Gunzgen
Walter Röthlisberger ist Gunzgens «Mister Werkhof»

Vorher schon vier Jahre lang Brunnenmeister im Nebenamt, ist Walter Röthlisberger seit 25 Jahren als Anlagenwart für die Gemeinde Gunzgen tätig. «Ich bin vollständig glücklich in meinem Job», sagt er.

Karin Schmid
Drucken
Teilen
Vom Strassenbaupolier zu Gunzgens «Mister Werkhof»: Walter Röthlisberger

Vom Strassenbaupolier zu Gunzgens «Mister Werkhof»: Walter Röthlisberger

Karin Schmid

Wie üblich wurden an der Rechnungsgemeindeversammlung in Gunzgen Ende Mai Gemeindeangestellte mit langjährigen Dienstjubiläen geehrt. Einer davon war Werkhofmitarbeiter/Anlagenwart/Brunnenmeister Walter Röthlisberger.

Röthlisberger war als Strassenbaupolier tätig, als er 1978 aus beruflichen Gründen mit seiner Frau und den beiden kleinen Töchtern aus dem Kanton Bern nach Gunzgen zog. 1984 übernahm er dort das Nebenamt (abends und samstags) als Brunnenmeister. «Damals wurde alles noch im Nebenamt gemacht», erinnert sich Röthlisberger. Drei, vier Jahre später meldete er sich als einer von fünf Kandidaten auf ein Inserat, in dem die erste vollamtliche Stelle als Anlagenwart der Gemeinde Gunzgen ausgeschrieben war – und wurde ausgewählt. Am 1. Mai 1988 begann seine Vollzeitkarriere bei der Gemeinde.

Zu den Aufgaben eines Anlagenwarts gehört laut Röthlisberger alles, was mit Strassenunterhalt, Friedhof und Sportanlagen zu tun hat. Dazu kommt der komplette Winterdienst. «Als ich anfing, hatte die Gemeinde als einziges Fahrzeug einen Einachser, den ‹Rapid› (Kleintransporter von Renault, Anm. Red.).»

Dann begann Röthlisberger mit dem Aufbau des Werkhofs. «Ein Jahr später wurde das erste Gemeindefahrzeug, ein Holder-Traktor, angeschafft. Danach ging die Arbeit viel leichter von der Hand.» Mit den Jahren wuchsen Arbeitsaufwand und Fahrzeugflotte – «wie die Gemeinde», bemerkt Röthlisberger. «Dann kamen das Thema ‹Recycling› und die Robidogs.» Um mehr maschinell erledigen zu können, sei vor gut drei Jahren eine neue Flotte mit Mehrzweckfahrzeug und Toyota-Kipper dazu gekommen.

Walter Röthlisberger «schmiss» den Werkhof 21 Jahre lang alleine. «Als ich vor vier Jahren aus gesundheitlichen Gründen mein Pensum reduzieren musste, stellte die Gemeinde Silvio Probst in einem 50-Prozent-Pensum an – einen tiptoppen Mann». Eine glückliche Lösung, wie Röthlisberger findet. Anfang der Neunzigerjahre wurde das Nebenamt des Brunnenmeisters in den Werkhof integriert. «Die Arbeit wurde einfach zu viel im Nebenamt.»

Zu Beginn habe er «noch die Mehrzweckhalle unter mir gehabt. Als der junge Abwart dies übernahm, hatte ich genug Kapazität, um das Wasser zu übernehmen.» Sein Vorteil: Die Gemeinde Gunzgen bezieht das Wasser vom Zweckverband der Wasserversorgung Untergäu. «Ich war also von Anfang an nur für das Leitungs- und das Löschwassernetz zuständig, für die Wasserqualität nicht.»

Mehr Winterdienst

In letzter Zeit habe der Winterdienst extrem zugenommen, sagt der 63-Jährige. «Durch die neue Erschliessung der Industriestrasse gab es mehr Verkehr, und zur Sicherheit wurde mehr gesalzen.» Ansonsten habe sich arbeitsmässig «nicht so wahnsinnig viel» verändert in seinem Job. Durch die Bautätigkeit seien mehr Häuser dazugekommen, was mit mehr Arbeit verbunden gewesen sei.

Ebenfalls leicht zunehmend ist der Aufwand laut Röthlisberger, wenn es um die Weihnachtsbeleuchtung und den Gewässerunterhalt geht. Eine Erleichterung gabs beim Wasserablesen dank Funkablesesystem. «Damit muss ich dafür nicht mehr in die Häuser gehen. Allerdings ging damit auch ein Stück Kontakt mit den Einwohnern verloren», bedauert Röthlisberger. «Vorher habe ich vor allem mit den älteren ein Schwätzchen gehalten und ein offenes Ohr für ihre Sörgelchen gehabt. Die Leute finden es schade, dass ich nicht mehr vorbei komme. Ansonsten ist die Bevölkerung verständnisvoll. Unsere Arbeit wird geschätzt.»

Zu Beginn habe es ihn gereizt, «etwas von Anfang an aufbauen zu können». Von der Arbeit und der Einteilung her bedeute die Tätigkeit «draussen mehr oder weniger die totale Selbständigkeit. Das ist viel wert». Dazu gefällt Walter Röthlisberger in seinem Job auch besonders der – trotz Funkablesung immer noch vorhandene – Kontakt mit der Bevölkerung, den er beispielsweise bei der Pflege der Bushaltestellenhäuschen oder dem Strassenputzen pflegen kann. «Es ist schön, wenn man auf dem Friedhof arbeitet und die Leute einen sagen, wie schön das, was man tut, sei. Diese Anerkennung stellt einen auf.»

Man müsse sich bewusst sein, dass man als Werkhofmitarbeiter «zum Teil ganz unregelmässige Arbeitszeiten hat», stellt der Vater von zwei erwachsenen Töchtern und Grossvater von sieben Enkelkindern klar. «Doch das weiss man von Anfang an.» Glücklicherweise habe das Werkhofteam «einen sehr guten Kontakt zum Gemeinderat. Dadurch werden ‹gute› Wünsche, wenn wir welche haben, immer erfüllt.»

Er habe nie an einen Stellenwechsel gedacht, sagt Walter Röthlisberger. «Ich habe auch nie bereut, die Privatwirtschaft verlassen zu haben. Als ich mein Pensum reduzieren musste, war die Unterstützung und Rückenstärkung der Gemeinde riesig. In der Privatwirtschaft wäre eine solche Reduktion nie akzeptiert worden.»

Es gebe nichts, was ihm nicht so gut gefalle, sagt der Anlagenwart und Brunnenmeister, der als Hobbies Motorradfahren, Männerriege und Haus angibt. «Ich bin vollständig zufrieden und glücklich in meinem Job.» Bis zu seiner Pensionierung in zwei Jahren wünscht sich Walter Röthlisberger, dass «meine Gesundheit so bleibt, wie sie ist, und ich bei der Arbeit so weiter machen kann wie bisher.»