Im Sternenweg mitten in Oensingen sind derzeit tiefe Gräben offen. Dort werden einerseits Leitungen für das Fernwärmenetz eingelegt. Und um Synergien zu nutzen, wird anderseits auch gleich die schadhafte Hauptleitung für Frischwasser ersetzt. Für diesen Ersatz hat der Gemeinderat in der Sitzung vom vergangenen Montag einen Kredit von 700 000 Franken zuhanden der Gemeindeversammlung verabschiedet.

Die Tiefe der Gräben entspricht aber auch dem Verhältnis zwischen der Einwohnergemeinde als Auftraggeberin für die Wasserleitung und der von Roll Hydro (Suisse) AG, jener Firma mit Sitz in Oensingen, die diese Leitung gerne liefern wollte, aber nicht durfte. Es wird ein anderes Schweizer Produkt, Marke Hagenbucher, eingesetzt. Dieser Entscheid warf in der Firma von Roll so hohe Wellen, dass sich sogar der Verwaltungsratspräsident Jürg Brand persönlich einschaltete.

«Unverständliche Kriegserklärung»

In einem Brief wirft Brand der Gemeinde, namentlich Gemeindepräsident Markus Flury und Andreas Affolter, Leiter Bau, vor, sie beide seien «für den weltweit wohl einzigartigen Fall verantwortlich, bei welchen die Sitzgemeinde eines Rohranbieters ein Konkurrenzprodukt einsetzt.» Die Krone würde durch die Tatsache aufgesetzt, dass «unser Angebot nicht nur qualitativ mindestens gleichwertig, sondern sogar noch günstiger war. Wir wussten ja, dass Herr Affolter vieles tun würde, um von Roll ja nicht zu berücksichtigen.»

Jürg Brand bezeichnet dieses Vorgehen als eine «unmotivierte und unverständliche Kriegserklärung eines ungebremsten und unkontrollierten Beamten, welche von Teilen des Gemeinderats mitgetragen zu werden scheint.»

Den Entscheid für das Konkurrenzprodukt hat jedoch nicht etwa allein Andreas Affolter gefällt, sondern ein ganzes Gremium. Die Basis bildeten die Empfehlungen des Projektingenieurs sowie mehrerer Leute von der Front, (Brunnenmeister) sowie Erfahrungen mit diesem bestimmten Produkt – einem 400 mm Vollschutzrohr mit einer Zementmörtelauskleidung, Zinküberzug mit Faserzementmörtel-Umhüllung.

Nicht zum ersten Mal hat sich die Gemeinde bei Wasserleitungen für eine andere Marke entschieden – und sich dafür immer wieder erboste Reaktionen vonseiten der Firma von Roll eingehandelt. Warum hat sich denn die Gemeinde auch dieses Mal für das rund 15 Prozent teurere Produkt Hagenbucher entschieden? «Diese Leitungen haben nun einmal beste Referenzen», sagt Gemeindepräsident Markus Flury. Leider hafte dem Namen von Roll bezüglich Leitungen noch immer ein Hauch von Unsicherheit an. «Mehrere Leitungen haben bereits nach rund 30 Jahren Rostschäden. Sie sollten aber rund 80 Jahre halten.» Natürlich sei dies nicht die Schuld der heutigen von Roll, aber halt doch eine Tatsache.

«Unterlassen, was von Roll nützt»

Flury betont, die Gemeinde beziehe bei von Roll viele weitere Produkte wie Hydranten, Schachtdeckel und anderes mehr. Darum sei unverständlich, warum der von-Roll-Chef behauptet, in Oensingen herrsche die Devise «tunlichst alles zu unterlassen, was von Roll nützen könnte.»

Brand spielt auf einen hängigen Fall an: Die Produktionsstätte der von Roll Hydro steht im Leuenfeld, wo die Schmid Immobilien AG den gleichnamigen Wohnpark erstellt. Ein Teil des von-Roll-Areals hat Schmid bereits gekauft, ein nächster folgt, wenn von Roll an einen anderen Standort bezogen hat. Brand sagt: In der Wasserrohrsache gehe es darum, «dass sich der Gemeinderat daran stört, dass wir nach wie vor an unserem Standort Oensingen produzieren und damit die letzte Etappe des Leuenparks verhindern.» Die Gemeinde habe «nicht einen einzigen vernünftigen Standortvorschlag gemacht.» Markus Flury findet es daneben, dass Jürg Brand die Vergabe des hier beschriebenen Auftrags mit anderen Begebenheiten vermischt.