Egerkingen
Waffen gibt es an der Auktion schon ab 50 Franken

Wer bietet mehr? Besuch an der Waffenauktion in Egerkingen, wo am Samstag rund 300 Waffen unter den Hammer kamen.

Lucien Fluri
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Waffen zu sammeln, ist ihre Leidenschaft – und ihr Einkommen: Thomas (l.) und Ronald Schneller stehen in ihrem Laden in Härkingen vor einem Teil der Waffen, die gestern versteigert wurden.

Waffen zu sammeln, ist ihre Leidenschaft – und ihr Einkommen: Thomas (l.) und Ronald Schneller stehen in ihrem Laden in Härkingen vor einem Teil der Waffen, die gestern versteigert wurden.

BRUNO KISSLING

Bei Los Nummer 6 geht die Post ab. Bieterduell. 150 Franken, 160, 170. Erst bei 260 Franken fällt der Hammer für das Gewehr aus den 1870er-Jahren.

Gestern Samstagmorgen. Ein unscheinbarer Saal im Egerkinger Mövenpick-Hotel. Gegen 100 Männer stehen schon Minuten, bevor die Türen öffnen, vor dem Saal. Sammler, Büchsenmacher, Waffennarren, Händler. Sie warten, bis kurz nach 9.30 Uhr die ersten Waffen versteigert werden. Im Publikum sind viele junge Gesichter. Keine zehn Sekunden geht es, dann hat Auktionator Thomas Schneller (22) das erste Los verkauft. 250 Franken bringt die Sport-Armbrust aus den 1960er-Jahren. Zum Ersten, zum Zweiten . . . Es geht rasch vorwärts. Für Hunderte Waffen wird Auktionator Schneller an diesem Morgen einen neuen Käufer finden. Gewehre, Pistolen, Revolver, Karabiner. Aus der ganzen Welt sind Sammler über das Internet zugeschaltet. Viel Geld braucht nicht, wer eine Waffe kaufen will: Ab 50 Franken Startgebot ist man dabei.

Waffen in Reih und Glied: Für das Foto wurde die Sicherheitskette entfernt.

Waffen in Reih und Glied: Für das Foto wurde die Sicherheitskette entfernt.

BRUNO KISSLING

Freitag, der Tag vor der Auktion. In einem unscheinbaren Industriegebäude in Härkingen sind die angebotenen Waffen fein säuberlich zur Auktionsvorbesichtigung aufgereiht. Es ist das Waffenhandelsgeschäft von Thomas (22) und Ronald Schneller (53). Die Fenster sind mit massiven Gittern gesichert. Einbrecher sollen hier keine Chance haben. «Die Polizei ist schnell da», weiss Thomas Schneller dank eines Fehlalarms. Der Gäuer ist erst 22, doch bereits tüchtig im Geschäft. Schon während seiner Lehre als Polymech hat er mit seinem Vater Ronald begonnen, das Geschäft aufzubauen. Die Leidenschaft ging vom Vater, der zuerst nur hobbymässig sammelte, auf den Sohn über. Heute führen sie nicht nur den regulären Laden, sondern als zweite Firma noch das Waffenauktionshaus. Zwei bis drei Auktionen gibt es pro Jahr.

Eigentlich ein Museologe

Waffenhändler: Das Wort löst sofort vorgeprägte Bilder aus. Doch weder Thomas noch Ronald Schneller erfüllen das Klischee. Beide tragen Anzug und Krawatte. Sie reden offen über ihr Geschäft. Vater Schneller hat ein ansteckendes Lachen und vorne auf der Nase eine Brille, die ihn ein wenig wie einen Forscher aussehen lässt. Tatsächlich hat der 53-jährige schweizerisch-kanadische Doppelbürger einst Psychologie und Museologie studiert. Beides helfe ihm heute im Job, sagt er. Akribisch recherchiert er für den Auktionskatalog, wann eine Waffe hergestellt wurde und ob sie vielleicht Besonderheiten aufweist. Und der Psychologe? Schneller erwähnt den krebskranken Sammler, der seinen Besitz noch regeln will, bevor er stirbt. Und ab und zu erhalten Vater und Sohn Telefonate von Erbengemeinschaften, die nicht genau wissen, was sie mit den gefundenen, vielleicht nicht registrierten Erbstücken tun sollen. Sie erledigen dann alles.

