Der Wettergott hätte es vergangenen Freitagabend nicht besser meinen können mit den Einheimischen. Die alljährliche Serenade in Kestenholz war schliesslich schon einige Male wortwörtlich ins Wasser gefallen. Entsprechend gut besetzt waren denn die Festbänke auf dem Platz hinter dem Pfarrheim, und manch einer war froh, dass zumindest die Kastanienbäume ein wenig Schatten spendeten.

Es war dies bereits die 18. Kestenholzer Serenade, und sie war mit einigen Highlights gespickt. Bestens bekannt und nicht minder beliebt war natürlich die Musikgesellschaft Eintracht Kestenholz, dirigiert von Thomas Maritz.

Sie eröffnete den Abend mit Lionel Richies «All Night Long» – womöglich das Motto des Abends für einige der jüngeren Zuhörer? Dirigent Thomas Maritz erklärte nach der Begrüssung des Publikums: «Wir haben dieses Programm bereits an den Regionalmusiktagen in Neuendorf gespielt. Wir freuen uns, dies nun auch in der Heimat spielen zu dürfen.»

Dirigent legte Flügelhorn-Solo hin

Und die Heimat liess sich mitreissen von den poppigen Medleys, welche die Musikgesellschaft zum Besten gab. Sehr gut kam etwa der Bon-Jovi-Mix «Runaway/You Give Love A Bad Name» an, das Publikum klatschte begeistert mit. Den eigentlichen Höhepunkt des Abends lieferte die junge Kestenholzer Sängerin Jeannine Wiemann. Gemeinsam mit der Musikgesellschaft und dem Gitarristen Thomas Studer performte sie eindringlich «Purple Rain» von Prince. Zum Abschluss bot die Musikgesellschaft ein verrücktes Medley aus Spahns «Louenesee» und Adeles «Rolling In The Deep».

Die Musiker sangen mehrstimmig «Louenesee», Thomas Maritz legte unter viel Applaus ein Flügelhorn-Solo hin. Und als Jeannine Wiemann eine ausdrucksstarke Adele gab, konnte sich das Publikum nicht mehr zurückhalten vor Begeisterung.

Ebenso viel Beachtung schenkte das Publikum dem Aemmitaler Chörli aus Burgdorf, das für einmal weit gereist war. «Wir fahren selten länger als eine halbe Stunde, um zu singen», wandte sich Chorleiter Christian Hubacher lachend an die Zuhörer. Es lohnte sich jedoch, für beide Seiten: Fast andächtig lauschten die Kestenholzer dem Jodelgesang, etwa dem bekannten «D Seel la bambälä la» oder «Das cha nur Liebi si». Solch differenziert harmonischen Jodelgesang hatten wohl noch die wenigsten gehört. «Es ist nicht selbstverständlich, dass die Leute so still sind», freute sich der Chorleiter zum Schluss der Darbietung.

Erneuter Auftritt von Wiemann

Damit war dann auch eine wohlverdiente Pause angesagt, das aufmerksame Zuhören hatte Hunger gemacht. Auf eine Bratwurst vom Grill oder hausgemachten Kuchen etwa. Mit vollem Magen konnte man sich dann dem zweiten Teil des Abends hingeben, «Ninemen’smorris» bestehend aus den Schwestern Nadja und Katja Imoberdorf und den Brüdern David und Nico Bürgi.

In gewohnter Popformation interpretierten sie «Wish You Were Here» und weitere Popsongs. Ein erneuter Auftritt der Sängerin Jeannine Wiemann versetzte das Publikum wiederum in Verzückung. An dieser Serenade stimmte einfach alles.