thal?

Die Leute vom Naturpark strengen sich wirklich an, namentlich Michael Bur und legt sich ins Zeug für uns Wirte. Aber letztlich ist es doch nur ein Zückerchen, von dem niemand leben kann. Ob sich der Aufwand lohnen wird, bleibt abzuwarten.

Düstere Prognosen also.

Ja, wenn sich hier an diesem Platz die Führung eines Gasthofs langfristig lohnen würde, so hätte sicher einer der vielen Investoren, die wir angegangen sind, Hand geboten. Wir haben die Sache auch mit dem Bau- und Immobilienunternehmer Paul Fluri gründlich angeschaut, der sich ja als Einheimischer gut auskennt. Wir kamen zum Schluss, dass die Umnutzung des Areals für den Wohnungsbau eine vernünftige Lösung ist. Und vor allem ist es eine, die uns jetzt angeboten wird.

Ihre Eltern, Andreas und Helene Haefeli, haben den Betrieb viele Jahre lang geführt. Was sagen sie zum bevorstehenden Ende?

Natürlich tut es ihnen weh. Und doch sind sie froh darüber, dass nun eine Lösung greifbar ist. Denn sie sind erfahren genug, um die Situation realistisch einzuschätzen.

Was werden Sie jetzt tun?

Darum kümmere ich mich in den nächsten Monaten. Vorläufig geht hier der Betrieb weiter. Wir sind froh, dass wir dabei noch auf meine Eltern zählen können. Bis Ende Jahr werden wir alles daransetzen, dass unsere Gäste zufrieden sind.

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