«Wer nicht wagt, der nicht gewinnt», dachte sich unsere Autorin, und statt die Piccolo-Schnupperstunde der «Tambouren Mümliswil-Ramiswil» nur zu beobachten, machte sie gleich selbst mit. Zu dieser lud die frisch gegründete Pfeifertruppe im Schulhaus Reckholder in Mümliswil ein.

«Vorwärts marsch!», lautet das Kommando von Leiterin Rahel Bischofberger. Daraufhin beginnt die kleine Piccolo-Truppe die Tonleiter zu spielen. «Wow, das ist wirklich sehr laut, wenn sechs Piccolo spielen», denke ich mir und halte mir erst die Ohren zu. «Am besten ist es, wenn ihr gerade steht und den Bauch sowie den Po anspannt», erklärt die zweite Leiterin Tina Bolliger. Und um die Töne richtig zu spielen, soll man sich vorstellen einen «Chirsistei» auszuspucken – in Bildern denken hilft. Beim Marsch «Spitzbueb» weisen die Leiterinnen an, die breiten Töne auch wirklich breit mit viel Gewicht zu spielen. Nun ist es an mir, es zu versuchen. Offen gesagt, bin ich etwas skeptisch, da ich unmusikalisch bin und auch kein grosser Fan der Piccoloflöte bin. «Was nicht ist, kann ja noch werden», denke ich mir. Es bleibt beim Pusten, als ich es versuche. Feingefühl ist gefragt, um den richtigen Lippenansatz zu finden – die sogenannte Kante. Ich soll die Lippen so formen, wie wenn ich bei einer Glasflasche reinpusten will. Nach mehreren Versuchen und immer wieder neuem Ansetzen an der Kante erklingt der erste schrille Ton.

«Muss das so klingen?», frage ich verwundert. Ja, das Basler Piccolo sei – im Gegensatz zum klassischen – in der Intonation nicht ganz sauber, da es ursprünglich ein Strasseninstrument sei. Nach meinem ersten kleinen Erfolg versuche ich es weiter und wage mich bald an die Tonleiter. Das macht Spass.

Geduld ist eine Tugend

Die Tambouren im Guldental leisten schon seit über 40 Jahren einen wichtigen Beitrag zur hiesigen Dorfkultur und zur Fasnacht. Damals noch unter dem Namen «Naserümpfer», wurde der Verein 2010 umstrukturiert und in «Tambouren Mümliswil-Ramiswil» umbenannt. Seither wird die Jugendförderung grossgeschrieben. Nebst 14 Aktivmitgliedern gehören 24 Jungtambouren dazu – darunter auch Claudio. «Ich sagte meinem Sohn, wenn er mal gut trommeln könne, würde ich ihn mit dem Piccolo begleiten», erzählt Nadja Hackel – Mutter von Claudio – lachend. Es sei schon seit geraumer Zeit ein grosser Traum von ihr, Piccolo zu spielen. So startete die Mümliswilerin gemeinsam mit einer weiteren Mutter einer Jungtambourin die Initiative, eine Pfeiferschule zu gründen. «Aller Anfang ist schwer. Es braucht Geduld bis man ein Gefühl für das Instrument entwickelt und einen Ton rauskriegt», erinnert sich Nadja Hackel. Eine Pfeiferin sei kurz davor gewesen, das Piccolo wieder an den Nagel zu hängen. Doch durch das gemeinsame Üben ausserhalb der offiziellen Stunde klappte es und das Erfolgserlebnis motivierte sie zum Weitermachen.

Nicht nur Spass

Geleitet wird die Gruppe von zwei jungen, jedoch erfahrenen Leiterinnen: die 23-jährige Rahel Bischofberger und die 21-jährige Tina Bolliger, die beide bei der Clique Halbmond aus Frenkendorf mitmachen. Wichtig sei der Spass, was in der Gruppe auch zu spüren ist. «Wir arbeiten auch auf bestimmte Ziele hin und nehmen zum Beispiel im nächsten Januar an einem Wettspiel in Liestal teil. Als nächster grosser Meilenstein stehe das Zentralschweizerische Tambouren- und Pfeiferfest in Kirchberg an», erklären die beiden, die seit Kindertagen Piccolo spielen. «Und wir wollen an der nächsten Dorffasnacht heftiger mitmachen», ergänzt Nadja Hackel. Anlässe motivieren, dranzubleiben, zu üben und besser zu werden. «Es wäre schon toll, mal aktiv an der Fasnacht mitzumachen, vielleicht sogar mal am Morgestraich», schwärme ich vor mich hin und lasse mir das Piccolo für zu Hause mitgeben. Was nicht ist, kann noch werden.

Für weitere Informationen: www.tambouren-muemliswil-ramiswil.ch. Probestunde, mittwochs um 20 Uhr nach den Sommerferien.