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Vom Cupsieger zum Abstiegskandidaten: Beim FC Härkingen ist der Wurm drin

2015 wurde der FC Härkingen Solothurner Cupsieger. Nur ein Jahr später könnte die Mannschaft in die 3.Liga absteigen.

Raphael Wermelinger
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Nach dem Cupsieg im Mai 2015 konnten sich die Härkinger noch von ihren Fans feiern lassen, am Sonntag braucht das Fanionteam erneut die Unterstützung des ganzen Klubs; diesmal im Abstiegskampf gegen den FC Riedholz.

Nach dem Cupsieg im Mai 2015 konnten sich die Härkinger noch von ihren Fans feiern lassen, am Sonntag braucht das Fanionteam erneut die Unterstützung des ganzen Klubs; diesmal im Abstiegskampf gegen den FC Riedholz.

Bruno Kissling

Manchmal geht es sehr schnell im Fussball: Am 14. Mai des vergangenen Jahres wurde der FC Härkingen dank eines 4:1-Siegs gegen den FC Bellach Solothurner Cupsieger 2015. Drei Wochen später beendete die Mannschaft von Trainer Bruno Büttiker die Saison 2014/15 in der 2. Liga auf dem guten vierten Platz. Nur ein Jahr später droht den Cup-Helden nun der Fall in die 3. Liga.

In der Vorrunde der laufenden Saison hatte noch nichts auf diesen Absturz hingedeutet. Härkingen ging in elf Spielen nur zweimal als Verlierer vom Platz und beendete die erste Saisonhälfte auf dem fünften Rang.

Doch seit dem Rückrundenstart anfangs April ist bei den Gäuern der Wurm drin. Keines der acht Meisterschaftsspiele im Jahr 2016 konnte Härkingen gewinnen, lediglich drei Unentschieden schauten heraus.

Jetzt liegen die Härkinger drei Spieltage vor dem Saisonende auf einem Abstiegsplatz. «Ich könnte durchdrehen», beschreibt Trainer Bruno Büttiker seine Gefühlslage. «Wenn man auf die Tabelle blickt, erkennt man unser Problem sofort: Wir schiessen einfach keine Tore.»

Mit nur 21 Toren in 19 Spielen stellt sein Team die statistisch schwächste Offensivabteilung der 2. Liga. In der Rückrunde waren es in acht Spielen nur vier Volltreffer.

Abstiegsgipfel am Sonntag

Mit Andreas Oeggerli (Zerrung), Lukas Oeggerli (Adduktorenschmerzen), Thierry Wyss (Schlüsselbeinbruch), Jan Büttiker sowie Patrick Sommer (beide Kreuzbandriss) fehlen dem Team wichtige Offensivspieler. In der letzten Saison erzielten Büttiker, Wyss und die Oeggerli-Brüder zusammen 34 der insgesamt 43 Saisontore der Härkinger.

Trotzdem will Bruno Büttiker die Verletzungen nicht als Hauptgrund für die Misere durchgehen lassen: «Die Verletzungen haben natürlich zu Wechseln geführt in der Aufstellung, doch wir haben ein breites Kader. Und an den vorwiegend noch sehr jungen Spielern, die einspringen mussten, liegt es sicher nicht.»

Woran liegts denn sonst? «Es ist wie verhext, der Ball will einfach nicht rein. Uns fehlt das Quäntchen Glück. Dieses müssen wir in den letzten Spielen unbedingt erzwingen.»

Am Sonntag kommts im Strichkampf zum kapitalen Duell zwischen dem Tabellenelften Härkingen und dem FC Riedholz auf Platz zehn. Gastgeber Riedholz hat drei Punkte mehr auf dem Konto, jedoch auch deutlich mehr Strafpunkte, was bei Punktgleichheit zum Nachteil wird. Mit einem Dreier könnten sich die Härkinger also wieder über den Strich schiessen.

«Solange wir noch rechnen können, sind wir nicht unten», gibt sich Büttiker kämpferisch. «Wir glauben fest an den Ligaerhalt, der ganze Verein steht hinter der Mannschaft. Ich denke, der Vorstand hat für das Sonntagsspiel wie beim Cupfinal eine spezielle Aktion geplant.» Die Stimmung im Team sei natürlich nicht ausgelassen, aber doch recht gut, so Büttiker. «Die Trainingspräsenz stimmt. «Alle ziehen an einem Strick und geben Vollgas. Das muss sich doch einfach irgendwann mal auszahlen im Match.»

Auf Schützenhilfe angewiesen

ine Niederlage kann sich Härkingen im Sechs-Punkte-Spiel nicht leisten. Bei einem Unentschieden spricht zumindest das Restprogramm für die Gäuer. Riedholz trifft in den letzten beiden Runden noch auf das Spitzenduo Fulenbach und Iliria. «Es geht um die Wurst gegen Riedholz», blickt Büttiker voraus. «Ich erwarte ein intensives Spiel. Wir werden hoch angreifen und uns so teuer verkaufen wie möglich. Und hoffentlich endlich auch die Tore machen.»

Doch selbst wenn der FC Härkingen die Saison auf dem zehnten Platz beenden sollte, ist der Ligaerhalt noch nicht garantiert. Trotz Abstiegsgefahr schielen Härkingen und Riedholz auch Richtung höhere Liga. Wenn nämlich zwei Solothurner Vertreter aus der 2. Liga inter abstiegen, müssen plötzlich drei statt zwei Zweitligisten den Gang in die 3. Liga antreten.

Grenchen ist definitiv nicht mehr zu retten, Olten liegt vier Spiele vor dem Saisonende knapp über dem Strich in der Gruppe 5 der 2. Liga inter. «Ja, wir sind auch Olten-Fans im Moment, da wir auf die Hilfe des FCO angewiesen sind», bestätigt Bruno Büttiker, stellt aber sofort klar: «Bevor wir schauen, was Olten in der 2. Liga inter macht, müssen wir zuerst punkten und den FC Riedholz überholen.»

Als Tabellenzehnter abzusteigen, wäre der Super-GAU. Bitter, für die Härkinger wäre es nicht das erste Mal. Sie stiegen schon in der Saison 2010/11 als Drittletzter ab. Damals fielen Dulliken und Luterbach aus der 2. Liga inter, und Härkingen musste in den sauren Apfel beissen.

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