Oensingen
Von Formel-1, Cupcakes und Triathlon: Kunst ist, was man gut beherrscht

Im Rahmen der Gesprächsrunde zum Thema «Die Kunst zu...» auf Schloss Neu Bechburg bewiesen die Talkgäste: Kunst betreibt auch, wer etwas besonders gut beherrscht. Gesprochen wurde über Koch-, Heil- oder Fahrkünste.

Silvana Grellmann
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...Adrian Sutil, Thomas Imthurn, Anton Krapf und Linda Gutknecht.
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Kunstmarkt Oensingen
Moderierte die Gesprächsrunde: Max Misteli.

...Adrian Sutil, Thomas Imthurn, Anton Krapf und Linda Gutknecht.

Der Kunstmarkt im Schloss Neu Bechburg Oensingen war das eine, das am Wochenende ein zahlreiches Publikum anlockte (siehe separate Textbox). Das andere war eine Gesprächsrunde mit Persönlichkeiten aus der Region zum Thema «Die Kunst zu ...».

Spitzenkoch Louis Bischofberger berichtete über die Kunst zu kochen, Triathlet Bruno Probst über die Kunst des Motivierens und Naturarzt Franz Müller über die Kunst zu heilen; Formel-1-Rennfahrer Adrian Sutil über die Kunst schnell zu fahren, Thomas Imthurn über die Kunst, selber ein Flugzeug zu bauen, Anton Krapf über die Kunst zu dirigieren und Linda Gutknecht über die Kunst, Cupcakes herzustellen. Marc Pergher, Pastaproduzent aus dem Thal, musste die Teilnahme am Gespräch absagen.

Koch statt Sportlehrer geworden

«Das Herzstück der Kunst ist bestimmt die Malerei, doch es gibt nicht die Kunst des Malens, sondern auch viel anderes, das jemand besonders gut kann. Das darf man auch als Kunst bezeichnen», begrüsste Moderator Misteli die Gesprächsrunde und das zahlreiche Publikum. «Dabei ist es interessant zu erfahren, wieso und wie eine Person gerade zu dieser Kunst kommt.»

3. Kunstmarkt: 30 Personen aus der Region zeigen Werke

Zum dritten Mal hat auf Schloss Neu Bechburg ein Kunstmarkt stattgefunden. Dafür hatte Daniel Henzi mit seinem meterhohen Objekt «Tower of Power» einen starken Blickfang kreiert. Einzugehen auf die Werke aller 30 Kunstschaffenden aus der Region ist nicht möglich, daher folgt hier eine Auswahl. Der Härkinger Roland Hugelshofer hatte aus einem Kirschbaum eine Skulptur mit «Durchblick» geschaffen, hinzu kam ein fünfköpfiger Chor von singenden Königen. Philipp Rieder-Elsener präsentierte mit der Objektgruppe aus bekrönten Keramikköpfen auf Birkenstämmchen ein tiefgründig-witziges Werk. Mit Power-Tex formten Christine Hafner und Andrea Hinel mystisch-verspielte Figuren. Ebenfalls dreidimensional arbeiten Claudia Brander und Judith Sauthier. Brander bemalte Eichensäulen mit afrikanischen Frauenakten und stellte goldene Kleinskulpturen auf die Holzklötze. Sauthier platzierte ihre transparente Stele mit dem Titel «beschützt» auf dem Boden vor dem Schlosstor. Verena Sandherr zeigte ihre Meerjungfrauen oder einen Steinfisch beim Brunnen. Herausgegriffen sei noch Marie-Louise Lindenmayer, die Bambusrohre und Bambusblätter nach asiatischer Tuschtechnik mit einem Pinselstrich zu Papier brachte. Oder Dieter Linxweiler, der mit bewegter Gestik und kräftigen Ölfarben Paare malte. Der «Tanz der Gesichter» von Hanny Lichte entlockte dem Betrachter ein Schmunzeln. Tanz war auch bei Johanna Werthmüllers Flamenco ein Thema. Michelle Kohler beeindruckte mit ihrem schwungvollen Adler. Blumen waren häufig gewählte Motive, abstrakte Werke eher selten, etwa die «red Bubbles» von Ursula Steiner oder die dreidimensionalen Gemälde von Brigitte Willener. (uam/wak)

Darüber berichtete Louis Bischofberger als erster. «Mein Traum war nicht von Anfang an, einmal ein Spitzenkoch zu sein. Ursprünglich war mein Ziel Sportlehrer zu werden.» Bischofberger erklärte dann aber nicht nur, wie er zu seinem Bekanntheitsgrad kam, sondern auch darüber, warum er es schafft, erfolgreich Lehrlinge auszubilden. Dabei merkte er an: «Wichtig ist, dass man Gefallen an dem findet, was man macht und stets ein Ziel vor Augen hat, dann gelingt alles.»

Auch ohne Ausbildung erfolgreich

Bruno Probst erzählte, wie er vom ehemaligen Fussballspieler vor 15 Jahren dazu kam, zum Triathlon zu wechseln und ein eigenes Team aufbaute. Erstaunlich ist dabei, dass Probst nie eine Ausbildung zum Trainer absolvierte. «Ich leite ein Training aus Gefühl und Erfahrung heraus», sagte Probst.

«Es dünkt mich, dass es ist nicht wichtig ist, einfach Kurse zu machen. «Viel wichtiger sei, das Wissen zu haben, wie man mit den jungen Sportlern umgehen muss. Und diese Kunst, junge Leute zu trainieren und motivieren, beherrscht Probst durchaus, kann doch er bzw. sein Tri-Team, schon zahlreiche Erfolge ausweisen.

Franz Müller meinte, die Naturheilkunst habe ihn halt schon immer interessiert. Darum entschied er sich nach etwa 20 Jahren auf dem Bauernbetrieb, noch eine Ausbildung zum Naturarzt zu machen.

Von heute auf morgen

«Wir hatten Glück, dass dieses Wochenende kein Rennen ist und so wollen wir von Ihnen wissen, Herr Sutil, wie Sie zum Rennsport gekommen sind», begrüsste Moderator Max Misteli den Formel-1-Piloten Adrian Sutil, der seit einiger Zeit in Oensingen lebt. Er selbst stamme aus einer Musikerfamilie, erklärte Sutil, und so sei ihm der Rennsport nicht in die Wiege gelegt worden, sondern alles begann mit der Idee seines Bruders, auf die Kartbahn zu gehen. «Und von heute auf morgen hab ich mit dem Rennsport angefangen.»

Nachdem auch Sutil noch aus dem Nähkästchen geplaudert hatte, war der Hausarzt Thomas Imthurn an der Reihe. Wenn er in seiner Freizeit ein Flugzeug baue, so gehe es ihm nicht darum, möglichst schnell fertig zu werden, erklärte er, sondern er arbeite frei nach dem Motto «Der Weg ist das Ziel». Das Bauen sei für ihn Erholung. Zudem wird mir mit dem Flugzeugbau ermöglicht, durch zahlreiche neue Bekanntschaften mit Ingenieuren, Piloten etc. das Gesichtsfeld zu erweitern.»

Linda Gutknecht ist gelernte Confiseurin und hatte immer das Ziel, beruflich selbstständig zu werden. Dieses Ziel hat sie erreicht, im Frühling dieses Jahres hat sie in Solothurn ein Geschäft für Cupcakes eröffnet. Anton Krapf schliesslich hat die Kunst des Dirigierens nicht nur mit Leidenschaft ausgeübt, sondern auch ausserordentlich lange – was letztlich auch eine Kunst ist. Er leitete den Kirchenchor Mümliswil 46 Jahre lang.