Ramiswil
Von einer Schnellbleiche seiner Freiberger hält dieser Züchter nichts

Der Ramiswiler Landwirt Samuel Müller züchtet auf seinem Hof Freibergerpferde aus Leidenschaft. Er lässt sich auch nicht davon aus der Ruhe bringen, dass die Nachfrage momentan nicht so gross ist.

Karin Rohrer
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Auf dem idyllisch gelegenen Hof oberhalb von Ramiswil haben die Freibergerpferde von Samuel Müller viel Auslauf.

Auf dem idyllisch gelegenen Hof oberhalb von Ramiswil haben die Freibergerpferde von Samuel Müller viel Auslauf.

Karin Rohrer

Im Guldental haben sich die Züchter von Freibergerpferden einen Namen gemacht. Mit viel Herzblut und Engagement setzen sie sich für die fast zwei Jahrhunderte alte und einzige Schweizer Rasse ein. Das Freibergerpferd hat sich dank seines hervorragenden Charakters zum beliebten und vielseitigen Freizeitpartner entwickelt.

Samuel Müller betreibt oberhalb von Ramiswil einen Zucht- und Ausbildungsbetrieb und hat sich vollumfänglich dieser Rasse verschrieben.

Anfang 2011 hat Samuel Müller in 5. Generation den Hof von Toni Müller, dem Lebenspartner seiner Mutter, übernommen und bewirtschaftet den Betrieb mit den dazugehörigen 43 Hektaren Land selber. Nebst 24 Pferden und 13 Mutterkühen kümmert er sich um die Schweine und den Ackerbau. Er legt Wert darauf, unabhängig zu sein. «Uns ist wichtig, dass wir einen Selbstversorgerbetrieb führen können mit Kartoffeln, Früchten und Fleisch», erzählt der 30-jährige Landwirt, welcher auf das kräftige Mitanpacken seiner Familie zählen darf.

«Ich nehme mir viel Zeit bei der Ausbildung», sagt Samuel Müller, Pferdezüchter und Landwirt aus Ramiswil.

«Ich nehme mir viel Zeit bei der Ausbildung», sagt Samuel Müller, Pferdezüchter und Landwirt aus Ramiswil.

Karin Rohrer

Tiere werden vielseitig eingesetzt

Auf der Unter-Ebnet werden die genügsamen und robusten Freiberger noch zur landwirtschaftlichen Arbeit eingesetzt. Im Sommer zur Heuernte gehen die Pferde im Zug, sei dies vor dem Heuwender, Schwader oder Rechen. Auch im Ackerbau und im Wald kann die Familie Müller auf die trittsicheren Pferde zählen. Der Zeitaufwand ist immens bei dieser Bewirtschaftungsart, hat aber den Vorteil, dass die Pferde beschäftigt sind und den Umgang mit Maschinen kennen. Samuel Müller legt grossen Wert darauf, seine Freiberger selber aufzuziehen und auszubilden bis zur Feldtestreife.

So kennt er die Tiere von Grund auf, weiss um deren Charaktereigenschaften und wofür sie sich idealerweise einsetzen lassen. «Ich fange früh mit den Jungtieren an, ohne dass sie körperlich viel leisten müssen. Die Fohlen werden angebunden, geputzt und auf kurze Reitausflüge neben ihrer Mutter mitgenommen. Ich gewöhne die Jungpferde an Sattel und Geschirr, nehme sie im Zug neben ein älteres, erfahrenes Tier, zeige ihnen das Dorf und den Verkehr. Ich nehme mir viel Zeit bei der Ausbildung», betont der Züchter.

Der stete Umgang mit den Tieren ist ihm sehr wichtig, und beim Besuch auf der Pferdeweide spürt man eindrücklich, wie menschenbezogen die Fohlen sind. Sie sind neugierig und lassen sich gerne von ihrem Besitzer streicheln.

Markt ist etwas übersättigt

Samuel Müller hält nichts von einer Schnellbleiche, ein Jungpferd in zwei Monaten auszubilden. Er nimmt sich lieber die erforderliche Zeit, seine Tiere seriös und behutsam auf ihre künftigen Aufgaben heranzuführen. Genauso durchdacht ist sein Trainingskonzept bei den ausgebildeten Pferden, er überlässt nichts dem Zufall. Für die Römer- und Brückenwagen-Rennen des Marché-Concours in Saignelégier übt er gewissenhaft zusammen mit seinem Bruder Andy, damit sich die Pferde im Vierspänner-Rennen von ihrer schönsten Seite zeigen können.

Samuel Müller ist ein erfahrener Züchter, der grossen Wert auf eine strenge Selektion legt und nur einwandfreie Stuten zur Zucht nimmt oder aufzieht. «Die Pferde müssen einfach im Handling sein und einen korrekten Körperbau vorweisen. Ein charakterfestes, umgängliches Pferd ist auch einfacher und angenehmer zum Ausbilden. Zudem verlangen die Käufer heute nach unkomplizierten und korrekten Pferden», erzählt er, während er die Stalltüre öffnet und die Herde von der Nachtweide hereinholt.

Langfristiges Denken

Die Lage in der Freiberger-Verkaufsszene sei momentan etwas übersättigt und schwierig. Früher sind knapp ein Dutzend Pferde verkauft worden ab Hof pro Jahr und der Absatz war auch in Deutschland ziemlich hoch. Heute ist die Nachfrage aus dem Nachbarland kleiner und die Freizeitreiter aus der Schweiz liebäugeln mit exotischeren Pferderassen, bevorzugen oftmals spezielle Farben.

«Aber deswegen würde ich am Rasseziel der Freiberger nichts ändern, denn wir haben eine grosse Auswahl an Freibergerhengsten, die vom stämmigen Arbeitspferd bis zum sportlichen Typ reicht», betont Samuel Müller, der eine klare Linie hat und langfristig denkt. Er ist überzeugt davon, dass es in der Freibergerzucht bald wieder aufwärtsgeht.

Zumal in der Region einiges dafür getan wird mit Fohlenschau, Feldtest, Fahr- und Springprüfungen für Freiberger und natürlich dem grossen, jährlichen Pferdetreffen in Ramiswil. «So können wir die Leute für das Freibergerpferd begeistern. Die älteren und erfahrenen Züchter geben ihre Passion an die Jungen weiter und spornen diese an, die Zucht weiterzuführen», erklärt Samuel Müller, der seine Leidenschaft lebt, Hobby und Beruf zu einer Symbiose verbinden konnte.