Wolfwil/Marokko

Vom Gäu in die Sahara: Dieser Solothurner macht bei einem der härtesten Marathons der Welt mit

Claudio Venneri aus Wolfwil bereitet sich seit zwei Jahren auf den Marathon des Sables in der Wüste Marokkos vor.

«Hätte mich jemand vor einem Jahr gefragt, ob ich für den Marathon des Sables bereit sei, dann hätte ich noch kein klares Bild vor mir gehabt», sagt Claudio Venneri. Der 35-jährige Wolfwiler hat sich ein ganz spezielles Ziel im Leben gesteckt: einmal durch die Wüste laufen. 250 Kilometer unter extremen Bedingungen. Ein ganz schön ehrgeiziges Unterfangen, gilt der Marathon des Sables in der Wüste Marokkos doch als einer der weltweit härtesten Läufe. «Jetzt, gut einen Monat vor dem Lauf, freue ich mich richtig darauf, dass es endlich losgeht und ich sehe mich schon in der Wüste», sagt der Wolfwiler.

Nicht nur der Lauf durch Marokkos Wüste, auch die Vorbereitung auf das Abenteuer in der Sahara ist für Venneri ein veritabler Marathon. «In der Schweiz schaue ich, dass ich pro Woche durchschnittlich 70 Kilometer zurücklegen kann», sagt er. Die grösste Herausforderung für ihn ist es, den Sport, die Arbeit und die Familie unter einen Hut zu bringen. «Meine Familie unterstützt mich, sorgt dafür, dass ich genügend Zeit zur Vorbereitung erhalte und interessiert sich auch für mein Ziel», sagt der Eingliederungsfachmann.

Die Idee den Marathon des Sables zu bestreiten, kam Venneri und einem guten Freund im Spätsommer 2017. Knapp zwei Jahre später absolvierten sie den ersten Härtetest: Gemeinsam meisterten sie im letzten Sommer den T88-Swissalpine-Lauf. Der Ultra-Marathon führt mitten durch die Alpen von St. Moritz über drei Gebirgspässe nach Davos. «Nach diesem Lauf hatte ich ein sehr grosses Vertrauen in meinen Körper und war mir ab da sicher, dass ich den Marathon in Marokko schaffe», sagt Venneri. Jedoch verlief nach dem T88 in Graubünden nicht alles glimpflich.

Teaser auf den Marathon des Sables 2020

«Mein Freund äusserte grosses persönliches Unbehagen und war sich nicht mehr sicher, ob er gesundheitlich genug fit ist», sagt der Gäuer. Er begann zu zweifeln und überlegte sich, den Marathon des Sables notfalls auf ein anderes Jahr zu verschieben. «Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt aber so intensiv mit dem Lauf auseinandergesetzt, dass ich mich entschloss, den Marathon alleine zu bestreiten», sagt Venneri. Ganz alleine wird er nicht unterwegs sein. Nachdem sich sein Freund zurückzog, suchte Venneri nach neuen Kontaktpersonen und fand einen Partner, mit dem er das Beduinenzelt teilen wird. Auch konnte sich Venneri mit einem Athleten austauschen, der den Marathon bereits zwei Mal meisterte.

«Wie gehe ich mit Sonne und Sand um?»

Es sind vor allem die Herausforderungen, die Venneri an solchen Läufen schätzt und liebt. «Ich suchte auch nach einem Lauf, der mich auch organisatorisch fordert», sagt der Marathonläufer. Für den mehrtägigen Marathon quer durch die marokkanische Wüste ist die Vorbereitung eminent wichtig. «Es stellen sich unweigerlich Fragen wie: Soll ich nur das Nötigste an Nahrung und Gepäck mitnehmen? Und vor allem auch: Wie gehe ich mit der Sonne und dem Sand um?», erzählt Venneri. Die Planung und Organisation bewertet der Wolfwiler als ebenso wichtig wie das Lauftraining. Während tagsüber die grosse Hitze auszuhalten ist, sind die Nächte eisig kalt.

Ein Schlafsack ist für die siebentägige Expedition Pflicht. «Du kannst zwar Kilometer trainieren, du kannst dir das Essen zusammenstellen, aber es gibt nichts, das dich auf das Wetter dort vorbereiten kann», meint der Familienvater. Wegen der enorm hohen Temperaturen ist Wasser von existenzieller Bedeutung und Venneri schätzt, dass er ungefähr zehn Liter pro Tag benötigt. Das Wasser muss er aber nicht selber mitnehmen. Alle 15 Kilometer gibt es einen Checkpoint, an dem Wasser nach Bedarf abgefüllt werden kann. «Zu viel Wasser werde ich aber nicht einpacken, immerhin bedeutet mehr Wasser auch mehr Gewicht», hat sich Venneri eine Strategie zurechtgelegt. Der Rucksack, den er am Marathon mitträgt, wiegt mitsamt Material achteinhalb Kilogramm. Nahrung müssen die Sportler selber mitnehmen. Mindestens 2000 Kalorien pro Tag müssen die Läufer dabei haben, um am Start zugelassen zu sein. Das Essen, welches Venneri sich zusammengestellt hat, erinnert stark an Astronautennahrung.

Venneri verfolgt mit seinem Projekt aber nicht nur den sportlichen Aspekt. Bereits am Swissalpine Lauf in Davos lief er für die Entwicklungsorganisation Helvetas, die sich unter anderem für sauberes Trinkwasser und Schulbildung auf der ganzen Welt einsetzt. Mit dem Marathon des Sables in der Sahara möchte Venneri Spendengelder sammeln. «Soziales Engagement ist mir sehr wichtig, darum setzte ich mich gerne für benachteiligte Menschen ein», sagt Venneri.

Der Marathon des Sables findet vom 3. bis 13. April statt und führt von Er Rachidia bis nach Ouarzazate rund 250 Kilometer durch die Sahara in Marokko.

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