Schätzpreis: Ab 6000 Franken. Es handelt sich um Prototypen aus dem 19. Jh.

Schätzpreis: Ab 6000 Franken. Es handelt sich um Prototypen aus dem 19. Jh.

BRUNO KISSLING

Nur fast wie Oldtimer

Wenn Ronald und Thomas Schneller über die Waffen in ihrem Laden sprechen, dann hat man nicht das Gefühl, dass es um Instrumente geht, die Leben beenden können. Die beiden sprechen nicht anders über die Waffen als ein Oldtimerhändler über seine Autos. Es geht um die Faszination Technik, um die Sammelleidenschaft an sich. Doch ganz so einfach wie einen Oldtimer kann keiner eine Waffe kaufen: Je nach Modell und gesetzlicher Vorschrift muss der Käufer entweder einen Waffenerwerbsschein oder einen Strafregisterauszug vorweisen. In einem Vertrag wird die Handänderung festgehalten und den Behörden mitgeteilt. An serbische, kosovarische oder türkische Staatsangehörige darf Schneller keine Waffen verkaufen. So sieht es das Gesetz in der Schweiz vor. Es schränkt den Waffenerwerb für acht Nationalitäten ein.

Blick in den Auktionssaal gestern Samstag. Von den Waffen sind nur Bilder da.

Blick in den Auktionssaal gestern Samstag. Von den Waffen sind nur Bilder da.

Gibt es Waffen, die der Auktionator ausschlägt, da sie sich kaum verkaufen lassen? Nein, sagt Ronald Schneller. Er versteht dies auch als Sicherheitsdienst an der Öffentlichkeit. «Wenn wir die Waffen nicht anbieten, werden sie vielleicht verschenkt oder anderweitig verkauft.» Und so finden sich bereits Stücke für 50 Franken im Katalog, es geht aber auch bis 6000 Franken oder mehr für einzelne Sammlerstücke. Gerade bei den Schweizer Ordonnanzgewehren seien die Preise stark gesunken, der Zeitpunkt zum Einsteigen sei günstig, meint der Fachmann. Die Auktionatoren erhalten 20 Prozent des Kaufpreises. «Du kannst nie voraussagen, welchen Preis eine Waffe erzielt», sagt Ronald Schneller. Am Ende aber, nach dem zweiwöchigen Nachverkauf, werden rund 90 Prozent der Angebote verkauft sein, das ist die Erfahrung aus früheren Auktionen.

Polizei ist informiert

Fünf Teilzeitmitarbeiter arbeiten für eine Auktion mit. Denn der Aufwand ist gross. Ganz genau werden der Waffentyp und die Seriennummer bei der Einlieferung festgehalten und der Polizei gemeldet, ebenso die Personaldaten des Verkäufers. «Ich war monatelang nur am Registrieren», sagt Ronald Schneller. Trotz des hohen Aufwandes lässt er keinen Zweifel aufkommen, dass er die gesetzlichen Vorschriften für richtig hält. «Das muss sein. Einen anonymen Waffenhandel gibt es nicht.»

Reut es die beiden Sammler manchmal nicht, wenn sie gesuchte Stücke verkaufen, die sich auch in ihrer Sammlung gut machen würden? Ronald Schneller lacht. Doch, doch. Aber es gehöre sich für Auktionatoren nicht, selbst zu bieten. Schneller senior sammelt Waffen aus der Zeit vor 1900. Man könnte mit ihnen noch schiessen, sagt Schneller. Doch die meisten Sammler würden das nicht tun.

Es ist kurz vor 10 Uhr am Samstagmorgen und in Egerkingen fällt nun bei 1000 Franken der Hammer: Ein deutscher Brustpanzer aus dem Ersten Weltkrieg; damals getragen
von Maschinengewehr-Scharfschützen und Befestigungswachen, ist verkauft. Im November werden Thomas und Ronald Schneller noch eine Auktion mit Waffen aus dem Mittelalter durchführen. Nächstes Jahr wollen die beiden Unternehmer ein neues Domizil in der Region beziehen. Dort soll es dann genügend Platz haben, damit die Auktion in ihren Räumen stattfinden kann.