1. August in Egerkingen

Wahrheit oder Lügen: Gemeindepräsidentin redet Bürgern ins Gewissen

Johanna Bartholdi sprach in ihrer Festrede an der 1.-August-Feier in Egerkingen über das Thema Wahrheit. Und sie gab den Gästen auch einen Tipp mit auf den Weg.

Sonniges Wetter und ein ausgiebiges Brunch-Buffet mit kalter Platte, Marmelade und Kaffee: Die Voraussetzungen für eine gelungene Bundesfeier in Egerkingen waren gegeben. Über 250 Einwohner und Einwohnerinnen von Egerkingen versammelten sich auf dem Platz vor dem Mühlemattschulhaus, die Stimmung war fröhlich.

Die Alphornbläser Oensingen sorgten für die musikalische Unterhaltung, bevor sie an ihren nächsten Auftritt weiterzogen. Ausserdem trat der Egerkinger Adam-Brian Nützi mit einer Breakdance-Performance auf. «Wir könnten ihn ja mal in den Gemeinderat für eine Breakdance-Lektion einladen», kommentierte Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi seinen Auftritt. «Das würde bestimmt lustig aussehen.»

«Wahrheit ist immer subjektiv»

Unterhaltsam war auch die Festrede, die die Gemeindepräsidentin selbst hielt. Darin befasste sich Bartholdi mit dem Thema Wahrheit. «Wahrheit ist immer subjektiv», stellte sie fest. Nicht für jede Person könne dasselbe wahr sein – für einige könnten die knapp 25 Grad Aussentemperatur zu warm sein, für andere zu kalt. Besonders zu lachen gaben ihre Ausführungen zum Thema Lügen, das sich für Frauen und Männer unterscheide.

Zwischendurch sprach sie jedoch auch ernstere Themen an. So definierte sie drei Probleme, die es heutzutage schwierig machen, die Wahrheit zu erkennen: Erstens, dass die Welt mittlerweile zwischen den Extremen schwanke, etwa zwischen Globalisierung und aufstrebendem Nationalismus. Zweitens, dass die digitalen Medien die frühere Ordnung aufgeweicht hätten. «Der normale Mensch hat es erst mit der Todesanzeige in die Zeitung geschafft», beschrieb sie einen Unterschied zu früher.

Ihr Tipp: vermeintliche Wahrheiten hinterfragen

Als Letztes stellte sie fest, dass der Begriff Wahrheit schwer zu definieren sei. Als Beispiel erwähnte sie die Wasserqualität: «Seit dem 19. Juli wissen wir, dass wir ein Problem mit Chlorothalonil-Sulfonsäure haben.» Zwar wahrscheinlich schon seit 1950, aber vorher war dies nicht messbar gewesen. «Sind wir nun angelogen worden?» Sie gab den Tipp, vermeintliche Wahrheiten immer zu hinterfragen und sich daran zu gewöhnen, dass es nicht nur eine in Stein gemeisselte Wahrheit geben kann. «Im Wein liegt die Wahrheit und im Wasser die Chlorothalonil-Sulfonsäure», resümierte Bartholdi.

Als Dank an die Musikgesellschaft Konkordia, die den kulinarischen Teil des Brunchs organisiert hatte, teilte Bartholdi die Anwesenden in drei Gruppen. Die erste Gruppe sollte Zischgeräusche machen, die zweite den Lärm von Explosionen imitieren und die dritte Gruppe staunende Laute von sich geben. Zusammengesetzt klang dies nach einer gemeinschaftlichen Rakete, die die Egerkinger zündeten und bestaunten. Nicht fehlen durfte das gemeinsame Singen der Nationalhymne. Anschliessend ging die Festwirtschaft weiter.

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