Egerkingen
Virusausbruch und Besuchsverbot: Wie Corona das Leben im Alterszentrum «Sunnepark» einschränkt

Im Egerkinger Alterszentrum «Sunnepark» der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu sterben mehrere Anwohner nach einer Coronainfektion. Der Besuchsverbot aber beschäftigt das Heim mehr.

Gülpinar Günes
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Mehrere Bewohner befinden sich noch in Isolation.

Mehrere Bewohner befinden sich noch in Isolation.

Bruno Kissling

Vor einigen Tagen ist im Alterszentrum «Sunnepark» in Egerkingen das Coronavirus ausgebrochen. Wie die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu mitteilte, seien mehrere Bewohner einer Abteilung positiv auf das Virus getestet worden. «Leider sind auch Bewohner, welche am Coronavirus erkrankt waren, verstorben», heisst es weiter. Alle anderen Bewohner, die Symptome des Virus aufweisen, seien isoliert.

Viele der Erkrankten sind laut der Mitteilung wieder genesen oder auf dem Weg zu Besserung. Mitarbeiter seien nur vereinzelt betroffen. Die Geschäftsleiterin Gina Kunst will auf Anfrage keine genaueren Zahlen zu den Infizierten und Verstorbenen nennen. Sie sagt nur, dass die letztere schwach gewesen seien und bereits eine Grippe problematisch gewesen wäre.

Eine Woche vor dem Besuchsverbot geschlossen

Wegen des Ausbruchs musste das Alterszentrum bereits eine Woche vor dem angeordneten Besuchsverbot schliessen. Seit gestern aber sind wieder alle Eltern und Grosseltern in den Heimen von ihren Kindern und Enkeln abgeschottet. Ihre Freiheiten sind eingeschränkt: Um eine Ansteckung zu vermeiden, dürfen sie sich beispielsweise nur noch beschränkt innerhalb und ausserhalb des Heims bewegen. Die Geschäftsleiterin Gina Kunst zeigt sich zutiefst betroffen von den Massnahmen des Kantons, trotz des Ausbruchs in ihrem Heim. «Unsere Bewohner sind betagt, aber nicht bekloppt», sagt sie am Telefon. Sie klingt wütend, als sie nach der allgemeinen Situation gefragt wird. Es sei für sie inakzeptabel, dass die Meinung ihrer Bewohner scheinbar nicht relevant ist und sie damit bevormundet werden, wie sie sagt.

Besonders störe sie, dass der Kanton und der Bund mit «zweierlei Massstäben messen»: Es sei möglich, den Gottesdienst zu besuchen, nicht aber seine Mutter im Heim. «Die Massnahmen sind inkonsequent.» Man müsse das ganze aus der Sicht der Senioren sehen: Das Heim sei ihr zu Hause, wo sie sich wohlfühlen. Und nun würden dort allerlei Einschränkungen auferlegt. «Sie vereinsamen mit den Massnahmen. Wo bleibt das Wohlbefinden der betagten Personen?»

Auch im Hinblick auf Weihnachten zeigt sich Kunst betroffen: Normalerweise gäbe es immer ein grosses Weihnachtsessen im Restaurant des Heims. Dann gebe es Geschenke für alle. «Die Bescherung findet nach wie vor statt», sagt sie. Allerdings nur noch im kleinen Rahmen in der Abteilung. Weil das Besuchsverbot vorerst nur bis am 23. Dezember gilt, sei auch nicht klar, ob Angehörige anwesend sein können.

Auch das Personal leidet unter den Massnahmen

Die Situation sei auch für das Pflegepersonal belastend. Es sei «wahnsinnig schwierig» im Moment. Alles sei wegen der Hygienemassnahmen mit einem Mehraufwand verbunden, sei es beim Spazieren oder bei der körperlichen Pflege. Auch die Kommunikation leide darunter. «Wie will man mit den Masken noch kommunizieren – man sieht ja nur noch die Augen.» Das erschwere insbesondere auch die Arbeit mit Demenzkranken, da diese auf Mimik angewiesen sind.

Immerhin sei die Lage betreffend Infektionen stabil im Moment: In den anderen Alterszentren der Genossenschaft in Niederbuchsiten und Oensingen hätte sich niemand angesteckt soweit. Regelmässig komme auch eine Hygienefachperson des Kantons, um Arbeitsprozesse und Hygienemassnahmen zu optimieren. «Nur der gesunde Menschenverstand bleibt bei den Massnahmen auf der Strecke», sagt Kunst.

«Inseli» will sich nicht äussern

Das Alters- und Pflegeheim «Inseli» in Balsthal wollte sich auf Anfrage nicht zum Besuchsverbot äussern. Wie die Heimleiterin May Jauslin aber auf der Website informiert, gilt auch dort ein generelles Besuchsverbot bis am 23. Dezember. Wie es danach weitergehe, hänge von der Entwicklung der Fallzahlen ab. (gue)

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