Thal-Gäu

Von «unproblematisch» bis «ungewiss»: die aktuelle Lage bei Landwirten in der Region

Ungewöhnliche Ruhe auf dem Schlatthof in Wolfwil: Das Hofbeizli etwa ist geschlossen. An Arbeitskräften für die Feldarbeit fehlt es allerdings (noch) nicht.

Ungewöhnliche Ruhe auf dem Schlatthof in Wolfwil: Das Hofbeizli etwa ist geschlossen. An Arbeitskräften für die Feldarbeit fehlt es allerdings (noch) nicht.

Eine kleine Umfrage im Gäu zeigt: die aktuelle Situation trifft die Landwirte unterschiedlich. Während es bei der Feldarbeit unproblematischer ist, sorgt die Schliessung der Schlachtviehmärkte durchaus für Verunsicherung.

In Wolfwil führt die Familie Ackermann einen Biohof mit verschiedenen Betriebszweigen. Einer davon ist die Hof-Beiz mit Laden. Bei schönem Wetter lädt die Terrasse zum Verweilen ein und die Kinder erfreuen sich auf dem grossen Spielplatz. Zurzeit bewegt sich aber nur noch das Nötigste im öffentlichen Raum. Auch im Hofladen dürfen nur noch Lebensmittel wie Milchprodukte und Fleisch vom eigenen Hof verkauft werden. Das Beizli musste abgesperrt werden.

«Normalerweise beschäftigen wir hier eine Vollzeitstelle», erklärt Mathias Ackermann vom Schlatthof. Der «Tagesanzeiger» schreibt am 20. März 2020, dass den Bauern Saisonarbeiter fehlen werden, weil Arbeiter zurzeit nicht in die Schweiz reisen können. Ackermann meint: «Für die Feldarbeiten haben wir vorerst genügend Leute. Je nachdem könnte es für die Ernte im Herbst Einschränkungen geben, abhängig davon, wie lange die Einschränkungen anhalten.» Auch Christian Niggli aus Oberbuchsiten ist zurzeit nicht gross eingeschränkt. «Wenn ich holzen gehe, auch mit Helfern, können wir den geforderten Abstand einhalten. Somit komme ich mit der momentanen Situation noch gut zurecht.» Anders sähe es aber sicher bei Müller in Niederbuchsiten aus, welcher Gemüsebau betreibe, meint er.

Administrativer Aufwand für die Einreise

Viktor Müller bewirtschaftet eine Freilandfläche von 50 ha und 1,16 ha in einem Gewächshaus. Ein paar Arbeiter seien bereits hier, erzählt er am Telefon: «Zurzeit sind drei Personen aus Rumänien auf dem Weg zu mir. Vor ihrer Abreise musste ich alle Namen dem Staatssekretariat für Migranten melden, sodass sie an der Grenze nicht zurückgeschickt werden. Ich hoffe, dass alles funktioniert wie vorgesehen.» In der Hauptsaison stehen bei ihm rund 36 Personen im Einsatz. «Je nachdem, wie sich die ganze Lage entwickelt, könnte es Ende April, Anfang Mai schon noch zu Engpässen mit dem Personal kommen.» Zurzeit habe er eine Person, welche aus Gründen der Bundesvorgaben nicht arbeiten dürfe.

Wie sieht die Situation denn bei Landwirten aus, welche Schlachtvieh verkaufen? Seit letzter Woche sind Schlachtviehmärkte gemäss Covid-19-Verordnung 2 ebenfalls verboten. Schlachtviehmärkte fallen unter die verbotenen Einrichtungen/Veranstaltungen gemäss Art. 6 Abs. 1 und 2 Covid-19-Verordnung 2. Dazu meint Jörg Aregger aus Egerkingen: «Wir müssen die Situation beobachten. Zurzeit wird es sicher weniger Fleisch zum Grillieren benötigen. Daher kann es gut sein, dass sich die Lage über kurz oder lang zuspitzen wird.» Aus Kreisen diverser Landwirte habe er aber schon vor der Corona-Krise gehört, dass es immer schwieriger werde, Arbeitskräfte aus Osteuropa für die Betriebe zu finden. Auch in Olten hält sich die Waage noch etwa im Gleichgewicht. Karin Hengartner vom Ruttigerhof sagt: «Die Restaurants nehmen keine Eier mehr. Dafür brauchen die kleinen Läden mehr. Das geht zum Glück auf.» Leider gäbe es aber auch Bäckereien, welche etwa die Milch auf unbestimmte Zeit abbestellt hätten. Das sei natürlich schade – aber: «Was wir merken, ist, dass mehr Privatpersonen Frischmilch und Eier bei uns abholen kommen. Das schätzen wir sehr», so Hengartner weiter. Ganz eingestellt ist die Hundebetreuung, welche sie normalerweise noch anbietet. «Ich hoffe, dass sich die Lage schnell bessert.» Das hoffen natürlich viele, so auch Viktor Müller aus Niederbuchsiten: «Nicht nur für mich, sondern für alle.»

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