In Abständen von fünf Jahren organisiert die Bürgergemeinde einen Waldgang. Dieses Jahr war es wieder soweit und Bürgerpräsident Urs Räber konnte an einem sonnigen Samstagnachmittag etwa 100 interessierte Personen sowie einige Gäste aus den umliegenden Bürgergemeinden begrüssen. Die Leitung des Waldgangs oblag Revierförster Reto Müller, Wolfwil, der zusammen mit Forstunternehmern, welche im Wolfwiler Wald diverse Arbeiten verrichten, im Eichbännli ein interessantes Programm zusammengestellt hatte.

700 Hektaren grosser Wald

Reto Müller ist seit drei Jahren zuständig für das Forstrevier «Oberes Gäu», bestehend aus den Bürgergemeinden Kestenholz, Niederbuchsiten, Wolfwil und dem Staatswald Buchbann. Bewirtschaftet werden insgesamt 700 Hektaren Wald. Es wird hauptsächlich Holz auf Bestellung geschlagen und für Hackschnitzel. Alle Arbeiten und Durchforstungen werden durch externe Forstunternehmen durchgeführt.

Die erste Demonstration, welche die interessierten Waldgänger verfolgen konnten, war das Aufschneiden eines Waldrandes. Diese Arbeit musste früher mühsam von Hand gemacht werden. Ab einer gewissen Höhe sogar mit einer Leiter und Seilsicherung. Heute geschieht dies mit einer Maschine und bis zu einer Höhe von 4,50 Metern. Das Schnittgut kann mit der gleichen Maschine gemulcht und im Innern des Waldes verteilt werden. So erreicht man einen gut aufgesägten Waldrand und eine gute Befahrbarkeit der Strasse.


Was Zeichen an Bäumen bedeuten

Beim nächsten Posten kam Reto Müller auf eine am Anfang des Rundgangs gestellte Frage zurück. Es wurde nach der Bedeutung der Zeichen an den Bäumen gefragt. Alle weiss gezeichneten Bäume gehören zu einer Altholzinsel. Diese Bäume werden nicht genutzt und werden über lange Jahre so stehen gelassen. Die Bürgergemeinde wird dafür vom Kanton mit einem jährlichen Beitrag abgegolten.


Die anderen Zeichen dienen dem Forstunternehmer der nächsten Demonstration für die maschinelle Holzernte. Alle rot gezeichneten Bäume (diagonaler Strich) werden gefällt. Die blauen Zeichen (horizontaler Strich) markieren die Fahrgasse für den Vollernter. Diese sind in Abständen von 25 Metern angelegt, damit er mit seinem Kran die Bäume greifen und fällen kann. In einem Arbeitsgang werden die Bäume ergriffen, unten abgesägt, entastet und auf die gewünschte Länge zugeschnitten. Diese Arbeitsgänge können von der Kabine aus Computer gesteuert ausgeführt werden. Bis zu einem Durchmesser von 62 Zentimeter und einer Reichweite von 10 Metern können mit diesem Vollernter Bäume gefällt werden.


Eschenwelke bedroht Bestände

Alsdann orientierte Reto Müller über eine Sicherheitsholzerei an der Kantonsstrasse. Dieser Waldabschnitt ist zum grossen Teil mit Eschen bestückt. Diese kranken, von der Eschenwelke befallenen Bäume, sind eine Gefahr und müssen somit gefällt werden. Die Eschenwelke wurde ursprünglich von Japan über Osteuropa bis in unsere Gegend eingeschleppt und vernichtet den grössten Teil des Eschen-Bestandes. Nur ein ganz kleiner Teil wird diese Krankheit überleben. Da es um eine Sicherheitsholzerei an der Kantonsstrasse handelt, wird sich der Kanton an den Kosten mitbeteiligen.


Am Schluss des Rundgangs stellte Reto Müller drei Baumarten vor, welche die Esche in nächster Zeit ersetzten könnte. Er stellte drei Baumarten vor. So etwa der Hickory-Baum, ein Walnussgewächsaus Nordamerika und Ostasien, aber auch in Europa nachgewiesen ist. Ebenfalls aus Amerika stammt der Tulpenbaum, wird aber schon seit dem Mittelalter auch in Europa angepflanzt. Der Hasel-Baum ist in Südosteuropa beheimatet. Die Nüsse sind essbar und werden gerne zum Backen verwendet. In den drei zum Forstrevier gehörenden Gemeinden wurden je zehn dieser Baumarten gepflanzt. Ob sich diese neuen Bäume eignen, wird man im Verlauf der nächsten 10 bis 15 Jahren erfahren.