Balsthal

Vom Baum über die Presse ins Glas – dieses Jahr fängt das Mosten früher an

In der Mosti Balsthal werden die Äpfel in diesem Jahr früher als sonst gepresst und zu Most verarbeitet. Der Grund dafür ist der heisse und trockene Sommer.

Zwar sind die Temperaturen mittlerweile etwas gesunken, der Griff zur Jacke wird wieder alltäglicher. Doch die Erinnerungen an den heissen und trockenen Sommer 2018 werden wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Nicht nur auf uns Menschen hat diese Hitze Eindruck hinterlassen, sie hat auch einen Einfluss auf den diesjährigen Most.

Mosterei Balsthal 2018

Mosterei Balsthal 2018

Bei der Mosti Balsthal konnte man dieses jahr früher mit dem Pressen der Äpfel beginnen.

«Die Äpfel sind in diesem Jahr besonders süss», weiss der langjährige Mostchef Thomas Infanger, der seine Arbeit in der Mosti Balsthal rund eine Woche früher als sonst aufnehmen konnte. Ausserdem: «Weil es sehr trocken und warm war, fallen die Äpfel früher.»

Doch nicht nur, dass das Fallobst bereits jetzt schon gepresst werden kann, Infanger erwartet auch grössere Mengen: «Ich denke, dieses Jahr knacken wir die 40'000-Marke.» Zum Vergleich: In den Jahren 2015 und 2016 produzierte die Mosti 35'000 beziehungsweise 20'000 Liter Apfelmost. Im 2017 waren es wegen starken Frosts im Frühjahr sogar nur 4000 Liter.

Feucht-dreckige Angelegenheit

Mehr Ertrag bedeutet auch mehr Arbeit. So sind zeitweise bis zu vier Helfer gleichzeitig mit am Start um die Äpfel zu pressen, den Most aufzukochen und abzufüllen. Aber von Anfang an: Jeweils montags, mittwochs und freitags können Mostkunden ihre Äpfel ab 7.30 Uhr auf dem Hunzikerhof anliefern. «Zwei Harassen à 30 Kilo sind das Mindeste, was wir annehmen können», sagt Infanger. «Aber erst ab drei Harassen garantieren wir, dass der Kunde auch seinen eigenen Apfelsaft erhält.»

Damit sich der Mostbetrieb auch lohnt, sollten es aber zwischen 20 und 30 Kisten sein. Die Äpfel müssen reif, frisch und sauber sein. Schlechte, faule oder verschmutzte Äpfel werden vom Most-Team nicht verarbeitet. Aus organisatorischen Gründen müssen sich Kunden ausserdem im Voraus anmelden. Auf einem Bestellblatt kann angegeben werden, welche Art Most, ob naturtrüb oder klar, und welche Menge gewünscht ist.

Ist die Organisation erledigt, geht es ans Pressen. Zuerst werden die Äpfel gewaschen, durch die Mühle auf Tücher gelassen, in Tücher eingewickelt und mit Metallplatten befestigt. Acht solche Schichten gibt es, Äpfel, Tuch, Platte, wieder Äpfel, Tuch, Platte. Mit Druck wird dann der Saft aus dem Obst gepresst. Die Apfelsorte, sowie die Qualität der Äpfel sind dabei entscheidend.

«Mehlige oder faule Äpfel ergeben ‹Chlütter›, einfach keinen guten Most», so Infanger. «Dann quillt alles auf der Seite raus.» Sowieso ist das Mosten eine feuchte Angelegenheit, deshalb tragen sowohl Infanger als auch Kollege Georg Studer Gummischürzen. Der Satz, der sich beim Pressen ergibt, schwimmt auf dem Most auf. Dieser wird gesammelt und zu Apfelschnaps weiterverarbeitet. «Man kann ihn auch mit Kräutern anreichen, so mag ich den am liebsten», verrät Infanger verschmitzt.

Was am Schluss von den geschnetzelten und ausgepressten Äpfeln übrig bleibt, wird Trester genannt. Dieser ist als Tierfutter in der Landwirtschaft sehr beliebt. Auch die Jäger sind Abnehmer und verfüttern diese vitaminreichen Zusatzkost an Wildtiere.

Moschtfescht am Naturpark Märet

Naturtrüber Most wird nach dem Pressen direkt auf 78 Grad aufgekocht. Klarer Most wird zuerst mit Enzymen und eine Viertelstunde später mit Gelatine versehen. In die Erhitzungsanlage gerät der klare Most jedoch immer als Erster. «Nach dem Trüben bleiben Rückstände, die wir zuerst wieder putzen müssen. Sonst wäre der Klare ja nicht mehr klar.» Nach diesem Vorgang wird der Most in Plastiksäcke abgefüllt, die dann in 5-Liter und 10-Liter Kartonboxen gesteckt werden.

Der nächste Punkt im Jahresprogramm steht ebenfalls bald an: Der Obst- und Gartenbauverein Balsthal, welchem die Mosti gehört, ist auch am Naturpark Märet vertreten. Damit findet das Moschtfescht am Samstag, 22. September, von 9 bis 16 Uhr auf dem Kornhausplatz und in der Goldgasse statt.

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