Oensingen
Von-Roll-Chef zu Wasserleitungs-Streit: «Man will uns wegschikanieren»

Im Oensingen werden derzeit neue Wasserleitungen eingelegt, die nicht aus dem Angebot der ortsansässigen Von Roll Hydro stammen, sondern von einem Konkurrenzunternehmen. Nun hat der Von-Roll-Chef genug und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Alois Winiger
Merken
Drucken
Teilen
Der aktuelle Produktionsstandort der Von Roll Hydro AG in Oensingen.

Der aktuelle Produktionsstandort der Von Roll Hydro AG in Oensingen.

wak

Im Dorfzentrum von Oensingen werden derzeit neue Wasserleitungen eingelegt, die nicht aus dem Angebot der ortsansässigen Von Roll Hydro stammen, sondern von einem Konkurrenzunternehmen. Diese Tatsache veranlasste den Verwaltungsratspräsidenten der Von Roll Infratec, Jürg Brand, sich persönlich per Brief bei der Gemeinde zu beschweren.

Nun folgte ein weiterer Streich in Form eines Rundumschlags: Brand schrieb einen geharnischten Brief an den Gemeindepräsidenten, mit Kopie an Regierungsrat des Kantons Solothurn, Gemeinderat, Ortsparteien, Mitarbeitende der Von-Roll-Hydro-Gruppe und Bevölkerung von Oensingen. «Das Vorgehen mag ungewöhnlich sein, scheint uns aber angezeigt, nachdem wir die Stellungnahme des Gemeindepräsidenten in der Solothurner Zeitung gelesen haben», schreibt Brand. Er legt seine Sicht der Dinge ausführlich dar, nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

«Von Roll gar nicht erst angefragt»

Der VR-Präsident bezeichnet es als eine Schikanierungsstrategie, wenn im Dorfzentrum ein «Duktus»-Rohr als Exklusivvariante ausgeschrieben und Von Roll gar nicht erst angefragt wurde. Für dieses Vorgehen macht Brand den Gemeindepräsidenten und den Leiter Bau, Andreas Affolter, verantwortlich. «Insgesamt führt hier ein von seinem Gemeindepräsidenten unterstützten Bauamtsleiter auf Kosten der Bevölkerung und der Steuerzahler eine Privatfehde gegen ein alteingesessenes Unternehmen an.» Im Stillen hätten die beiden offenbar «wegschikanieren» als Strategie festgelegt.

Wo Brand Hintergründe sieht

Man müsse dieses Vorgehen vor folgendem Hintergrund sehen: Im Zusammenhang mit der Überbauung des Leuenfelds habe Von Roll Bereitschaft gezeigt, die «Verlegung des Produktionsstandorts zu prüfen, sofern die Gemeinde einen valablen Standort anbietet.» Allerdings müsse dies geschehen, bevor Von Roll in die bestehende Anlage investiere, sonst käme ein Wechsel nicht mehr infrage. Ein valables Angebot sei nicht eingetroffen, unterdessen seien Investitionen von mehr als 6 Mio. Franken getätigt worden und die Verlegung kein Thema mehr, erklärt Brand.

«Weil Von Roll entgegen den Wünschen des Bauamtleiters immer noch am aktuellen Standort (mit rund 140 Personen) produziert, wird das Unternehmen systematisch benachteiligt, mal subtiler, mal etwas weniger», führt Jürg Brand weiter aus.

«Aktion frustrierter Funktionäre»

Für den Wasserleitungseinbau im Dorfzentrum werden – wie bereits an anderen Stellen – Rohre von Hagenbucher geliefert, einer Firma mit Sitz in der Schweiz. Brand betont jedoch, die Rohre würden in Deutschland hergestellt, «450 Kilometer weit weg, gegenüber von 20 Kilometern ab Choindez». Erst auf Intervention der Von Roll habe der Leiter Bau bei der Beschaffung der Wasserleitungen im Dorfzentrum eine Variante mit dem Von Roll Ecopur zugelassen. Affolter habe jedoch schon definitiv gewusst, dass das Konkurrenzprodukt verlegt werde.

«Wir sind überzeugt, dass das hier beschriebene Verhalten weder von der Bevölkerung noch von den hier ansässigen Gewerbetreibenden und Industrien verstanden wird.» Man werde sich mit den «uns angezeigten Mitteln dagegen wehren, dass frustrierte Funktionäre eine Privatfehde führen und dabei die Unterstützung von gewählten Behörden geniessen.»

Gemeindepräsident Markus Flury hat den Brief zur Kenntnis genommen, will sich aber weder zum Inhalt äussern, noch dazu, wie die Gemeinde zu reagieren gedenkt.