Bei undichten Wasserleitungen sollte schnell reagiert werden. Die Einwohnerinnen und Einwohner Wolfwils wurden dazu aufgerufen, sich in solch einem Fall sofort beim Brunnenmeister André Bichsel zu melden. So stand es in einem Inserat des Gäuer Anzeigers. Doch was hat es damit auf sich? Laut Bichsel ist mit Wolfwils Wasserversorgung alles in Ordnung: «Das Inserat ist als Weckruf für die Bevölkerung gedacht», erklärt er. Meldepflichtig seien Vorfälle wie etwa ununterbrochenes, starkes Fliessgeräusch im Haus oder Wasser, das durch Kellerwände dringt. Auch verdächtig sei, wenn die Strasse bei trockenem Wetter stellenweise feucht ist oder die Erde scheinbar grundlos nass.

«Oft fällt es den Leuten leider nicht auf oder erst, wenn der Schaden schon gross ist», weiss Bichsel und: «Die Abklärungen meinerseits wären kostenlos.» Zur Abklärung, etwa ob irgendwo ein Leck ist, dienen die rund 50 Logger, die als kleine blaue Deckel überall im Dorf auf dem Boden zu sehen sind. Darin sind Mikrofone eingebaut, womit Bichsel prüfen kann, woher die allfällige Störung kommt.

Werkhof und Eichbännli

Der Wolfwiler Brunnenmeister zeigt auf einer Tour exklusiv für diese Zeitung die wichtigen Stationen des Wolfwiler und Fulenbacher Frischwasser-Versorgungsnetzes. Erste Station ist der Werkhof, wo auch das Feuerwehrmagazin domiziliert ist.

Insgesamt verfügt die Gemeinde Wolfwil über 21 Kilometer Frischwasser-Leitungen, von denen die älteste um die hundert Jahre alt ist. Doch das Alter der Leitung hat nichts mit der Wasserqualität zu tun, denn: «Es handelt sich um ein geschlossenes System, in dem ein Biofilm in den Leitungen gebildet wurde», erklärt Bichsel, der übrigens Brunnenmeister mit Eidg. Fachausweis ist. Diese Zusatzausbildung dauert ein Jahr.

Die grössten Wasserleitungen haben einen Durchmesser von 30 Zentimetern. Dabei handelt es sich um Transportleitungen. Die kleinsten Leitungen hingegen, sind vier Zentimeter im Durchmesser, und sie führen zu Wohnhäusern. Im Rohrkeller des Reservoirs Schlosshubel sind diese sehr gut zu erkennen. Auf dem Weg dorthin ist auf der rechten Seite des Feldweges noch das alte Pumphäuschen zu sehen. Im Werkhof kann Bichsel die Gesamtsituation elektronisch überwachen. Auf dem Display sieht er das Leitungsnetz der Gemeinden Wolfwil und Fulenbach. Bichsel sieht den genauen Wasserverbrauch der beiden Gemeinden.

Gestern um 10.45 Uhr hatte Wolfwil einen Durchlauf von 400 Litern pro Minute, im einwohnermässig kleineren Fulenbach waren es 200 Liter. «In Spitzenzeiten fliessen 1000 Liter pro Minute», weiss Bichsel, etwa im Sommer, wenn die Bauern ihre Felder bewässern. In der Nacht vom Mittwoch auf gestern Donnerstag brauchte Wolfwil im Schnitt 150 Liter Wasser pro Minute, dies sei normal. Anhand der Zahlen sieht Bichsel auch, ob ein Hydrant benutzt wurde. Zu seinen Aufgaben als Brunnenmeister gehört der Unterhalt von 140 Hydranten der Gemeinde Wolfwil.

Vom Brunnen ins Reservoir

Unmittelbar neben dem Pumpwerk mitten im Wald befinden sich die zwei Grundwasser-Brunnen. Gegenwärtig liegt der Wasserspiegel auf 423 Meter über Meer., wie Bichsel erklärt. Im Januar und Februar hat es laut seinen Angaben jeweils am meisten Wasser, dann liegt der Grundwasserspiegel auf 426 Meter über Meer.

Vom «Eichbännli» aus wird das Wasser ins Reservoir Schlosshubel gepumpt. Dies geschieht immer nachts und ist selbst im Reservoir selbst nicht zu hören. Um dorthin zu gelangen, fährt Bichsel ein paar Minuten Richtung Schweissacker. Das Reservoir befindet sich zwischen Neuendorf und Wolfwil, und ist erst noch auf Niederbuchsiter Boden. Die Lage muss erhöht sein, damit Wasserdruck entstehen kann. In Landschaften mit wenig Hügeln muss das Wasser dafür zunächst durch einen Wasserturm gepumpt werden, wie etwa in Etziken.

Wolfwil verfügt seit dem Jahr 1907 über eine Wasserversorgungsnetz. Das erste Reservoir fasste 375 Kubikmeter Wasser. Bevor im Jahr 2011 das elektronische System eingeführt wurde, machte der gute Alte Trommelschreiber seine Arbeit. Die Ausrüstung steht heute im Pumpwerk «Eichbännli» und wäre fürs Museum geeignet.