Theatergruppe Papillon
«Waldeslust» macht sich breit

Im Juli des vergangenen Jahres erhielten die Bewohner des Alters- und Pflegeheims Inseli in Balsthal eine Einladung der besonderen Art. Nun erntete die Theatergruppe «Papillon» Applaus und Anerkennung.

Peter Wetzel
Merken
Drucken
Teilen
Kleine Alltagsgegenstände entlockten ihnen amüsante Geschichten (v.l.): Cornelia Häfeli, Frieda Berger und Rita Eggenschwiler.

Kleine Alltagsgegenstände entlockten ihnen amüsante Geschichten (v.l.): Cornelia Häfeli, Frieda Berger und Rita Eggenschwiler.

Peter Wetzel

«Liebe Seniorinnen, liebe Senioren, ich lade Sie ein, im Schatz der Erinnerungen zu wühlen, Geschichten aus dem Leben zu erzählen, zu fantasieren, Theater zu spielen.» Diese Einladung stammte von Renate von Rickenbach, die im Rahmen ihrer Diplomarbeit zur Theaterpädagogin ihr erstes Theaterprojekt planen und durchführen wollte.

Vorerst waren vier Schnupperproben angesagt, um sich gegenseitig kennen zu lernen und sich langsam an das Projekt heranzutasten. Wichtig in dieser Phase war für die Initiantin die Zusammenarbeit mit den Aktivierungstherapeutinnen Jeanette Eggenschwiler und Yvonne Frei. Es kristallisierte sich eine Theatergruppe von sieben Personen heraus: Rosa Wyss, Bertha Hänzi, Frieda Berger, Rita Eggenschwiler, Josef Allemann, Cornelia Häfeli und Paul Heutschi. Sehr wichtig für das Gelingen des Theaterprojekts war auch die musikalische Begleitung durch Nadja Urben (Klavier, Gitarre).

Renate von Rickenbach

«Freude und Ausstrahlung haben berührt»

Alte Menschen mit ihren reichen Lebenserfahrungen faszinieren mich besonders und ich darf sagen, dass ich einen guten Zugang zu ihnen habe», bemerkte Renate von Rickenbach aus Oensingen zu ihrer Arbeit mit der Balsthaler Theatergruppe. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit zur Theaterpädagogin realisiert sie in Balsthal ihr erstes Theaterprojekt mit Senioren. Leuten in diesem Alter dürfe man nicht einfach ein fertiges Stück überstülpen. «Meine Erfahrungen aus der Zeit beim Mitspielzirkus Pipistrello haben mir bei dieser Arbeit sehr geholfen.» Das ständige Improvisieren gebe dem Geschehen auf der Bühne eine gewisse Lebendigkeit. Renate von Rickenbach ist überzeugt: «Das Projekt «Waldeslust» hat unter anderem durch die Freude und Ausstrahlung der Theaterspielenden berührt.» Bei einem richtigen Lagerfeuer im Wald soll mit allen Beteiligten das Projekt abgeschlossen werden. (pwb)

Rund 30 Proben waren nötig

Ende August ging es dann los mit den Proben. Bis zu den Aufführungen Ende März dieses Jahres waren es etwa deren dreissig. Von Rickenbach erklärte, dass das Stück wie ein Blumenstrauss, wie ein Mosaik zu einer Collage zusammengesetzt worden sei. Innerhalb des festgesetzten Rahmens hätten die Schauspielenden viel Gestaltungsfreiheit gehabt. Das Gebotene sah deshalb nie genau gleich aus. Diese Art zu arbeiten verlange eine sehr grosse Flexibilität, so von Rickenbach. Grundthema sei das «Träumen» gewesen. Im Laufe der Proben sei dann der Titel «Waldeslust» entstanden. Die meisten Szenen spielten sich tatsächlich im Wald ab. So erschien zum Beispiel zu Beginn der Aufführung eine Wandergruppe, welche von einem Aussichtspunkt aus mit einem Feldstecher in die Ferne guckte und ihre Eindrücke beschrieb.

Erinnerungen am Lagerfeuer

Wenn man sich schon im Wald befand, durfte natürlich auch das Thema «Jagd» nicht fehlen. Dieses wurde mit einem Jägerlied und mit einer Bildergeschichte dargestellt, pantomimisch umgesetzt von zwei Mitwirkenden. Zu einer Wanderung gehörte auch das Verweilen an einem Lagerfeuer. Hier wurden Erinnerungen, welche mit einem bestimmten Gegenstand in Verbindung gebracht wurden, ausgetauscht. Ein plötzlich auftauchender Schmetterling, der von Wanderer zu Wanderer gaukelte, entlockte diesen allerlei Wünsche und Hoffnungen. Aufgelockert wurden die Aufführungen durch musikalische Zwischenspiele. Heimbewohner, Angehörige und das Pflegepersonal waren begeistert von den zwei Aufführungen im vollbesetzten Mehrzweckraum des Pflegeheims und dankten dem Theaterteam mit grossem anerkennendem Applaus.