Balsthaler Gemeindepräsident

Wahlkampf ohne Kampf in Balsthal – wie soll denn das gehen?

Ab jetzt dreht sich in Balsthal vieles um die Kandidatur. Bruno Kissling

Ab jetzt dreht sich in Balsthal vieles um die Kandidatur. Bruno Kissling

Enzo Cessotto, Fabian Müller und Roland Stampfli wollen Gemeindepräsident von Balsthal werden. Ob noch jemand dazu stösst ist noch nicht klar. Die FDP will derweil «nicht auf den Mann spielen.»

Verdächtig ruhig war es, nachdem Gemeindepräsident Willy Hafner angekündigt hatte, er werde nach 12 Jahren Amtszeit nicht mehr zur Wahl antreten. Umso mehr freut er sich nun, dass sich drei bestandene Männer um das Amt bewerben und sich somit eine richtige Wahl entwickeln kann: «Das zeigt doch, dass das Amt etwas wert ist.»

«Nicht einfach so»

Am Dienstag hat Fabian Müller von der SP seine Kandidatur offiziell angekündigt. Er ist mit Enzo Cessotto (FDP) und Roland Stampfli (unabhängig) der dritte im Bunde. Wer weiss, vielleicht kommt noch jemand dazu, die SVP jedenfalls ist noch am Überlegen. Und die CVP? Überlässt sie nach drei Legislaturen das Feld einfach so den anderen Parteien? «Nicht einfach so», widerspricht Willy Hafner, der bis auf weiteres zusammen mit Jörg Hafner die örtliche CVP präsidiert. «Wir haben drei neu gewählte Personen im Gemeinderat. (Philippe Ebener ist erst seit März im Rat, Anm. der Red.) Da muss man schon gut überlegen, wie gut sich das mit einer Kandidatur fürs Gemeindepräsidium verträgt.»

Noch nie da gewesen

Die Dreierkandidatur stellt eine Situation dar, wie sie Balsthal seit Menschengedenken nicht erlebt hat. Jahrzehntelang war das Gemeindepräsidium sicher in FDP-Hand. Auch 2001 stand mit Enzo Cessotto einer aus ihren Reihen bereit, doch da kam die Wende. Die CVP stellte Willy Hafner auf und dieser überflügelte Cessotto.

Nun sieht Cessotto, Kantonsrat und seit 16 Jahren im Gemeinderat und zeitweise Gemeindevizepräsident, seine Zeit gekommen: «Ich habe das beste Resultat erreicht bei den Gemeinderatswahlen. Dieses Zeichen ist deutlich genug, dass meine Arbeit und auch meine Person geschätzt wird», sagte er am Wahlsonntag. FDP-Präsident André Schaad kann dem nur beistimmen: «Genau das ist der Punkt, warum die FDP voll hinter Cessotto steht. Und eben nicht nur die Partei, wie die Abstimmung gezeigt hat, sondern auch Leute über alle Parteigrenzen hinweg.»

Jeder der drei Kandidaten zollt dem anderen Respekt, wie sich im Gespräch herausstellt. Man kennt sich bestens. Alle drei versichern, dass sie an einem fairen Wahlkampf interessiert sind, wobei Kampf vielleicht nicht ganz das richtige Wort sei, man sehe es eher in Richtung kräftiger Propaganda.

«Meinungen gehen meilenweit auseinander»

«In Balsthal haben wir seit Jahren eine politische Kultur, die es zulässt, dass Meinungen zum Teil meilenweit auseinandergehen», sagt FDP-Präsident André Schaad. Wenn nötig, werde hart diskutiert, aber mit Respekt. So soll es auch im Vorfeld der Wahlen sein. «Wir werden ganz sicher nicht auf den Mann spielen.» Wie soll das gehen? Schliesslich gelten Wahlen fürs Gemeindepräsidium allgemein als Kopfwahlen. «Auch da haben wir gute Karten», sagt Schaad. «Enzo Cessotto kennt man, und er selber kennt sehr viele Leute in verschiedensten Gremien und Gebieten. Er ist ja nicht nur in der Gemeinde tätig, sondern auch regional und im Kantonsrat.» Insgesamt habe Cessotto von allen dreien den grössten politischen Rucksack. Wie die Wahlpropaganda konkret aussehen soll, darauf habe man sich noch nicht festgelegt. Ein öffentlich geführtes Podiumsgespräch mit allen dreien könnte sich Schaad sehr gut vorstellen.

«Ja, an so einem Podium würde ich auch sehr gerne teilnehmen», sagt Roland Stampfli spontan. Er, der sich vergangene Woche für eine Kandidatur angemeldet hat, jedoch ohne sich einer Partei anzuschliessen (wir berichteten). Ansonsten sei er jetzt daran, die Wahlpropaganda vorzubereiten.

Fabian Müller von der SP hatte vor den Gemeinderatswahlen Interesse am Präsidium angekündigt. Doch die Wahlen gingen für die SP nicht so gut aus. Nur Müller konnte den Sitz halten. Dies allerdings mit einem guten Resultat. «Und erst noch mit den meisten Stimmen von parteiungebundenen Wählern», betont Müller. Dies und die Gewissheit, dass er auch von anderen Parteien unterstützt werde, habe ihn und den Parteivorstand bewogen, die Kandidatur fürs Gemeindepräsidium anzumelden.

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